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Branchen | Vietnam | Windenergie

Wettbewerb in Vietnams Windenergiebranche wächst

Der Ausbau der Windenergie in Vietnam schreitet fort. Deutsche Spezialisten sind bereits beteiligt, doch auch andere Länder engagieren sich stark.

Von Marcus Hernig | Bonn

Schon ein Blick auf die Karte genügt: Vietnams 3.000 Kilometer lange Küstenlinie spricht für einen starken Ausbau der Windenergie. Im Jahr 2021 wurden 3,6 Gigawatt Windkraftkapazitäten installiert, eine Steigerung um satte 700 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Entwicklung der Projekte ist auf drei Zonen in den mittleren und südlichen Landesteilen konzentriert.

Deutsche Unternehmen sind seit Jahren beteiligt

Im Jahr 2019 errichtete die EAB New Energy Group aus Freiberg in Sachsen 16 Windräder des Herstellers Enercon im küstennahen Onshore-Windpark Mui Dinh, Provinz Ninh Thuan. Das Projekt hat eine Gesamtkapazität von 37,6 Megawatt.

Auch das Unternehmen WPD aus Bremen gehört zu den deutschen Windkraftpionieren in Vietnam: „Wir waren schon bis 2016 einmal hier. Damals haben wir Vorentwicklungen verkauft an andere deutschen Unternehmen“, sagt Manuel Hanenberg, Direktor für Geschäftsentwicklung in Ho-Chi-Minh-Stadt. Zu den Vorentwicklungen gehörte die Planung vor dem Bau der Anlagen. „Im Jahr 2020 entschieden wir uns für den Markteintritt in Vietnam als Teil unserer Wachstumsstrategie in der Asien-Pazifik-Region. Momentan warten wir auf die Aktualisierung der Rahmenbedingungen bis 2030. Der Markt funktioniert nur, wenn Einspeisevergütungen, Errichtungskosten und Strompreise in einem vernünftigen Verhältnis stehen.“ 

WPD konzentriert sich auf den Onshore-Wind-Bereich und nutzte bisher überwiegend Generatoren und Rotoren von Vestas Wind Technology, produziert in China. Chinesische Hersteller und Anlagenbauer wie Goldwind und Envision könnten langfristig interessante Kooperationspartner sein. „Technologisch passen die chinesischen Anbieter zu uns“, sagt Manuel Hanenberg, „doch es mangelt noch an gewissen Voraussetzungen zum Beispiel bei Fragen der Finanzierung, damit sie als Ausrüster für uns interessant sind. Daran arbeiten wir gemeinsam.“

Die Zukunft findet "offshore" statt

Vor Vietnams Südküste ist bis 2030 die Installation von insgesamt 7 Gigawatt Offshore-Kapazität vorgesehen. Dem ambitionierten Plan der Regierung folgte eine Flut von Angeboten, die meisten davon aus dem Inland: „Aktuell liegen Angebote für 65 Gigawatt vor“, weiß Marko Walde, Delegierter der Auslandshandelskammer (AHK) Vietnam. Allerdings würden nach Ende der Ausschreibung nur die wirklich machbaren Angebote übrig bleiben.

Die PNE AG aus Cuxhaven gehört zu den Favoriten. Das Unternehmen ist seit zwei Jahren in Vietnam aktiv und plant Offshore-Windenergieanlagen mit insgesamt bis zu 2 Gigawatt Kapazität, davon 0,7 Gigawatt in einer ersten Projektphase. „Die Investitionen liegen bei bis zu 4,5 Milliarden US-Dollar“, erläutert Thorsten Fastenau, zuständiger Bereichsleiter bei der PNE AG. „Wir planen sowohl Windenergieanlagen mit fest verankerten Fundamenten als auch bewegliche Plattformen oder Energieschiffe, bekannt als “Floating Power Plants“.“

Können die großen Pläne auch umgesetzt werden? Thorsten Fastenau ist sich sicher: „Die Planungen Vietnams für Offshore-Windenergie im neuen Energieentwicklungsplan VIII halten wir für realistisch. Für deutsche Akteure bietet der Energieausbau in Vietnam eine echte Alternative zu Deutschland und Europa.“

Den großen Chancen stehen aber auch Risiken gegenüber, denn bislang fehlt es an einer erneuerten Einspeisevergütung des Staates. Gerade die hatte bis Herbst 2021 die Investition attraktiv gemacht. Hinzu kommen die weiterhin unzureichenden Netze zur Übertragung des Windstroms.

Internationale Windenergiefirmen sind sehr aktiv

Neben den deutschen Firmen engagieren sich auch andere internationale Infrastrukturentwickler beim Aufbau der Windkraftwerke des Landes. Das dänische Unternehmen Vestas dominiert auf Vietnams Windenergiemarkt: Die Mühlen des Weltmarktführers mit einer Gesamtkapazität von 1,5 Gigawatt produzierten 2022 ein Drittel aller Windenergie im Land.

China hatte im Rahmen seiner Belt and Road Initiative (BRI) bis zuletzt noch große Kohlekraftprojekte in Vietnam vorangetrieben. Doch 2021 wurde das Ende des chinesischen Kohlekraftwerkbaus entlang der BRI verkündet. Seitdem bauen chinesische Staatsunternehmen mehr und mehr Kraftwerke mit erneuerbaren Energieträgern: China National Electric Engineering Corporation (CNEEC) kooperiert dabei mit Chinas führendem Turbinenhersteller Goldwind.

Das Engagement in Vietnam war mit dem 29,7-Megawatt-Projekt in Thanh Phong auch der Startschuss für Goldwinds Offshore-Anlagenbau im Land. Mit der Bank für Investitionen und Entwicklung von Vietnam (BIDV) wurde 2021 ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet: BIDV stellt die Finanzierung von Projekten sicher, Goldwind übernimmt Anlagenbau und Serviceleistungen. Bis 2021 installierte das chinesische Unternehmen so 1,2 Gigawatt Kapazität in Vietnam. 

Japans Agentur für internationale Zusammenarbeit (JICA) fördert seit 2021 die Entwicklung der Windenergie in der Provinz Quang Tri. Dort ist das japanische Energieunternehmen Renova Inc. bereits in drei Onshore-Projekte eingestiegen.

Koreas Mischkonzern Doosan ist seit Jahren am Aufbau von Offshore-Windenergie in der südvietnamesischen Provinz Binh Thuan beteiligt. Unterstützt wird Doosan dabei von Koreas staatlichem Energiekonzern KEPCO.

Windenergieimporte sollen Energiebedarf zusätzlich decken 

Vietnams Bedarf an Grünstrom übersteigt noch die bisher im Land erzeugte Energie. Daher sind auch Windenergieprojekte der Nachbarländer interessant: Bereits 2021 wurden Pläne des japanischen Konzerns Mitsubishi bekannt, in einen Onshore-Windpark in Laos zu investieren, nach Fertigstellung dann der größte Südostasiens. Die Anlage soll über eine Kapazität von 600 Megawatt verfügen und wird am westlichen Rand der Windzone 3 (siehe Karte) im Grenzraum der laotischen Provinzen Sekong und Attapeu errichtet. Der Entwickler, die thailändische Firma IES, möchte bereits ab 2023 Windstrom nach Vietnam liefern, andere Quellen gehen erst vom Jahr 2025 aus. Stromimporte aus Laos stammten bisher überwiegend aus den großen Wasserkraftwerken am Mekong.

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