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Branchen | Polen | Elektrohausgeräte

Nischenprodukte unter den Hausgeräten weiter gut gefragt

Die Verkäufe von Gebrauchselektronik stagnieren in Polen real. Spielekonsolen liegen aber im Trend, ebenso Kaffeeautomaten und der Thermomix. Die Produktion von Hausgeräten sinkt.

Von Beatrice Repetzki | Berlin

Die Umsätze mit Gebrauchselektronik sollen in Polen laut der Marktforschungsfirma GfK 2022 nominal um 13 Prozent zunehmen. Angesichts einer steigenden Inflationsrate, die im August 2022 laut dem Statistischen Hauptamt GUS bereits bei 16,1 Prozent gegenüber August 2021 lag, kann das jedoch einen realen Rückgang bedeuten. Für das 1. Halbjahr 2022 meldet GfK einen nominalen Zuwachs von ebenfalls 13 Prozent, was einem realen Zuwachs um 1 Prozent gegenüber dem 1. Halbjahr 2021 entspricht.

Verkäufe stagnieren real

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch der Branchenverband für Hausgeräte APPLiA Polska. Die Verkäufe von Hausgeräten stiegen demnach in den ersten sieben Monaten 2022 nominal um 12 Prozent gegenüber Januar bis Juli 2021, was real einer Stagnation entsprach. Im Juli 2022 ergab sich ein nominaler Rückgang um 6 Prozent gegenüber Juli 2021, was eine reale Schrumpfung um 16 Prozent bedeutete.

Etwa seit Juni 2022 melden die Hersteller von Hausgeräten laut APPLiA Polska auch Produktionsrückgänge. Die Lager der Einzelhandelsketten seien noch gut gefüllt. Die Preise würden trotz der Kaufzurückhaltung aufgrund der allgemeinen Inflation anziehen. Der Markt sei zunehmend gesättigt. Das betrifft laut dem Vorsitzenden von MediaMarktSaturn Polska, Andrzej Jackiewicz, auch IT-Geräte für Home Schooling und Home Office, mit denen sich die privaten Haushalte in den vergangenen Monaten gut ausgestattet hätten.

Spielekonsolen im Auftrieb

Stärker gefragt seien nun Geräte und Zubehör für Computerspiele. Computerspiele wurden in Polen 2021 laut Polish Gamers Observatory für 556 Millionen Euro verkauft, 2022 soll der Wert auf 597 Millionen Euro steigen (auf Złoty-Basis nominal +12,2 Prozent). Auch Kaffeemaschinen und Spülmaschinen erfreuen sich laut Branchenkennern weiter hoher Nachfrage. Zu einem regelrechten Hit wurde der Thermomix, mit dem Vorwerk Polska 2021 rund 231 Millionen Euro umsetzte (+42,8 Prozent gegenüber 2020).

Die Angaben des GUS zur Industrieproduktion bestätigen den von APPLiA Polska beobachteten rückläufigen Trend. Demnach befindet sich die Produktion von Computern zwar weiter im Aufwind. Bei Fernsehgeräten und Staubsaugern ergab sich nach einem kräftigen Wachstum 2021 jedoch im Jahresverlauf 2022 ein deutlicher Produktionsrückgang.

Output von weißer Ware sinkt

Rückläufig ist inzwischen auch der Output von weißer Ware. Die Ausnahme bilden Geschirrspüler, bei denen das Produktionswachstum im Vergleich zum Gesamtjahr 2021 allerdings stark abflachte. Diese Entwicklung ist von europaweiter Bedeutung, denn Polen wurde 2021 zum führenden Herstellerland von Hausgeräten in der Europäischen Union (EU), sowohl mengenmäßig, als auch bezogen auf den Produktionswert. Die Hersteller bekommen auch den Mangel an elektronischen Komponenten zu spüren. Beispielsweise fehlen Steuerungsprozessoren oder Module für WLAN-Verbindungen.

Output von IT-, TV- und Hausgeräten in Polen (in 1.000 Stück, Veränderung in Prozent)

2021

Veränderung 2021/2020

Januar bis August 2022

Veränderung zu Januar bis August 2021

Computer

3.512

4,4

2.469

15,9

Fernsehgeräte

19.326

15,7

10.600

-13,7

Automatische Waschmaschinen

7.013

3,5

4.075

-12,6

Geschirrspüler

5.886

19,1

4.005

2,6

Kühlschränke, Tiefkühler

3.943

12,0

2.222

-16,7

Elektroherde

1.603

13,6

733

-27,5

Gasherde mit Backofen

302

14,3

85

-58,4

Staubsauger

1.282

25,2

599

-27,4

Quelle: Statistisches Hauptamt GUS 2022

Export von Hausgeräten rückläufig

Die Hausgeräte gehen zum überwiegenden Teil in den Export. Die Ausfuhren brachen stärker ein als die Inlandsnachfrage. Für die ersten acht Monate 2022 meldet GUS noch einen realen Zuwachs um 1,3 Prozent bei den inländischen Einzelhandelsumsätzen mit Audio-, Video- und Hausgeräten sowie Möbeln gegenüber Januar bis August 2021 (Gesamtjahr 2021: +5,8 Prozent).

Laut APPLiA Polska sank Polens Export von Hausgeräten in den ersten vier Monaten 2022 mengenmäßig um 14 Prozent gegenüber Januar bis April 2021. Wertmäßig stiegen gleichzeitig die Ausfuhren um 2 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro.

Am stärksten war in den ersten vier Monaten 2022 mit 61 Prozent der mengenmäßige Einbruch bei den Lieferungen in die Russische Föderation. Sie spielte jedoch in dem Segment als Handelspartner ohnehin keine wichtige Rolle. Deutschland nahm um 9 Prozent weniger Hausgeräte ab, das Vereinigte Königreich sogar um 16 Prozent. Im Jahr 2021 produzierte Polen 35 Millionen Stück, darunter 27 Millionen Großgeräte, was einem Anteil von 39 Prozent an der in der EU hergestellten weißen Ware entsprach.

Trotz dieser Entwicklung investiert die polnische Tochtergesellschaft von Bosch-Siemens-Hausgeräten, BSH Sprzęt Gospodarstwa Domowego, rund 84 Millionen Euro. Dadurch sollen sich die Produktionskapazitäten für Waschmaschinen am Standort Łódź (Lodsch) um 10 Prozent vergrößern. Ab Mitte 2023 sollen auf einer neuen Produktionslinie moderne energie- und wassersparende Waschmaschinen gefertigt werden. Der polnische Hersteller von weißer Ware Grupa Amica dagegen will Investitionsvorhaben wie den Ausbau seiner Fabrik in Wronki aufschieben.

China auf dem Vormarsch

Auch die Importe gingen in den ersten vier Monaten 2022 laut APPLiA Polska mengenmäßig zurück (Deutschland: -6 Prozent). Lediglich die Einfuhren aus China erhöhten sich um 14 Prozent, was wertmäßig einen Zuwachs von 10 Prozent gegenüber Januar bis April 2021 bedeutet.

Bei den reinen Lieferungen will die Volksrepublik es jedoch nicht belassen. Potenzielle chinesische Investoren eruieren Möglichkeiten für eigene Produktionsstätten in Polen, wie die Tageszeitung Rzeczpospolita aus inoffiziellen Quellen erfahren haben will. Die größten Projekte sollen dabei unter dem Markennamen Haier firmieren, dem führenden Hersteller von Hausgeräten weltweit. Auch die chinesischen Unternehmen Hisense und Midea zeigen sich dem Vernehmen nach daran interessiert, ihre Präsenz in Polen zu verstärken. Mit eigenen Produktionsstätten könnten sie die immer höheren Transportkosten sparen.

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