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Wirtschaftsumfeld | Kasachstan | Wirtschaftsstruktur

Wandel der Wirtschaftsstruktur kommt in Kasachstan langsam voran

Kasachstan ist dabei, seine Wirtschaft zu diversifizieren. Der Ansatz, das verarbeitende Gewerbe deutlich zu stärken, eröffnet auch deutschen Firmen Chancen.

Für Kasachstan ist sein Rohstoffreichtum ebenso bedeutsam wie die geografische Lage, die das Land zu einer wichtigen Drehscheibe für Warenströme zwischen Ost und West macht. Ein bereits seit längerer Zeit angestrebter Strukturwandel kommt nur recht langsam voran. Dieser zielt vor allem auf einen deutlichen Ausbau der verarbeitenden Industrie ab, um die starke Abhängigkeit vom Erdöl zu reduzieren.

Daneben strebt Kasachstan eine schrittweise Abkehr von fossilen Energieträgern an. Das Land will bis 2060 klimaneutral sein. In der kasachischen Steppe herrschen guten Bedingungen, um grünen Strom aus Wind- und Solarenergie zu erzeugen. Mit diesem soll perspektivisch auch grüner Wasserstoff für Abnehmer im In- und Ausland produziert werden. Der große Durchbruch lässt aber weiter auf sich warten.

54 Mio.

Personen lebten 2022 im Land.

Quelle: UN 2022

115 Mrd.

US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2022 laut Prognosen.

Quelle: IWF 2022

2.255

US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2022 aus.

Quelle: IWF 2022

Rang 100

belegte das Land 2021 unter den deutschen Exportzielen.

Quelle: Destatis 2022

Rang 7

nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2022 ein (unter 180 Ländern).

Quelle: Transparency International 2023

0,4 %

betrug die Analphabetenquote im Jahr 2018.

Quelle: Weltbank 2022

Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

Wachsendes Interesse an Kasachstan zu beobachten

Kasachstan rückte zuletzt immer stärker in den Fokus der deutschen Wirtschaft. Dazu trugen vor allem die gegen Russland verhängten Sanktionen bei. Mehrere Unternehmen haben ihre Präsenz aus Russland in Nachbarländer verlegt, auch nach Kasachstan. Darüber hinaus engagieren sich aber auch mehr Firmen aus Deutschland neu auf dem kasachischen Markt, ohne zuvor in Russland aktiv gewesen zu sein.

Hovsep Voskanyan Delegierter der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien

SWOT-Analyse Kasachstan

S

Stärken Strengths

  • Großer Rohstoffreichtum
  • Geringe Staatsverschuldung und recht hohe Devisenreserven
  • Brückenfunktion zwischen Asien und Europa
  • Großer, breit aufgestellter Agrarsektor
  • Erweiterter Binnenmarkt durch Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU)
W

Schwächen Weaknesses

  • Hohe Abhängigkeit von Rohstoffexporten und Transportwegen über russisches Territorium
  • Mangelnde Rechtssicherheit, Bürokratie, Korruption
  • Volatiler Wechselkurs zu Leitwährungen
  • Große Entfernungen, hohe Transportkosten
  • Zukünftige Rolle der EAWU unklar durch weitreichende Sanktionen gegen Russland und Belarus wegen des Ukrainekrieges
O

Chancen Opportunities

  • Deutlicher Modernisierungsbedarf und Trend zu wirtschaftlicher Diversifizierung
  • Ausbau der Transportwege zwischen Europa und Asien
  • Gute Bedingungen für großflächige Wind- und Solarparks und grünen Wasserstoff
  • Politische Reformagenda zielt auch auf attraktiveres Geschäfts- und Investitionsklima ab
  • Wachsender Markt für Umwelttechnik (Wasser, Recycling)
T

Risiken Threats

  • Teilweise stark schwankende Weltmarktpreise für Rohstoffe
  • Hohe Abhängigkeit von Entwicklungen in Russland und China
  • Defizit an Fachkräften in technologieorientierten Sektoren
  • Großes Einkommensgefälle und wenig Perspektiven in ländlichen Regionen sorgen für latente Gefährdung des sozialen Frieden
  • Nachlassendes Tempo bei Umsetzung von Reformen

Starke Stellung bei Rohstoffen birgt auch Risiken

Der Rohstoffsektor dominiert Kasachstans Wirtschaft. Den Schwerpunkt der Bergbauaktivitäten bildet die Ölförderung. Zusammen mit Erdgas macht ihr Beitrag an den Gesamtausfuhren mehr als 55 Prozent aus. Nahezu 80 Prozent des im Land geförderten Öls werden exportiert. Die Ölförderung samt vor- und nachgelagerten Industrien steht für ein Fünftel des BIP. 

Größere Teile der staatlichen Einnahmen aus dem Ölsektor fließen neben der Finanzierung laufender Ausgaben auch in den kasachischen Nationalfonds. Dieser soll zwar hauptsächlich als Rücklage für künftige Generationen dienen. Gerade in Krisenzeiten nutzt der Staat ihn auch als Notreserve für Sonderausgaben.

Eine wichtige Rolle im kasachischen Bergbau spielt zudem der Abbau zahlreicher Erze und von Kohle. Während die Kohle größtenteils selbst verbraucht wird, exportiert das Land die zumeist metallhaltigen Erze in Form von Konzentraten und fertigen Metallen. Als bedeutsam gelten Blei, Chrom, Eisen/Stahl, Gold, Kupfer, Mangan und Zink. Weltweit an erster Stelle liegt Kasachstan beim Abbau und Export von Uran.

Gleichwohl bleibt die Wirtschaft wegen ihrer hohen Rohstoffabhängigkeit anfällig für Konjunkturschwankungen, ausgelöst durch niedrige Weltmarktpreise für Rohstoffe. Auf der Agenda steht daher seit längerem eine stärkere Diversifizierung, deren erhoffter Durchbruch bislang aber noch aussteht. Als wohl größter Erfolg dieser Strategie gilt die expandierende Kfz-Industrie. Dort hatte bislang die Montage importierter Bausätze dominiert. Um die lokale Fertigungstiefe schrittweise zu erhöhen, wird mittlerweile auch eine Zulieferindustrie aufgebaut.

Diversifizierung als Rezept gegen Rohstoffabhängigkeit

Der gezielte Auf- und Ausbau auch in anderen Sparten des verarbeitenden Gewerbes soll Kasachstan mittel- bis langfristig zu mehr wirtschaftlichen Standbeinen verhelfen. Angestrebt wird, dass die so produzierten Waren nicht nur den einheimischen Markt versorgen, sondern auch in den Export gehen. Zu weiteren Hoffnungsträgern mit zählen die Landwirtschaft und die Transportbranche. Hinzu kommen der Tourismus sowie Finanzdienstleistungen mit dem Astana International Financial Centre (AIFC) als Finanzhub für den zentralasiatischen Raum.

Bislang dominieren die Erst- und Weiterverarbeitung von Rohstoffen das verarbeitende Gewerbe. Dessen Gesamtproduktionswert bestreitet allein die Metallindustrie mit etwa 40 Prozent. Davon entfallen rund zwei Drittel auf Nichteisenmetalle, der Rest auf Eisen und Stahl. Dahinter beläuft sich der Beitrag der Nahrungsmittel- und Getränkeherstellung auf etwa 15 Prozent. Insbesondere in der Fleisch- und Milchverarbeitung strebt Kasachstan einen starken Kapazitätsausbau an.

Im Dienstleistungssektor ist der Groß- und Einzelhandel die wichtigste Sparte. Da erwartet wird, dass die Einkommen der Bevölkerung weiter steigen, dürfte dieser Bereich seine Position auch in Zukunft weiter festigen. Dahinter rangiert das Transportgewerbe, das angesichts der Funktion Kasachstans als eine der zentralen Handelsdrehscheiben zwischen Europa und Asien als besonders zukunftsträchtig gilt. Der Ausbau von Kapazitäten für den Straßen- und Schienenverkehr ist im Gang.

Bedeutung der Wirtschaftszweige 2023 in Kasachstanin Prozent

Sektoren

Anteil am BIP

Anteil an den Beschäftigten

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

4,3

11,9

Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

12,6

3,1

Verarbeitendes Gewerbe

12,3

6,7

Energieversorgung

1,3

1,6

Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen

0,2

1,0

Baugewerbe

5,6

7,1

Dienstleistungen

56,0

68,8

Nettogütersteuern

7,7

--

Quelle: Qazstat 2024

Ölregion Atyrau und Millionenstädte Astana und Almaty geben den Ton an

Almaty ist Kasachstan Wirtschaftszentrum mit den Schwerpunkten Handel und Finanzen. Dank gezielter Förder- und Ansiedlungsmaßnahmen holt die Hauptstadt Astana auf. Als bedeutendste Ölregion erzielt das Gebiet Atyrau landesweit das höchste BIP pro Kopf. Weitere Zentren der Öl- und Gasförderung sind die Gebiete Mangystau und Westkasachstan. Über größere Vorkommen metallischer Erze verfügen die Gebiete Ostkasachstan, Aktobe, Pawlodar, Turkestan und Kostanai, wo die Erze häufig auch aufbereitet und verarbeitet werden.

Steinkohle wird vorrangig in den Gebieten Karagandy und Pawlodar abgebaut, was sie auch zu bedeutenden Stromerzeugern macht. Das Land verfügt über drei Großraffinerien in Atyrau, Pawlodar und Schymkent. Schwerpunkte der Nahrungsmittelproduktion sind die Stadt Almaty sowie die Gebiete Almaty und Kostanai. Als relativ neuer Industriezweig verfügt der Fahrzeugbau über größere Werke zur Pkw-Montage in Kostanai und Almaty.

Eckdaten wichtiger Regionen in Kasachstan

Gebiet

Anteil am BIP (in %) 1)

BIP pro Kopf (US$) 2) 3)

Bevölkerung (in Mio.) 4)

Stadt Almaty

19,3

19.514

2,2

Gebiet Atyrau

12,8

43.377

0,7

Stadt Astana

10,4

17.490

1,4

Gebiet Karagandy

6,8

13.927

1,1

Gebiet Mangystau

4,7

12.634

0,8

Gebiet Aktobe

4,2

10.398

0,9

Gebiet Almaty

4,1

6.211

1,5

Gebiet Westkasachstan

4,0

14.046

0,7

Gebiet Kostanai

3,6

10.890

0,8

Gebiet Turkestan

3,6

3.631

2,1

1 Zeitraum Januar bis September 2023; 2 2022; 3 Umrechnungskurs der kasachischen Zentralbank für 2022: 1 US$ = 460,48 Tenge; 4 Anfang 2024.Quelle: Qazstat 2024

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