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Wirtschaftsumfeld | Belgien | Außenhandel

Belgische Im- und Exporte auf neuem Rekordniveau

Belgiens Außenhandel ist 2021 nominal um 24,5 Prozent gestiegen und war damit um 14,3 Prozent höher als 2019 vor der Coronakrise. Dahinter steckt ein Boom bei zwei Warengruppen.

Von Torsten Pauly | Berlin

Die belgischen Ausfuhren von Öl und anderen Brennstoffen haben sich 2021 verdoppelt (+99,7 Prozent). Die entsprechenden Einfuhren sind 2021 um 67,8 Prozent gestiegen. Belgiens Seehäfen importieren fossile Brennstoffe nicht nur für den Binnenmarkt, sondern auch für Deutschland und andere kontinentaleuropäische Länder. Zudem befinden sich dort viele Raffinerien. Die Nachfrage im In- und Ausland nach diesen Produkten ist 2021 durch die Konjunkturerholung nach dem Coronaeinbruch wieder stark gestiegen.

Auch der Export von chemischen Erzeugnissen, der wichtigsten Handelsware Belgiens, hat sich 2021 um 34,3 Prozent erhöht (Import: +20,9 Prozent). In Antwerpen befindet sich Europas größtes Chemiecluster, auch führende deutsche Konzerne sind dort präsent. Die Produktion der exportorientierten belgischen Chemieindustrie ist 2021 um 6,8 Prozent gestiegen. Im Jahr 2020 war ihr Ausstoß noch um 2,8 Prozent gesunken. Die Pharmaunternehmen haben ihre Erzeugung 2021 sogar mehr als verdoppelt (+110,4 Prozent).

Neben Brennstoffen und Chemikalien zählen Kfz, Maschinen sowie Nahrungsmittel und Getränke zu den wichtigsten belgischen Handelswaren.

Auch für 2022 moderates Wachstum erwartet

Der Handelsaufschwung soll 2022 trotz des Krieges in der Ukraine und der weiterhin spürbaren Unterbrechung internationaler Lieferketten anhalten. Zwar sperrt Belgien seine Häfen für russische Schiffe wegen des Angriffs auf die Ukraine, doch sind die Auswirkungen auf deren Umschlag gering. Im Jahr 2021 haben nur 215 russische Frachter belgische Seehäfen angelaufen. Insgesamt erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF), dass der belgische Warenimport 2022 preisbereinigt um 2,8 Prozent zulegt. Der Export soll noch stärker um 3,5 Prozent wachsen.

Einfuhrbedarf kommt deutschen Lieferanten entgegen

Die belgische Importstruktur sorgt auch für eine gute deutsche Lieferposition. So sind Belgiens Importe aus Deutschland von chemischen Erzeugnissen, Maschinen sowie von Nahrungsmitteln und Getränken 2021 stark gestiegen. Lediglich bei Kfz gab es einen Einbruch um 34 Prozent. Dies war jedoch Auslieferungsengpässen wegen mangelnder Vorprodukte geschuldet und hatte nichts mit geringerer Nachfrage zu tun.

Wichtigste belgische Importe aus Deutschland (in Milliarden Euro; Veränderung in Prozent)

Segment (SITC-Position)

2021

Veränderung 2021/2020

Insgesamt, darunter

59,2

23,6

  Chemische Erzeugnisse (5)

19,6

71,1

  Kfz (78)

6,3

-33,7

  Maschinen (71, 72, 73, 74)

4,8

12,9

  Nahrungsmittel, lebende Tiere, Getränke (0, 1)

4,0

22,4

Quelle: Eurostat 2022

Die belgischen Exporte von Brennstoffen nach Deutschland haben sich 2021 verdoppelt. Auch bei chemischen Erzeugnissen gab es einen starken Anstieg um 52 Prozent. Die Kfz-Ausfuhren haben ebenfalls um 9 Prozent angezogen. Dies liegt auch daran, dass Audi sein erstes Elektroauto, den etron, ausschließlich in Brüssel fertigt. Auch alle anderen belgischen Fahrzeugbauer setzen auf Hybrid-, Elektro- und Brennstoffzellenantriebe. Belgien erwirtschaftet im Außenhandel mit Deutschland seit Jahren Exportüberschüsse. Im Jahr 2021 ist dieses Plus um 62,2 Prozent auf 27,1 Milliarden Euro in die Höhe geschnellt.

Wichtigste belgische Exporte nach Deutschland (in Milliarden Euro, Veränderung in Prozent)

Segment (SITC-Position)

2021

Veränderung 2021/2020

Insgesamt, darunter

86,3

33,6

  Chemische Erzeugnisse (5)

33,2

51,7

  Kfz (78)

9,3

8,9

  Brennstoffe/Technische Öle (3)

6,3

101,1

  Nahrungsmittel, lebende Tiere, Getränke (0, 1)

5,3

0,2

Quelle: Eurostat 2022

Insgesamt ist Deutschland bei den belgischen Importen das zweitwichtigste Lieferland nach den Niederlanden. Für den belgischen Export ist Deutschland sogar der wichtigste Auslandsmarkt. Daneben zählen Frankreich und die USA zu den führenden Handelspartnern. An Bedeutung verloren hat in den letzten Jahren das Vereinigte Königreich. Dieser Trend hat sich durch den Brexit nochmals verstärkt. Im Jahr 2021 hat das Vereinigte Königreich zwar 5,7 Prozent aller belgischen Ausfuhren abgenommen, aber nur mehr 3,6 Prozent aller Einfuhren gestellt.

Belgien ist eine Logistikdrehscheibe in Nordwesteuropa

Mit seiner zentralen Lage, seinen großen Seehäfen und seiner guten Infrastruktur ist Belgien auch ein wichtiges Transitland für Deutschland und andere kontinentaleuropäische Märkte. Europas zweitgrößter Hafen Antwerpen, der im April 2022 mit Zeebrugge fusioniert, hat 2021 etwa 240 Millionen Tonnen umgeschlagen. Das waren 3,8 Prozent mehr als 2020 und mehr, als in Hamburg und Bremen zusammen angefallen ist. Dabei realisiert Antwerpen etwa 30 Prozent seines Umschlags für Kunden aus Deutschland. Daher rangiert Belgien bei der Liste der größten deutschen Handelspartner 2021 auf Rang neun.

Die hohe Bedeutung von reexportierten Transitwaren trägt auch dazu bei, dass Belgien eine äußerst offene Volkswirtschaft ist. Im Jahr 2021 hat Belgiens Wareneinfuhr 85,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) entsprochen. Die Ausfuhr betrug 2021 sogar 91,1 Prozent des BIP. Auch weltweit erwirtschaftet Belgien seit Jahren hohe Exportüberschüsse, die stark zum gesellschaftlichen Wohlstand beitragen. Die positive Handelsbilanz hat 2021 insgesamt 5,8 Prozent des belgischen BIP ausgemacht.

Außenhandel von Belgien (in Milliarden Euro; Veränderung in Prozent)

2021

Veränderung 2021/2020

Veränderung 2021/2019

Importe

432,1

24,2

12,8

Exporte

461,6

24,9

15,7

Handelsbilanzsaldo

29,6

36,1

84,3

Quelle: Eurostat 2022

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