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Erneuerbare Energien in Kolumbien machen deutlichen Fortschritt

Der Ausbau von grünem Strom in Kolumbien kommt endlich voran. Das Interesse deutscher Unternehmen wächst. Doch es bestehen auch Risiken.

Von Janosch Siepen | Bogotá

Projekte im Bereich Erneuerbare Energien kommen in Kolumbien heute deutlich schneller voran als noch vor einigen Jahren. Das ist wichtig, denn der Andenstaat muss seine Stromversorgung dringend ausbauen. Der Branchenverband Andeg warnt vor einem Stromdefizit von 4 bis 6 Prozent in den nächsten Jahren.

Schon 2024 machte sich der Energiemangel auf dem Spotmarkt bemerkbar, als der durchschnittliche Strompreis erstmals die Marke von 1.000 Pesos pro Kilowattstunde (etwa 0,25 US-Dollar) überschritt. Grund war die langanhaltende Trockenheit im Land. In der Folge mussten die Wasserkraftwerke, die für über 70 Prozent der Stromproduktion in Kolumbien stehen, ihre Leistung massiv herunterfahren.

Immer mehr neue Solarprojekte

Im Jahr 2024 hat sich die installierte Kapazität an Solar- und Windkraft auf knapp 2 Gigawatt vervierfacht. Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1.410 Megawatt gingen in Betrieb. Der größte Teil davon entfiel auf Solarprojekte.

Dieser Trend dürfte sich 2025 und darüber hinaus fortsetzen. Im laufenden Jahr rechnet der Branchenverband SER Colombia mit einem Zubau von 670 Megawatt. Ende 2025 kämen Solar- und Windkraft damit auf eine Kapazität von 2.550 Megawatt. Das entspräche 12 Prozent der landesweit installierten Leistung. In den Jahren 2026 und 2027 soll sich der Ausbau deutlich beschleunigen: SER Colombia rechnet mit einem weiteren Zubau von 5.500 Megawatt. Allerdings ist die Finanzierung vieler Projekte noch nicht abschließend geklärt.

Auktionen für neue Energieformen

Zusätzlich werden Auktionen für neue Formen grünen Stroms durchgeführt, die Kolumbien bislang nicht nutzt. In 2. Halbjahr 2025 findet die Vergabe für Offshorewindprojekte statt, an der acht Firmen aus Spanien, Großbritannien, Dänemark und Belgien teilnehmen. Außerdem plant das Land eine Ausschreibungsrunde für Geothermie. Das Energieministerium erließ im Januar 2025 Dekret 1598, um die Technologie im Land zu fördern. 

Die Entwicklung von Onshorewind wird einen Schub bekommen. Denn die erste Phase der Colectora-Übertragungsleitung geht voraussichtlich im Oktober 2025 in Betrieb. Dadurch wird die Nutzung von Windkraft im entlegenen Nordosten des Landes möglich.

Deutsche Unternehmen investieren

Eine Studie der EU-Delegation in Kolumbien im Rahmen der europäischen Konnektivitätsinitiative Global Gateway, die GTAI vorliegt, zeigt, dass insgesamt 61 europäische Firmen in erneuerbare Energien in Kolumbien investiert haben. An rund 60 Prozent der installierten Kapazität von grünem Strom in Kolumbien sind Firmen aus Europa beteiligt. Spanien und Deutschland führen die Liste der Unternehmen an. 

So verfügt die Münchner BayWa r.e. über zwei Niederlassungen im Land. Der Projektentwickler ABO Energy hat eine Projektpipeline von 800 Megawatt in Kolumbien. Viridi aus Neckarsulm arbeitet an einer Anlage für grünen Wasserstoff und Methanol in La Guajira. Enertrag strukturiert dort Wasserstoffprojekte. Und Colibri Energy arbeitet an Solar-, Wind- und Wasserstoffprojekten. Auch Notus Energy, ib Vogt und andere sind vor Ort. 

Laut Nicolás Galarza, dem ehemaligen stellvertretenden Umweltminister Kolumbiens und Direktor für Geschäftsentwicklung bei Enertrag in Kolumbien, hat die Privatwirtschaft großes Interesse an dem Sektor. Um das volle Potenzial auszuschöpfen, bedarf es jedoch einer größeren Flexibilität bei der Entwicklung der Infrastruktur im nationalen Netz und bei den erforderlichen technischen und ökologischen Genehmigungen sowie bei der Einbeziehung der Gemeinden.

Gute Chancen in Kolumbien sieht auch Manuel Schulte, Geschäftsführer von Colibri Energy. Ihm zufolge werden die Preise für Stromabnahmeverträge (PPA) langfristig deutlich steigen, da die Stromerzeugung den zukünftigen Bedarf nicht decken kann. Davon können Unternehmen profitieren. "Ich rate deutschen Unternehmen, sich zu beeilen", sagt Schulte. "Der Bedarf ist riesig, gerade zwischen 2026 und 2030."

 

Grüne Wasserstoffprojekte werden konkreter

Auch im Bereich grünen Wasserstoffs eröffnen sich zunehmend Chancen. Die Zahl der Projekte für grünen Wasserstoff hat 2024 um 75 Prozent auf 49 Projekte zugelegt, so die Angaben des Verbands ANDI-Naturgas. Laut dem Verband dürfte das Land 2030 eine Elektrolysekapazität von 1 Gigawatt erreichen, ab 2035 könnten es 10 Gigawatt sein. Das Staatsunternehmen Ecopetrol wird 2026 mit der Produktion von 800 Tonnen grünem Wasserstoff jährlich in der größten Wasserstoffanlage Lateinamerikas beginnen. 

Hevolución aus Antioquia arbeitet an der Herstellung und dem potenziellen Export von grünem Ammoniak. Im Bundesstaat Valle del Cauca gibt es ein Projekt zur Ammoniakproduktion für Düngemittel. Das Unternehmen EPM aus Medellín produziert Wasserstoff in einem Klärwerk bei Medellín und testet unterschiedliche Anwendungen. 

Vielfältige Herausforderungen bestehen

Trotz der Fortschritte beim Ausbau der erneuerbaren Energien bestehen weiterhin zahlreiche Herausforderungen. In den letzten Jahren häuften sich die Meldungen von europäischen Unternehmen, die Projekte suspendieren oder verkaufen wollen, darunter Windfarmen von EDP und Enel in La Guajira oder Solarparks von EDF in Girardot. Gründe sind häufig der Widerstand von lokalen Gemeinden und langwierige Genehmigungsprozesse. Vor allem bei der Umweltbehörde ANLA und den lokalen Behörden CAR häufen sich die Verfahren. 

Was bremst den Ausbau der Erneuerbaren in Kolumbien?

Laut einer Umfrage des Branchenverbands SER haben knapp die Hälfte der 46 befragten Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien in Kolumbien ihre Investitionen 2024 nicht konkretisiert, was auf folgende Hauptursachen zurückzuführen ist:

  1. Verzögerungen bei der Erlangung von umweltbezogenen und technischen Genehmigungen
  2. Verzögerungen bei der Zuweisung von Anschlusspunkten
  3. Ungewissheit in Bezug auf Rechtssicherheit und regulatorische Stabilität
  4. Hindernisse bei der Inanspruchnahme von gesetzlichen Steuervorteilen

Regulatorischer Rahmen unzuverlässig

Zudem zweifeln Beobachter die Verlässlichkeit des regulatorischen Umfelds an. Pläne der Regierung zur Senkung der Energiepreise bekräftigen diesen Eindruck. Die im November 2024 verabschiedete Resolution 101 066 von 2024 sieht ein zweistufiges Preissystem für den Großhandelsverkauf von Strom auf dem Spotmarkt vor, das die Höchstsätze für erneuerbare Energien und Kohlekraftwerke senkt, gleichzeitig aber höhere Grenzwerte für andere brennstoffbasierte Erzeuger beibehält. Der Branchenverband Andesco warnt, dass das den Ausbau der Erneuerbaren weiter verzögern und Investoren abschrecken könnte.

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