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Renovierungsprogramm für Gebäude mit neuen Auflagen
Viele Häuser in Polen heizen mit Kohleöfen und sind schlecht isoliert. Seit Jahren hilft ein Förderprogramm bei der Sanierung. Änderungen in der neuen Ausgabe gefallen nicht allen.
04.04.2025
Von Christopher Fuß | Warschau
Ende März 2025 startete die Neuauflage des staatlichen Gebäude-Sanierungsprogramms Saubere Luft (Czyste Powietrze). Besitzer von Einfamilienhäusern können Zuschüsse für Renovierungsarbeiten erhalten, um den Energiebedarf ihrer Gebäude zu reduzieren. Unterstützung gibt es beispielsweise für den Einbau neuer Heizungen, Dämmstoffe, Türen und Fenster. Die Neuauflage verfügt über ein Budget von 2,4 Milliarden Euro aus dem Europäischen Modernisierungsfonds.
Neue Maßnahmen gegen Betrugsversuche
Der staatliche Umweltfonds NFOŚiGW hatte das Programm Saubere Luft Ende 2024 vorläufig gestoppt, nachdem bei Kontrollen mehrere Betrugsfälle aufgedeckt wurden. Eigentümer und Bauunternehmen hatten falsche Kosten angegeben, um höhere Zuschüsse zu erhalten. Außerdem sollen Antragsteller sich künstlich arm gerechnet haben, um Boni für Haushalte mit niedrigem Einkommen zu bekommen.
Die Neuauflage führt Preisobergrenzen ein, damit sich solche Vorfälle nicht wiederholen. Grundsätzlich übernimmt der Umweltfonds einen bestimmten Prozentsatz der Kosten für die Gebäudesanierung. Allerdings zahlt die Behörde beispielsweise bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe ab sofort maximal 8.400 Euro oder bei Fenstern nicht mehr als 285 Euro pro Quadratmeter. Diese und vergleichbare Kostendeckel gelten in der Neuauflage für alle Baumaterialien. Wer mehr ausgibt, bezahlt den Differenzbetrag aus eigener Tasche. Daher lohnt es sich nicht mehr, die Preise für Baumaterialien künstlich in die Höhe zu treiben.
Bei einem Förderumfang von 100 Prozent sind Antragsteller dazu verpflichtet, mit einer der neuen Betreiber-Gesellschaften (Operator) von Saubere Luft zusammenarbeiten. Diese Beratungsstellen betreuen das Programm auf regionaler Ebene und helfen dabei, die Ausgaben zu verwalten.
Interessenten müssen außerdem vor und nach den Renovierungsarbeiten ein Energieaudit in ihrem Gebäude durchführen. Damit soll verhindert werden, dass unnötige oder nicht zielführende Renovierungsarbeiten stattfinden.
Je niedriger das Einkommen, desto höher die Förderung
Ein Haushalt, der Zuschüsse aus dem Programm Saubere Luft in Anspruch nehmen will, darf kein Jahreseinkommen von mehr als 32.100 Euro vorweisen. Je nach Einkommen liegt die Höhe der Zuschüsse zwischen 40 und 100 Prozent der Kosten. Eine vollständige Kostenübernahme gibt es außerdem nur bei Gebäuden mit einem Heizenergiebedarf von über 140 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr.
Den höchsten Zuschuss erhalten unter anderem Ein-Personen-Haushalte mit einem Monatseinkommen von 430 Euro. Der Umweltfonds hat die Einkommensobergrenzen in mehreren Einkommensgruppen angehoben, sodass theoretisch mehr Menschen antragsberechtigt sein sollten.
Antragsberechtigt ist ein Eigentümer dann, wenn er die betroffene Immobilie seit mindestens drei Jahren besitzt. Eigentümer von mehreren Gebäuden können nur für eines ihrer Wohnhäuser Unterstützung erhalten. Die Förderung aus Saubere Luft gilt nicht für Mehrfamilienhäuser.
Wärmepumpenverband beschwert sich
Heizungen, darunter Wärmepumpen, Holzpellet-Kessel und solarthermische Anlagen, müssen auf der sogenannten ZUM-Liste stehen, um förderfähig zu sein. Dabei handelt es sich vereinfacht gesagt um das Materialregister des staatlichen polnischen Umweltinstitutes IOŚ.
Eine Wärmepumpe wird nur auf die Liste gesetzt, wenn ihre Leistung in einem akkreditierten Prüflabor in der EU oder einigen Partnerländern getestet wurde. Anders als bei anderen Wärmequellen reichen branchenübliche Qualitätskennzeichnungen nicht aus, um auf der ZUM-Liste zu landen.
Hintergrund: Anbieter aus Asien hatten Wärmepumpen auf den Markt gebracht, die weit hinter der angegebenen Leistung auf der Verpackung zurückblieben. Die fehlende Leistung fiel erst auf, nachdem die Geräte mit Unterstützung von Saubere Luft verbaut waren.
Der polnische Wärmepumpenverband PORT PC, dem auch deutsche Hersteller wie Bosch und Buderus angehören, hat angesichts der zusätzlichen Auflagen Beschwerden bei der Europäischen Kommission eingereicht. Wärmepumpen würden benachteiligt, so der Vorwurf.
Wärmepumpen waren bis 2023 die beliebteste Heizquelle in den Förderanträgen von Saubere Luft. Im Jahr 2024 lagen hingegen Biomassekessel auf Platz eins. Gasheizungen sind nicht mehr förderfähig. Das Sanierungsprogramm läuft seit 2018. Bis März 2025 hatte der Umweltfonds 870.000 Förderzusagen mit einem Volumen von insgesamt rund 7 Milliarden Euro unterzeichnet.