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Wirtschaftsausblick | Kasachstan

Kasachstans Konjunktur trotzt schweren Überschwemmungen

Der Aufschwung der kasachischen Wirtschaft hält 2024 an. Für Impulse sorgen die Investitionen. Die deutschen Exporte verfehlen das starke Vorjahresergebnis.   

Von Jan Triebel | Almaty

Top-Thema: Zunehmender Fokus auf Zukunftstechnologie "Grüner Wasserstoff"

Kasachstan will sich bei grünem Wasserstoff als ein bedeutender Player auf internationaler Ebene etablieren. Mit der Einführung der Zukunftstechnologie würde das Land nicht nur der geplanten Klimaneutralität bis 2060 näher kommen. Die Wasserstoffbranche kann auch dabei helfen, die nach wie vor stark von Öl und anderen Rohstoffen geprägte Wirtschaft stärker zu diversifizieren.

Der im Frühjahr 2024 vorgelegte Entwurf zur Wasserstoffstrategie geht bis 2040 von der Inbetriebnahme von Elektrolyseuren im gesamten Land mit einer Kapazität von mindestens 10 Gigawatt aus. Als Standorte für die Produktion des grünen Wasserstoffs sind laut einer Studie der Deutschen Energieagentur die Regionen um Atyrau, Oskemen, Pawlodar und den See Balkhash besonders gut geeignet.

Ähnliches gilt für das Gebiet Mangystau am Kaspischen Meer, wo die deutsche Svevind Energy Group mit Hyrasia One aktuell eines der weltweit größten privaten Projekte für grünen Wasserstoff entwickelt. Läuft bei der baulichen Umsetzung alles nach Plan, dürfte Kasachstan ab etwa 2032 jährlich rund 2 Millionen Tonnen grünen Wasserstoff erzeugen.

Wirtschaftsentwicklung: Sonderfaktor Hochwasser bremst Aufschwung leicht ab

Kasachstans Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs, trotz schwieriger Rahmenbedingungen. Externe Schocks, wie die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine, hat das Land souverän gemeistert. Für unerwartete Probleme sorgten schwere Überschwemmungen im Frühjahr 2024. Sie verursachten gewaltige Schäden in mehreren Regionen. Der mittlerweile angelaufene Wiederaufbau ist aufgrund der hohen Kosten für Kasachstan sehr herausfordernd.

Als direkte Folge des Hochwassers schwächt sich das wirtschaftliche Wachstum 2024 leicht ab. Angesichts eines voraussichtlichen Anstiegs um real 4,1 Prozent legt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aber noch immer recht beachtlich zu, nach einem Plus von 5,1 Prozent im Vorjahr. Als Träger des Wachstums gilt vor allem die aktive Investitionstätigkeit.

Auch auf mittlere Sicht fallen die Prognosen gut aus. Für 2025 rechnet die Economist Intelligence Unit (EIU) mit einem Wachstum von 4 Prozent, der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet ein Plus von 5,7 Prozent. Für die gesteigerte Tempo spräche laut IWF vor allem die Aussicht auf eine ab 2025 deutlich steigende Ölproduktion. Die Arbeiten zum Ausbau von Kasachstans größtem Ölfeld Tengiz nähern sich mittlerweile ihrem Ende und sollen dort eine Steigerung des Outputs um rund 40 Prozent ermöglichen.

Investitionen: Neben Rohstoffen finden ausländische Investoren auch Gefallen an erneuerbaren Energien

Die Bruttoanlageinvestitionen entwickeln sich robust. Der Ausblick auf 2024 verspricht ein reales Wachstum von rund 8 Prozent, das 2025 mit etwa 4 Prozent wieder etwas moderater ausfallen dürfte.

Im Fokus des Investitionsgeschehens stehen der Abbau und die Verarbeitung zahlreicher Rohstoffe sowie der Bausektor. Die Sparte Wohnungsbau sticht durch ein besonders aktives Geschehen heraus, wobei zahlreiche staatliche Förderprogramme ihre Wirkung entfalten.

Obwohl ausländische Kapitalgeber 2023 weniger als im Vorjahr investierten, bleibt Kasachstan für sie als Standort interessant. Auch das Geld aus dem Ausland fließt vor allem in den Rohstoffsektor. Darüber hinaus rückt der Bereich Erneuerbare Energien zunehmend in den Fokus. Große internationale Player haben für diesen mehrere Milliardenprojekte angekündigt.

Konsum: Realeinkommen drehen dank nachlassender Inflation wieder ins Plus

Die Kaufkraft der kasachischen Bevölkerung wächst aktuell nur verhalten. Entsprechend bleibt das Wachstumspotenzial für den privaten Konsum begrenzt. Die Nachfrage der Bevölkerung nimmt 2024 um rund 3 Prozent zu; für 2025 gilt ein Plus von gut 4 Prozent für möglich.

Das Konsumklima profitiert vor allem von der sich wieder abgeschwächten Inflation. Während die Teuerungsrate Anfang 2023 in der Spitze noch rund 20 Prozent auf Jahresbasis betragen hatte, fiel sie im Juni 2024 mit 8,4 Prozent spürbar moderater aus. Der zwischenzeitlich leichte Rückgang der Realeinkommen wurde gestoppt. Sie verbesserten sich zwischen Januar und Mai 2024 um 2,5 Prozent im Vorjahresvergleich.

Außenhandel: Importe profitieren von guter Nachfrage

Kasachstans Außenhandelsströme entwickeln sich 2024 uneinheitlich. Auf Seiten der Ausfuhren sorgt vor allem der gestiegene Ölpreis für einen leichte Verbesserung der Erlöse. Für das Gesamtjahr 2024 gilt ein Ausfuhrplus von etwa 4 Prozent als wahrscheinlich.

Gleichzeitig flacht das Importwachstum nach zwei starken Vorjahren ab. Die Einfuhren gingen während der ersten fünf Monate 2024 gegenüber dem Stand ein Jahr zuvor um rund 7 Prozent zurück. Für das Gesamtjahr ist bestenfalls mit einem geringen Wachstum von rund 1 Prozent zu rechnen. Ob sich der aktuelle Negativtrend im weiteren Jahresverlauf tatsächlich umkehrt, hängt maßgeblich von der Konsumneigung der Bevölkerung in den nächsten Monaten ab.

Deutsche Perspektive: 2024 lassen sich hohe Exportzuwächse vom Vorjahr kaum wiederholen  

Der deutsch-kasachische Außenhandel wächst weiter. Im Gegensatz zum Vorjahr sorgen 2024 nur noch die steigenden Lieferungen aus Kasachstan für Impulse. Gleichzeitig werden weniger deutsche Produkte auf dem kasachischen Markt verkauft als ein Jahr zuvor. Hatten deutsche Anbieter 2023 noch ein Lieferplus von rund 20 Prozent erzielt, schlug im Zeitraum Januar bis Mai 2024 ein Minus von knapp 15 Prozent zu Buche. Vor allem bei Maschinen und Anlagen liegen die Verkäufe unter dem hohen Vorjahresniveau.

In Gegenrichtung gelangt vor allem Rohöl aus Kasachstan nach Deutschland. Das Liefervolumen erhöhte sich zwischen Januar und Mai 2024 um 28 Prozent im Vorjahresvergleich. Darunter erhält die Raffinerie im brandenburgischen Schwedt 2024 über das Drushba-Pipelinesystem etwa 1,2 Millionen Tonnen, nach knapp 1 Million Tonnen im Jahr 2023.

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