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Wirtschaftsumfeld | Israel | Start-ups

Dunkle Wolken über Israels Startup-Szene

Die Zahl neuer Start-ups sinkt. Kapitalknappheit ist für Israels Hightech gefährlich. Für ausländische Unternehmen können sich aber günstige Investitionsmöglichkeiten ergeben.

Von Wladimir Struminski | Israel

Die israelische Startup-Szene erlebt eine Schwächephase. Diese wird sowohl auf globale Investitionsentwicklungen als auch auf den Gaza-Krieg und dessen Folgen zurückgeführt. Zwar gibt es auch Investoren, die nach Israel zurückkehren. Dennoch gilt eine geopolitische Stabilisierung als Bedingung für eine Trendumkehr.

Existenzgründungen gehen 2024 zurück

Für das Jahr 2024 wird ein Rückgang der Zahl neuer Start-ups erwartet. Das haben führende israelische Experten gegenüber Germany Trade and Invest im Juli 2024 erklärt. Diese Erwartung stützt sich auf Angaben zur Firmengründung im 1. Halbjahr 2024. Zwar seien die bisherigen Daten nur vorläufig, aber der rückläufige Trend dürfte sich kaum ändern.

Nach einer Statistik der israelischen Innovationsbehörde wurden in Israel 2023 rund 600 neue Hightechfirmen gegründet. Von Israelis gegründete Hochtechnologiefirmen werden dem einheimischen Hightechsektor zugerechnet, wenn ihr Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt (FuE) in Israel liegt. Nach dieser Definition verfährt auch die auf den Wagniskapitalmarkt spezialisierte Marktforschungsfirma IVC Data and Insight, ein führender Informationsanbieter auf diesem Gebiet. Laut Batya Feldman, Marketingdirektorin der Firma, lassen viele Start-ups ihren Geschäftssitz im Ausland, vor allem in den USA registrieren. Das geschehe aus dem Wunsch nach größerer Nähe zu Zielmärkten oder aus steuerlichen Gründen.

Weniger Investoren, weniger Investitionsrunden

Einer der Gründe für die Schwäche der Startup-Szene ist Kapitalknappheit. Zwar deutet die Entwicklung des 1. Halbjahrs 2024 auf eine gegenüber 2023 stabile, wenn nicht sogar leicht steigende Gesamtkapitalaufnahme der israelischen Hightechfirmen hin. Allerdings ist dieses Ergebnis erfolgreichen Investitionsrunden bereits etablierter Marktteilnehmer geschuldet. Dagegen tun sich viele junge Start-ups mit der Kapitalbeschaffung schwer.

So etwa geht aus Angaben von IVC Data and Insight hervor, dass das Tempo der Seed-Investitionen sich 2024 deutlich verlangsamt hat. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet läge die Zahl der Investitionsrunden im Seed-Stadium 2024 um 35 Prozent unter dem Stand von 2023.

Ein weiteres Warnzeichen ist die sinkende Zahl aktiver Hightech-Investoren – Wagniskapitalfonds, institutioneller Investoren sowie Branchenunternehmen. Laut einer Analyse des israelischen RISE-Instituts wurden im 1. Halbjahr 2024 insgesamt 774 aktive Hochtechnologieinvestoren verzeichnet. Das waren 20 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Diese Entwicklung spiegelt vor allem eine gedämpfte Investitionsneigung ausländischer Investoren wider. Nicht nur machten diese im 1. Halbjahr 2024 mit 64 Prozent fast zwei Drittel aller in Israel tätigen Hightech-Investoren aus. Vielmehr, so RISE, brächten auch die israelischen Wagniskapitalfonds ihre Finanzierungsmittel größtenteils im Ausland auf, um sie in Israel zu investieren. Daher spiegelt ihre reduzierte Investitionsaktivität ebenfalls eine Reduktion des Zuflusses ausländischen Kapitals wider.

Kapitalknappheit schafft auch Investitionschancen

Laut einer Analyse der gemeinnützigen israelischen Hightech-Organisation Start-up Nation Central (SNC) sind nicht alle Technologiebranchen gleichmäßig von der Kapitalknappheit betroffen. Wie Estie Rosen, SNC-Direktorin für globale Kommunikation, gegenüber Germany Trade and Invest sagte, profitiere die Cybersicherheitsbranche, das führende Segment des israelischen Hightechsektors, von der starken globalen Nachfrage nach Datensicherheit. Demgegenüber seien Investitionen in Branchen wie Klimatechnologie oder Nahrungsmittel- und Agrartechnologie weltweit rückläufig. Das erschwere die Investitionen in diese Branchen auch in Israel. 

Zugleich gebe es ausländische Investoren, für die sich aus der Kapitalknappheit auf dem Startup-Markt Chancen zum Engagement ergäben. Niedrigere Unternehmensbewertungen, so Estie Rosen, ermöglichten günstige Investitionen in hochqualitative israelische Objekte. Zu Investoren, die nach einer Pause wieder in Israel investierten, gehöre beispielsweise der Wagniskapitalfonds Sequoia Capital.

Image-Schaden gefährdet Investitionen

Auf Dauer wäre eine anhaltende Kapitalschwäche bei Start-up-Gründungen für den israelischen Hightechsektor gefährlich. Zwar schreibt SNC die gedämpfte Investitionsneigung hauptsächlich globalen Trends zu. Es gibt in Israel aber auch Stimmen, die vor den Folgen der verschlechterten geopolitischen Lage des Landes warnen. Dabei spielen neben dem im Oktober 2023 ausgebrochenen Gaza-Krieg auch Kämpfe an der Nordgrenze und die Gefahr einer Ausdehnung des Krieges auf andere Fronten eine Rolle.

Gil Shwed, Mitgründer und CEO von Check Point Software Technologies Ltd, warnte im Juni 2024, Israel drohe das Image eines gefährlichen Standorts. Check-Point ist eine der größten israelischen Hightechfirmen. Auch das RISE-Institut sieht die Zurückhaltung ausländischer Investoren als "extrem besorgniserregend". Seiner Meinung nach ist die Rückkehr zu Sicherheit und politischer Stabilität die grundlegende Bedingung dafür, die Wahrnehmung Israels als eines attraktiven Investitionsstandorts wiederherzustellen.

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