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Branchen | Japan | Arzneimittel, Diagnostika

Japan will innovative Medikamente schneller auf den Markt bringen

Japans Pharmamarkt profitiert von einer alternden Bevölkerung. Daher investieren die Arzneimittelhersteller in zusätzliche Kapazitäten. 

Von Frank Robaschik | Tokyo

Japans Pharmamarkt war 2022 laut dem Marktforscher IQVIA der drittgrößte weltweit. In der Landeswährung Yen wächst er, und das dürfte auch in den kommenden Jahren so bleiben. Zwar geht die Einwohnerzahl zurück. Die Alterung schreitet jedoch rasch voran und mit ihr die Zahl der Senioren. So stieg im Jahr 2023 laut IQVIA der Umsatz mit Pharmazeutika auf Yen-Basis gegenüber dem Vorjahr um 3,1 Prozent. Der schwächere Yen sorgte jedoch in US-Dollar (US$) gerechnet für ein geringeres Ergebnis als im Vorjahr. Dabei verschreiben Arztpraxen inzwischen nur noch etwas weniger Medikamente als vor der Pandemie. Krankenhäuser und Apotheken liegen auf Yen-Basis bereits länger wieder über dem Niveau von 2019.

Daiichi Sankyo und Otsuka Pharmaceutical mit stärkerem Umsatz

Zu den großen japanischen Pharmaunternehmen zählen Takeda Pharmaceutical, Astellas Pharma, Daiichi Sankyo, Chugai Pharmaceutical, Eisai, Otsuka Pharmaceutical, Ono Pharmaceutical und Mitsubishi Tanabe Pharma. Im Jahr 2023 stieg der Umsatz vor allem bei Daiichi Sankyo und bei Otsuka Pharmaceutical.

Große ausländische Lieferanten von Arzneimitteln in Japan sind Astra Zeneca, MSD, Janssen Pharma, Novartis, Bayer, Bristol Myers Squibb, Pfizer, GlaxoSmithKline, Eli Lilly, Boehringer Ingelheim, Sanofi und Gillead Sciences.

Firmen starten neue Investitionsvorhaben in Japan und im Ausland

Angesichts des absehbaren weiteren Wachstums von Japans Arzneimittelmarkt investieren die Hersteller in neue Produktionskapazitäten. AGC erweitert seine Anlagen zur Auftragsfertigung. Chugai will mehr Wirkstoffe für Biopharmazeutika herstellen. Alfresa Pharma und Novartis bauen ebenfalls größere Arzneimittelfabriken in Japan.

Boehringer Ingelheim baut ein weiteres Werk in der Präfektur Yamagata. Passend dazu gab das Unternehmen im Februar 2024 bekannt, dass es gemeinsam mit Eli Lilly die Zulassung für das Diabetesmedikament Jardiance in Japan erhalten hat.

Ausgewählte neue Investitionsvorhaben bei Arzneimitteln in Japan Investitionssummen in Millionen US-Dollar
Akteur

Summe*

ZeitraumAnmerkungen
AGC

356

12/2023 - 2026Erweiterung der Kapazitäten zur biopharmazeutischen Auftragsfertigung in Yokohama; Anlagen können auch zur Produktion von Impfstoffen verwendet werden.
Chugai Pharma Manufacturing

144

05/2026 - 06/2027Erweiterung der Produktion von Wirkstoffen für Biopharmazeutika in Ukima, Kita-ku, Tokio
Alfresa Pharma

111

01/2024 - 04/2026Werk für Pharmazeutika in der Präfektur Gunma: 1) Erweiterung der Tablettenproduktion (kleine Moleküle) von 2 Milliarden auf 3,6 Milliarden pro Jahr; 2) Anlage zur Auftragsfertigung von Krebsmedikamenten und Hormonen für bis zu 400 Millionen Tabletten pro Jahr; 3) Lager-, Verpackungs- und Testanlagen
Nippon Ciba Geigy (Novartis)

100

ab 11/2023Erweiterung der Produktionsanlagen für Radioliganden im Werk Sasayama in der Präfektur Hyogo
Boehringer Ingelheim

71

2023 - 2025Werk zur Produktion von Medikamenten, unter anderem gegen Diabetes, in Higashine in Yamagata, direkt neben dem bestehenden Werk von Boehringer
* umgerechnet zum Wechselkurs des Jahres 2023: 1 US$ = 140,59 Yen.Quelle: Unternehmensangaben; Recherchen von Germany Trade & Invest 2024

Im Ausland will unter anderem Fujifilm neben den bereits laufenden Projekten nochmal 1,2 Milliarden US$ in neue Kapazitäten für die Auftragsfertigung in den USA stecken. Astellas Pharma investiert etwa 350 Millionen US$ in ein Werk in Irland. Hinzu kommen mehrere Übernahmen und Beteiligungen japanischer Unternehmen von beziehungsweise an Pharmafirmen im Ausland.

Ausgewählte neue Investitionsvorhaben japanischer Firmen bei Arzneimitteln im Ausland Investitionssummen in Millionen US-Dollar
Akteur

Summe*

ZeitraumAnmerkungen
Greenfield-Projekte:

 

  
Fujifilm Diosynth Biotechnologies

1.200

2024 - 2031Erweiterung der jährlichen Kapazitäten zur Auftragsfertigung für Zellkulturen um 160.000 Liter bis 2028 in Holly Springs in North Carolina, USA 
Astellas Pharma

circa 350

2023 - 2028Werk für aseptische Arzneimittel in Tralee, Co. Kerry in Irland; Baubeginn war im März 2024 
Übernahmen, Beteiligungen:  
Ono Pharmaceutical

circa 2.400

04/2024-05/2024Geplante Übernahme des Krebsmedikamententwicklers Deciphera Pharmaceuticals in den USA
Rohto Pharmaceutical und Mitsui

circa 533

04/2024 - 06/2024Erwerb von 90 Prozent der Anteile an dem Singapurer Hersteller traditioneller chinesischer Medizin Eu Yan Sang International
Astellas Pharma

175

11/2023 - 12/2023Übernahme von Propella Therapeutics in den USA, einer Firma, die einen Inhibitor zur Behandlung von Prostatakrebs entwickelt
Eisai

bis zu 15

ab 03/2024Beteiligung an C2N Diagnostics in St. Louis, Missouri, USA, einem Entwickler von Bluttests zur Diagnose von Alzheimer
Pharmavite (Otsuka Pharmaceutical)

k.A.

11/2023Übernahme von Bonafide Health, einem Anbieter von Gesundheitsprodukten für Frauen
* umgerechnet zum Wechselkurs des Tages der Bekanntgabe des Vorhabens.Quelle: Unternehmensangaben; Recherchen von Germany Trade & Invest 2024

Staat fördert Kapazitätsaufbau bei Wirkstoffen für Antibiotika

Auf der Basis des 2022 angenommenen Wirtschaftssicherheitsgesetzes fördert Japan auch die Eigenversorgung mit knappen pharmazeutischen Wirkstoffen. Dies koordiniert das Ministry of Health, Labour and Welfare (MHLW). Erste Förderbescheide für zwei Vorhaben für Antibiotikawirkstoffe ergingen im Juli 2023: Meiji Seika Pharma, Fujifilm Toyama Chemical und Otsuka Chemical wollen die Wirkstoffe Ampicillin-Natrium/Sulbactam-Natrium und Piperacillin-Natrium/Tazobactam-Natrium herstellen und davon Vorräte vorhalten. Shionogi Pharma und Pharmira wollen gleiches bei Cefazolin-Natrium und bei Cefmetazol-Natrium tun.

Japan will noch höheren Generikaanteil in der Versorgung

Um die Kosten für die Gesundheitsversorgung im Zaum zu halten, setzt Japan auf den verstärkten Einsatz von Generika. Im April 2013 beschloss die Regierung dafür die "Roadmap for further Promotion of Generic Drug Use". Laut dem MHLW erreichten Generika im September 2023 einen Anteil von 80,2 Prozent an der Gesamtmenge der eingesetzten Pharmazeutika in Japan. Im Fiskaljahr 2029 (von April bis März) will Japan einen mengenmäßigen Generika-Anteil über alle Präfekturen hinweg von mindestens 80 Prozent erreichen. Darüber hinaus will die Regierung ein wertmäßiges Ziel für den Generika-Anteil einführen. Nach Plänen vom März 2024 soll für das Fiskaljahr 2029 ein Ziel von mindestens 65 Prozent eingeführt werden. Zum Vergleich: im September 2023 betrug der Wert 56,7 Prozent.

Preisreform soll neue Medikamente schneller nach Japan bringen

Japan hat traditionell hohe Preise für Medikamente. Diese wurden jedoch in den vergangenen Jahren immer wieder gesenkt. Im Rahmen der Preisänderungen ab April 2024 will die japanische Regierung

  1. verstärkt neue Medikamente und Innovationen auf dem japanischen Markt zulassen und
  2. eine stabile Versorgung mit Medikamenten mit einem Schwerpunkt auf Generika sicherstellen.   

Es ist vorgesehen, dass neue innovative Medikamente bei ihrer Einführung auf dem japanischen Markt höhere Preise erhalten können. Um die Kosten für Arzneimittel nicht insgesamt massiv steigen zu lassen, wird bei sich schon länger auf dem Markt befindenden Medikamenten generell die Verschreibung von Generika angestrebt. Wenn ein Arzt oder Patient sich dennoch für das Original entscheiden, soll der Patient mehr zuzahlen als bisher.

Darüber hinaus können japanische Kunden künftig möglicherweise mehr rezeptfreie Arzneimittel online kaufen. Das diskutiert zurzeit das MHLW. Eine Entscheidung und ein Zeitplan stehen jedoch noch aus.

Japans Einfuhren von Pharmazeutika fielen 2023 in US$ um ein Fünftel. Ein Grund ist der Rückgang der Einfuhren von Impfstoffen. Auch bei Diagnostik- und Laborreagenzien sanken die Importe stark. Die wichtigsten Lieferländer von Pharmazeutika nach Japan waren 2023 die USA, Deutschland, Irland und die Schweiz. Die Exporte gingen vor allem in die USA, nach China und in die Schweiz.

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