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Wirtschaftsumfeld | Oman | Außenhandel

Handelsbilanzüberschuss wächst dank hoher Energiepreise

Oman gehört zu den Ländern, die stark von der Öl- und Gaspreisentwicklung profitieren. Ausländische Lieferanten können mit einer weiter steigenden Importnachfrage rechnen. 

Von Robert Espey | Dubai

Omans Handelsbilanz dürfte 2022 erneut mit einem deutlich gewachsenen Plus abschließen. Der Überschuss stieg 2021 um 39 Prozent auf 13,6 Milliarden US-Dollar (US$). Im 1. Quartal 2022 wurde ein positiver Saldo von 5,6 Milliarden US$ verbucht: Die Ausfuhren expandierten um 47 Prozent auf 14,4 Milliarden US$, die Einfuhren um 6 Prozent auf 8,8 Milliarden US$.

Im weiteren Jahresverlauf könnte der Handelsbilanzüberschuss geringer ausfallen. Es ist von steigenden Einfuhren auszugehen. Die schwierig zu prognostizierende Entwicklung der Energiepreise wird die Exporteinnahmen wesentlich bestimmen.

Einnahmen aus Öl- und Gasexporten explodieren

Die Erlöse aus den Öl- und Gasexporten sind im 1. Quartal 2022 gegenüber der Vorjahresperiode um 67 Prozent auf 8,8 Milliarden US$ (einschließlich Raffinerieerzeugnisse) gestiegen. Der Anteil am Gesamtexport erhöhte sich von 54 auf 61 Prozent.

Der wertmäßige Zuwachs bei den Ölexporten um 89 Prozent auf 6,5 Milliarden US$ ist zum Großteil durch die Preisentwicklung verursacht, aber auch durch die Erhöhung der Exportmenge um 18 Prozent. Hauptabnehmer omanischen Öls ist China mit einem Anteil von fast 80 Prozent (1. Quartal 2022).

Die LNG-Exporte (Liquefied Natural Gas) haben sich im 1. Quartal 2022 wertmäßig um 71 Prozent auf 1,6 Milliarden US$ erhöht. Bereits 2021 brachten die gestiegenen Gaspreise ein Wachstum der LNG-Ausfuhren um 27 Prozent auf 4,3 Milliarden US$. Die Exportmenge ist 2021 nur um 4 Prozent auf 10,6 Millionen Tonnen gewachsen.

Drei LNG-Produktionslinien verfügen über eine Kapazität von insgesamt 11,4 Millionen Tonnen. Die hohe Nachfrage und die Ausweitung der Kapazitäten durch Beseitigung von Engpässen im Produktionsprozess (Debottlenecking) könnten 2022 die Exporte auf 11 Millionen Tonnen steigen lassen.

Der Großteil der LNG-Ausfuhren erfolgt im Rahmen langfristiger Verträge. Wichtige Abnehmer mit Verträgen bis Ende 2024 sind die Korea Gas Corporation, Osaka Gas und Itochu. Der Vertrag mit BP Singapore läuft bis Ende 2025. Nur 16 Prozent der LNG-Exporte wurden 2021 auf Spotmärkten verkauft.

Nicht-Öl-Ausfuhren legen ebenfalls kräftig zu

Oman weist für 2021 einen Anstieg der Ausfuhren von Nicht-Öl-Produkten um 91 Prozent auf 15,0 Milliarden US$ aus. Der Zuwachs ist auf größere Exportmengen und höhere Produktpreise zurückzuführen. Die wichtigsten Exportgüter waren Metalle und Metallwaren (Anstieg um 54 Prozent auf 3,4 Milliarden US$), chemische Erzeugnisse (93 Prozent auf 3,2 Milliarden US$), Kunststoffe und Gummi (386 Prozent auf 2,3 Milliarden US$) sowie Mineralien (103 Prozent auf 2,2 Milliarden US$).

Der größte Abnehmer von Nicht-Öl-Produkten sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE; 2021: 2,6 Milliarden US$), die einen Großteil der aus Oman gelieferten Waren re-exportieren. Es folgen die USA mit 1,6 Milliarden US$, Saudi-Arabien mit 1,5 Milliarden US$, Indien mit 1,2 Milliarden US$ und China mit 0,7 Milliarden US$.

Im 1. Quartal 2022 sind die Nicht-Öl-Exporte um 40 Prozent gestiegen. Die Ausfuhren von Kunststoffen und Gummi erhöhten sich um 83 Prozent. Bei Chemieprodukten wurde ein Plus von 44 Prozent verbucht, bei Mineralien waren es 42 Prozent und bei Metallen und Metallwaren 26 Prozent.

Nach starkem Einfuhranstieg geht das Wachstum zurück

Die Einfuhren nahmen 2021 um 50 Prozent auf 31 Milliarden US$ zu und erreichten damit den höchsten Wert seit 2013. Der Zuwachs folgte auf eine fünfjährige Phase mit schwacher Importentwicklung. Gemäß der Einfuhrstatistik nach Herkunfts-/Lieferländern erhöhten sich die Importe aus den VAE um 24 Prozent auf 11 Milliarden US$. Es folgten China (2,2 Milliarden US$), Indien und Katar (jeweils 2 Milliarden US$) sowie Brasilien (1,5 Milliarden US$).

Die Einfuhren aus den VAE sind überwiegend Re-Exporte über Dubai. Die Importdaten nach Ursprungsländern geben für 2021 die Bezüge aus den VAE mit lediglich 4,1 Milliarden US$ an. Aber auch in diesen Lieferungen dürften in erheblichem Umfang ausländische Waren enthalten sein, die in den VAE nur geringfügig bearbeitet wurden.

Im 1. Quartal 2022 sind die Einfuhren im Vergleich zur Vorjahresperiode nur noch um 6 Prozent gestiegen. Importzuwächse bei chemischen Erzeugnissen und Mineralien standen Rückgänge bei Metallen, elektrischen Maschinen und Transportausrüstungen gegenüber.

China baut seine Lieferungen kontinuierlich aus

Der chinesischen Zollbehörde zufolge sind die Ausfuhren nach Oman im 1. Halbjahr 2022 um 8 Prozent auf 2,0 Milliarden US$ gestiegen. Damit könnte 2022 ein neuer Spitzenwert erreicht werden. Chinas Lieferungen haben sich in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich von 1,8 Milliarden US$ (2012) auf 3,6 Milliarden US$ (2021) erhöht. Wichtige Exportkategorien waren 2021 Eisen und Stahl (SITC 67; 528 Millionen US$), Maschinen für verschiedene Zwecke (74; 310 Millionen US$), elektrische Maschinen (77; 264 Millionen US$) und Bekleidung (84; 250 Millionen US$).

Deutsche Ausfuhren erholen sich deutlich

Destatis zufolge sind die deutschen Ausfuhren nach Oman 2021 mit nur noch 615 Millionen Euro auf den niedrigsten Wert seit 2010 gefallen. Aber in den ersten fünf Monaten 2022 haben sich die Lieferungen um 56 Prozent auf 347 Millionen Euro erhöht. Der Anstieg wurde wesentlich durch Exporte in der Kategorie "Luftfahrzeuge und zugehörige Ausrüstungen" (SITC 792) im Wert von 72 Millionen Euro verursacht. Im Februar 2022 hat die omanische Fluglinie Salam Air einen in Hamburg montierten Airbus A321neo erhalten.

Ohne Luftfahrzeuge haben die deutschen Ausfuhren nach Oman in den ersten fünf Monaten 2022 immerhin um 24 Prozent auf 275 Millionen Euro zugenommen. Zuwächse gab es unter anderem bei Milch und Milcherzeugnissen (SITC 02; Anstieg um 179 Prozent auf 40 Millionen Euro), bei Pharmazeutika (54; 61 Prozent auf 18 Millionen Euro) oder bei Maschinen (71 bis 74; 24 Prozent auf 55 Millionen Euro). Die Exporte von Straßenfahrzeugen (SITC 78) gingen um 21 Prozent auf 35 Millionen Euro zurück.

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