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Branchen | Griechenland | Abwasser

Abwasser soll in Griechenland effizienter behandelt werden

Um das Abwasser besser zu reinigen, sollen landesweit Kläranlagen und Kanalisationen errichtet und modernisiert werden. Dafür stehen großzügige EU-Fördermittel zur Verfügung.  

Von Michaela Balis | Athen

In Griechenland steht in den nächsten Jahren fast 1 Milliarde Euro für den Bau und die Modernisierung von Abwasserbehandlungsanlagen zur Verfügung. So fließen bis 2025 knapp 300 Millionen Euro in landesweite Abwasserprojekte, von denen 75 Prozent aus dem Europäischen Aufbaufonds stammen. Der Rest wird über nationale Mittel gedeckt. Weitere 600 Millionen Euro stellt die EU-Partnerschaftsvereinbarung 2021-2027 für Kläranlagen und Kanalisationen bereit.

Kleine Siedlungen erhalten Kläranlagen

Bei den Projekten handelt es sich unter anderem um den Bau von neuen Abwasserbehandlungsanlagen in Orten mit unter 2.000 Einwohnern in touristischen und in ökologisch sensiblen Gebieten. In diesen Orten wendet Griechenland bisher individuelle Systeme an, beispielsweise häusliche Kläranlagen oder Klärgruben anstelle von zentralen Sammelsystemen und Kläranlagen. 

Als Mitglied der EU richtet sich das Land dabei nach den europäischen Vorschriften bei der Behandlung von kommunalem Abwasser (Richtlinie 91/271/EWG). Durch die Aufnahme von Kleinstädten in den Anwendungsbereich der Richtlinie sollen die Umweltschäden in Zukunft verringert werden. 

Bestehende Abwasserinfrastruktur wird erweitert und modernisiert

Zudem sollen bestehende Kläranlagen modernisiert werden, beispielsweise indem die Energieeffizienz gesteigert und der Klärschlamm behandelt wird. Durch die Einführung zusätzlicher Reinigungsstufen kann der Anteil des wiederverwendeten Wassers erhöht werden.

Dafür muss bei 30 von 232 biologischen Kläranlagen in Griechenland die dritte Reinigungsstufe nachgerüstet werden, um auch die letzten 13 Prozent des Abwasseraufkommens von Phosphor und Stickstoff zu säubern.

Die Kanalisationsnetze stehen vor einer Erweiterung. Das betrifft auch den Anschluss von Immobilien an die öffentliche Kanalisation: Aufgrund unzureichender Liquidität sind häufig weder die Eigentümer noch die kommunalen Wasser- und Abwassergesellschaften dieser Pflicht nachgekommen, so das griechische Umwelt- und Energieministerium.

Rund 96 Prozent der Abwässer werden gesammelt und gereinigt

Dennoch können sich die griechischen Zahlen zur Abwasserbehandlung sehen lassen: Rund 95 Prozent der Haushalte waren laut Eurostat 2021 an die öffentliche Kanalisation angebunden. Insgesamt wurden 96 Prozent der kommunalen Abwässer gemäß den Anforderungen der EU-Abwasserrichtlinie (sekundäre oder tertiäre Reinigungsstufe) behandelt. Dies liegt über dem EU-Durchschnitt von 76 Prozent, so die Europäische Kommission. 

Über die Nationale Datenbank für urbane Kläranlagen (UWWTP) der griechischen Umwelt- und Energieministeriums werden die Anwendung der EU-Richtlinien beobachtet und Informationen zu den Kläranlagen bereitgestellt.

Fusion von Wassergesellschaften soll Projektfinanzierung erleichtern

Zuständig für den Bau und Betrieb der Klär- und Klärschlammanlagen sind die rund 130 kommunalen Wasser und Abwassergesellschaften, die 156 Gemeinden in ganz Griechenland abdecken. Die beiden größten sind die Wasser- und Abwassergesellschaft von Attika (EYDAP) und von Thessaloniki (EYATH).

Das griechische Umwelt- und Energieministerium plant die Anzahl der zuständigen Stellen über Fusionen zu verringern. Fortan sollen sie nicht mehr auf kommunaler, sondern auf regionaler Ebene tätig sein. Aufgrund ihrer geringen Größe sind sie häufig finanziell nicht in der Lage Instandhaltungs- und Ausbauprojekte zu übernehmen. 

Dieser Beschluss sorgt für Unmut bei den Gesellschaften und in der Opposition. Selbiges gilt für die Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen im Rahmen von öffentlich-privaten Partnerschaft bei den geplanten Projekten. Für ausländische Lieferanten von Ausrüstung entstehen durch die neuen finanziellen Möglichkeiten der teilprivaten Abwasserentsorger aber gute Lieferchancen. 

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