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Branche kompakt | Indonesien | Medizintechnik

Gesundheitsfokus der Regierung belebt Medizintechniknachfrage

Bedarf und Investitionen steigen in einem noch unterversorgten Markt. Auch wenn das Umfeld weiter herausfordernd bleibt, sehen Marktexperten Geschäftschancen. 

Von Oliver Döhne | Jakarta

Ausblick der Medizintechnik in Indonesien

Bewertung:

 

  • Viel Marktpotenzial mit großer Bevölkerung, steigenden Einkommen, zunehmenden Krankheiten und staatlicher Gesundheitsversicherung.
  • Zunehmende Auflagen an einen Mindestanteil lokaler Wertschöpfung.
  • Öffentliche Ausschreibungen verbessert und digital.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: März 2025

  • Markttrends

    Volksgesundheit ist eine Priorität der indonesischen Regierung. Krankenhäuser werden aufgerüstet und Präventionsmaßnahmen erhöht.  

    Indonesien ist für die Medizintechnik ein aufstrebender Absatzmarkt, nicht zuletzt wegen seiner großen und wachsenden Bevölkerung. Der weit verbreitete und ausgiebige Konsum von fettigem, süßem, preiswertem und überall verfügbarem Streetfood sowie der umfassende Einsatz von chemischen Geschmacksverstärkern tragen zur Zunahme von Zivilisationskrankheiten bei. Die umfassende Motorisierung des Alltags hat zudem körperliche Aktivitäten minimiert und gleichzeitig die Luft der Städte kontaminiert. Sport treibt nur eine Minderheit. Rauchen ist zumindest bei Männern weit verbreitet. Krankheiten wie Krebs, Tuberkulose, Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme haben starke Zuwachsraten. Rund 650.000 Personen sterben pro Jahr an kardiovaskulären Krankheiten. 

    Marktdynamik durch Bevölkerungswachstum und Zunahme von Krankheiten

    Branchenexperten sehen in Indonesiens Gesundheitssektor noch viel Wachstumspotenzial. "Die Profitabilität der Krankenhäuser nimmt zu, in einem Markt der weiterhin unterversorgt ist", sagt Finanzanalyst Ismael Fakhri Suweleh vom Finanzinvestor BRI Danareksa Sekuritas. Über die Größe des indonesischen Medizintechnikmarktes kursieren zahlreiche, zum Teil deutlich voneinander abweichende Angaben. Im Folgenden wird eine präzisere Definition verwendet, die sich am Einfuhrwert und dem Anteil orientiert, den Importe laut Branchenkennern am Marktvolumen haben, welcher derzeit immer noch mindestens 70 Prozent beträgt. Dieser Wert lag noch vor einigen Jahren bei rund 88 Prozent, nahm aber infolge der Local-Content-Auflagen der Regierung schrittweise ab. 

    70 %

    ist der Anteil der Importe am Branchenumsatz.

    Anreize für lokale Produktion

    Die Medizintechnik ist in Indonesien noch stark auf Importe angewiesen, die lokale Produktion beschränkt sich in der Regel auf einfachere Produkte und Komponenten. Dies ändert sich aber angesichts steigender staatlicher Local-Content-Auflagen zur Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen und führt zu mehr Produktionsaktivitäten im Land. 

    Öffentliche und private Investitionen durch unzureichende Versorgung angeregt

    Eines der Hauptanliegen von Präsident Prabowo für seine Amtszeit bis 2029 ist die Verbesserung der Volksgesundheit. Er strebt an, den allgemeinen, landesweiten Zugang zu qualitativ hochwertiger medizinischer Behandlung und Medizintechnik zu verbessern. In Krankenhäusern und Kliniken soll ein möglichst einheitlicher Qualitätsstandard für Behandlung und Ausrüstung gewährleistet sein. Gleichzeitig investieren private Anbieter, unter anderem um die obere Mittelklasse anzusprechen, die sich derzeit noch im Ausland medizinisch versorgen lässt. 

    Regierung will Upgrade der Ausrüstung 

    Wichtiger Markttreiber sind die zunehmenden staatlichen Leistungen im Rahmen der allgemeinen Krankenversicherung (JKN). Seit ihrer Gründung 2014 verschafft sie dem breiten indonesischen Volk Zugang zu medizinischen Behandlungen gegen sehr geringe monatliche Beiträge. In der Praxis sind die Standards je nach Landesteil hier noch sehr unterschiedlich. Ab Juni 2025 gilt anstelle der bisherigen drei Klassen ein einheitlicher Tarif sowie eine systematische Vereinheitlichung der Behandlung. Auch werden Zahlungen an die Krankenhäuser an Diagnose und Behandlungserfolge geknüpft, um Effizienz und Transparenz zu erhöhen. Ein weiterer Schwerpunkt der Gesundheitspolitik ist Prävention. Jede indonesische Person hat künftig Anrecht auf regelmäßige kostenlose Gesundheitschecks in einem kommunalen Gesundheitszentrum.

    Die kommunalen Gesundheitszentren, die üblicherweise die erste Anlaufstation für erkrankte Personen sind, verfügen bislang über wenig technisches Equipment. Abseits der Großstädte der Insel Java sind auch die Krankenhäuser oft veraltet. Nach Überweisung an Spezialisten kann es zu langen Wartezeiten kommen, oder erkrankte Personen müssen längere Reisen antreten.

    Private Anbieter setzen auf Premiumsegment

    Nachfrage kommt parallel von privaten Kliniken, die freier in ihrer Beschaffung sind und sich einfacher für Importe entscheiden können. Diese zielen verstärkt auf das Premiumsegment außerhalb der öffentlichen Krankenversicherung für die anwachsende obere Mittelschicht. Viele Wohlhabende fliegen bislang noch nach Singapur, sogar für einfache Check-Ups. Im öffentlichen Bereich will die Regierung dem abhelfen, indem über steuerliche und andere Anreize "Health Tourism-Clusters" in der Form von Sonderwirtschaftszonen in Indonesien entstehen, zum Beispiel im Singapur-nahen Batam. 

    Nachfrage nach deutschen Produkten besteht insbesondere bei Hightech-Ausrüstung, meist in direkter Konkurrenz mit anderen europäischen Herstellern oder Firmen aus den USA, China, Japan oder Korea. Dazu zählen Diagnosegeräte wie Ultraschall, Röntgen, CT, Magnetresonanz, EKG sowie Laborausrüstung. Auch bei Behandlungsausrüstung zur Sterilisation, Operation und Zahnbehandlung besteht laut Marktkennern Bedarf. 

    Ausgewählte Investitionsprojekte im Gesundheitssektor in IndonesienInvestitionssumme in Millionen US-Dollar
    Akteur/ProjektInvestitionssummeProjektstandAnmerkungen
    Hj. Andi Nurhadin Mosque/Int. Hospital, Makassar

    90

    Fertigstellung für 2026 geplantModerne Technik gefragt, Critical Care, Große Kapazität
    10-12 neue Krankenhäuser der Mayapada-Gruppe (darunter, IKN und Westjava)

    k.A.

    Geplant, 2025-2027IKN am weitesten vorangeschritten, aber zurzeit noch eingefrorene Mittel für die neue Hauptstadt bremst die Pläne
    Hermina Hospital Pekalongan, Zentraljava, und Hermina Nusantara Hospital IKN

    k.A.

    IKN: Ende 2024 eröffnet, Pekalongan: Ende März 2025 eröffnet, Erweiterung geplantZusätzliche Gebäude geplant, IKN hängt von Freigabe neuer Mittel für die neue Hauptstadt ab
    Mayapada Apollo Batam International Hospital

    k.A.

    Geplant Teil der geplanten neuen Sonderwirtschaftszone Batam
    Siloam: Ausbau Nierenklinik Asri (Südjakarta) und Neubau Gubeng (Surabaya)

    k.A.

    Fertigstellung von Asri geplant für 4. Quartal 2025, für Gubeng im 1. Quartal 2026Gubeng: Premiummarkt Kardiologie, Orthopädie
    Quelle: Presse, Unternehmensmeldungen 2025

    Von Oliver Döhne | Jakarta

  • Digital Health

    Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist ein wichtiges Anliegen der Regierung, auch private Institutionen engagieren sich. Eine einheitliche Datenbasis entsteht langsam.

    Laut Regierung ist Digital Health ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsplanung, auch wenn dafür kein genau beziffertes Budget bekanntgegeben wurde. Dazu hat das Gesundheitsministerium ein Digital Transformation Office eingerichtet, das den Gesundheitssektor anhand folgender vier Achsen modernisieren soll: nutzerbasierte Technologieentwicklung, nationale Gesundheitsdatenintegration, Aufbau technologischer Kapazitäten und datengetriebene Politikgestaltung.

    Weiterentwicklung bei elektronischen Gesundheitsakten und zentraler Datenplattform

    Fortschritte sind bei der Einführung der elektronischen Patientenakte EMR (Electronic Medical Record) zu verzeichnen. Zwar waren nicht, wie geplant, Ende 2023 alle Krankenhäuser im Stande, ihre EMR in die einheitliche Plattform Satusehat ("eine Gesundheit") zu integrieren, aber immerhin rund 60 Prozent. Anfang 2025 waren 98,6 Prozent der Gesundheitsinstitutionen an Satusehat angeschlossen, auch wenn bei der Datenmigration und Interoperabilität offenbar noch Herausforderungen bestehen und die technische Infrastruktur oft noch ein Flaschenhals ist. Die Integration der EMR ist nur ein Teil des weiterreichenden Projekts einer einheitlichen Gesundheitsplattform

    Private Plattform-Projekte in Expansion

    Telemedizin und Fernbehandlung zeichnen sich in Indonesien perspektivisch als interessante Betätigungsfelder ab. Bis 2024 hat die Regierung telemedizinische Dienstleistungen auf circa 15 Millionen Personen in ländlichen Regionen ausgeweitet. Eine Internetdurchdringungsrate von mittlerweile etwa 77 Prozent ermöglicht es Dienstleistern, Telemedizin-Plattform-Services anzubieten, überfüllte Krankenhäuser zu entlasten und auch Patienten in abgelegeneren Landesteilen zu behandeln. Diese Entwicklung hat zu einer ansteigenden Nachfrage nach telemedizin-kompatiblen Geräten geführt, wie zum Beispiel tragbaren Diagnose-Tools und Fernüberwachungssystemen.

    Ein erfolgreicher Digital Health-Plattform-Anbieter ist Halodoc, der Patienten und Ärzte für Telekonsultationen verbindet. Halodoc kooperiert bereits mit zahlreichen Krankenhäusern und Privatkliniken. Lifepack ist ein digitales Apothekenökosystem, das in Zusammenarbeit mit Gesundheitsdienstleistern einen verbesserten Zugang zu Medikamenten und Gesundheitsdienstleistungen verspricht. Zi.CAre bietet eine Software-as-a-Service-basierte Plattform für elektronische Gesundheitsakten, die in Zusammenarbeit mit Gesundheitseinrichtungen die administrativen Abläufe und klinischen Prozesse effizienter gestaltet und die Qualität erhöht. 

    Multinationale Konzerne unterstützen Krankenhäuser bei Digital-Health 

    Besonders die privaten Krankenhäuser zeigen Interesse an technischer Unterstützung beim digitalen Übergang. So kooperiert Siemens Healthineers unter anderem mit den Krankenhausketten Mayapada Healthcare und Hermina Hospitals sowie dem Bali International Hospital bei fortgeschrittenen Medical Imaging Data Management und Lösungen für die digitale Transformation. GE ist ebenfalls Partner vieler Gesundheitsinstitutionen beim Thema Digital Health und arbeitet im Projekt National Imaging Data Respository (NIDR) auch mit der Regierung zusammen, um über ein cloudbasiertes Datawarehouse auch Patienten in abgelegeneren Landesteilen betreuen zu können. Philips unterhält Partnerschaften mit zahlreichen Krankenhäusern, um Telehealth-Lösungen und Fernüberwachungssysteme zu implementieren, unter anderem mit der Siloam Hospitals Group. Diese Kooperation zielt auf KI-gesteuerte Anwendungen ab.

    Marktzugang mit einigen Hürden

    Digital-Health-Lösungen müssen in Indonesien mit den umfangreichen örtlichen Regularien abgestimmt sein und sind an entsprechende Genehmigungen durch das Gesundheitsministerium und andere einschlägige Behörden gebunden. Das gilt sowohl für die eingesetzten medizintechnischen Geräte als auch für die verwendete Software. Indonesien besitzt außerdem recht strenge Regularien bezüglich Datenschutz und -sicherheit. Ausländische Firmen sollten besonders darauf achten, dass ihre Digital-Health-Lösungen den Regeln entsprechen, besonders was die Behandlungen und Speicherung von Patientendaten betrifft. Dazu kommt die übliche Bevorzugung lokaler Geräte, beziehungsweise Auflagen an einen lokalen Mindestanteil. Bestimmte Digital-Health-Lösungen erfordern womöglich auch eine Spezialgenehmigung. Trotz einer generellen Liberalisierung im Gesundheitssektor und die generelle Betätigungsfreiheit auch für ausländische Firmen, können auch in privaten Kliniken zum Teil noch individuelle Beschränkungen für ausländische Eignerschaft bestehen. Ausländische Firmen sind oft verpflichtet, mit lokalen Partnern zu kooperieren, zum Beispiel als Joint Venture. 

    Von Oliver Döhne | Jakarta

  • Branchenstruktur

    Der Staat ist ein wichtiger Abnehmer. Ausländische Technik dominiert den Markt. Die lokale Wertschöpfung steigt, oft als Kooperation einheimischer und ausländischer Firmen. 

    Wichtigste Abnehmer sind die Krankenhäuser, sowohl öffentliche als auch private. Dazu kommen Notaufnahmen, Spezialkliniken, Homecare-Dienstleister und auch die Haushalte selbst, zum Beispiel wenn es um präventive Medizintechnik geht. Geografischer Fokus der Abnehmer sind die großen Ballungsräume auf Java, insbesondere Jakarta, Surabaya und Bandung mit ihrer hohen Bevölkerungsdichte, ihrer großen Anzahl an Krankenhäusern und nicht zuletzt der Zahlungskraft. Aber auch in abgelegeneren Regionen gibt es viel Bedarf, dort eher im öffentlichen Sektor. 

    Öffentliche Krankenversicherung bietet breites Angebot

    Seit 2014 haben alle Personen in Indonesien im Rahmen der staatlichen Krankenversicherung (JKN) Zugang zu medizinischer Versorgung. In diese zahlt der Arbeitgeber üblicherweise 4 Prozent des Monatslohns ein und der Arbeitnehmer 1 Prozent. Das JKN wird durch die Behörde BPJS Kesehatan verwaltet und deckt schrittweise immer mehr Untersuchungen, Behandlungen und Therapien ab. Dies dürfte sich in Zukunft noch beschleunigen, so Marktteilnehmer. Anfang 2025 waren rund 98 Prozent der Bevölkerung, über 270 Millionen Personen, im System angemeldet. 

    Für Gesundheit sind im Staatshaushalt für 2025 umgerechnet etwa 11 Milliarden Euro eingestellt, etwa 5,4 Prozent des Gesamthaushalts, ein größerer Anteil als in der Vergangenheit. Für 2026-2029 sind insgesamt zwischen 57,1 Milliarden bis 73,4 Milliarden Euro eingeplant, im Durchschnitt zwischen 14,3 Milliarden und 18,3 Milliarden Euro, also erneut deutlich mehr.

    Strukturen und ihre technische Ausstattung

    Erstversorgung und Diagnose finden in den Puskesmas statt, den kommunalen Gesundheitszentren, in denen Ärzte nach ihrer Ausbildung eine Zeit lang arbeiten müssen. Ende 2023 gab es landesweit 10.180 Puskesmas, von denen bei Bedarf eine Überweisung in ein Krankenhaus erfolgt. Da aber der neue, von Präsident Prabowo eingeführte kostenlose Gesundheitscheck in den Puskesmas staatfinden soll, könnte auch hier ein Bedarf an mehr Equipment bestehen. 

    Von Indonesiens 3.155 Krankenhäusern im Jahr 2023 waren 1.181 staatlich. Betreiber sind öffentliche Stellen der unterschiedlichen föderalen Ebenen (Zentralregierung, Provinz und Kommune), Armee, Polizei und große Staatsunternehmen. Ausschreibungen finden zentral über eine elektronische Plattform statt, bei der für viele Güter Vorgaben zu einem Mindestanteil lokaler Wertschöpfung gelten (siehe Kapital Rahmenbedingungen). 

    1.974 Krankenhäuser sind Privatbetriebe, zum Teil Non-Profit-Organisationen, aber auch mehr und mehr kommerzielle private Krankenhausketten, zum Beispiel Siloam Hospitals (Lippo-Group), Mitra Keluarga, Primaya, Omni, Mayapada, Pondok Indah, Ciputra und Eka (Sinarmas-Group). Zu den wichtigsten privaten Laboren gehören Prodia, Kimia Farma, Pramita, CITO, BioMedika und Parahita. 

    Öffentliche Krankenhäuser oft veraltet

    Das durchschnittliche Alter der Medizintechnik ist in den öffentlichen Krankenhäusern und Kliniken tendenziell deutlich älter als in den privaten Krankenhäusern und Laboren und beträgt oft mehr als 10 Jahre. Das liegt unter anderem an Budgetengpässen und dem aufwändigen Beschaffungsprozess sowie den Auflagen für öffentliche Ausschreibungen. Private Kliniken sind frei in der Beschaffung, fragen meist Highend-Produkte nach und besitzen Ausrüstung mit einem Durchschnittsalter von schätzungsweise 5 Jahren oder weniger.  

    Rahmendaten zum Gesundheitssystem in Indonesien 2024

    Indikator

    Wert

    Einwohnerzahl (in Mio.)

    281,6

    Bevölkerungswachstum (% p.a.)

    1,11

    Altersstruktur der Bevölkerung

     

      Anteil der unter 14-Jährigen (in %)

    23,6

      Anteil der über 65-Jährigen (in %)

    7,3

    Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (in Jahren)

    74,2

    Durchschnittseinkommen (in US$)

    4.960,3

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (2023 in US$)

    24,6

    Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2023 in %)

    1,3

    Ärzte/100.000 Einwohner (2023)

    55,3

    Zahnärzte/100.000 Einwohner (2023)

    10,6

    Krankenhausbetten/100.000 Einwohner (2023), davon

    138,5

      privat

    k.A.

      öffentlich

    k.A.

    Quelle: BPS Statistics & Ministry of Health

    Lokale Produktion (noch) auf einfache Produkte ausgerichtet

    In Indonesien gibt es schätzungsweise 250 Hersteller von medizintechnischen Geräten, darunter neben den lokalen Akteuren auch Siemens Healthineers, Philips, GE, Medtronic, Becton Dickinson und Boston Scientific. Bei den produzierten Gütern handelt es sich aber bislang noch eher um grundlegende medizinische Geräte mit niedrigem technologischem und fachlichem Aufwand. Dazu zählen Einmal-OP-Handschuhe und -kittel, orthopädische Hilfsmittel, Krankenbetten, Rollstühle oder Stethoskope, aber auch kleinere elektronische Artikel wie Blutdruck- und Blutzuckermessgeräte oder medizinische Nadeln und Fäden. 

    Importe ausgewählter Medizinprodukte nach Indonesien und Anteil aus DeutschlandIn Millionen US-Dollar, Anteil in Prozent
    SITC Import (2023)

    Anteil Import aus Deutschland

    774.1Elektrodiagnoseapparate und -geräte

    143,5

    2,5

    774.2Röntgenapparate etc.

    230,2

    11,9

    741.83 Sterilisierapparate

    18,3

    1,6

    872.1Zahnmedizinische Instrumente; a.n.g.

    7,4

    14,6

    872.21Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen etc.

    123,0

    4,2

    872.25Ophthalmologische Instrumente

    46,9

    14,2

    872.29Andere Instrumente, Apparate und Geräte

    437,9

    16,7

    872.3Therapiegeräte, Atmungsgeräte etc.

    111,7

    12,8

    872.4Medizinmöbel etc.

    35,7

    7,5

    899.6Orthopädietechnik, Prothesen etc.

    50,2

    6,0

    Quelle: UN Comtrade

    Erste Projekte für mehr Wertschöpfung im Land

    Nennenswerte Entwicklungstätigkeit einheimischer Medizintechnikhersteller gab es bislang kaum, was sich aber langsam zu ändern scheint. So wurde das indonesische Unternehmen Onject, ein Entwickler und Hersteller von extrasicheren Injektionsnadeln, von der Zeitschrift MedTech Outlook in die TOP 10 der MedTech Solution Providers 2024 in der APAC-Region aufgenommen.

    Einige Unternehmen produzieren im Rahmen von internationalen Joint Ventures ausgewählte höherwertige elektronische Geräte für den Weltmarkt. Wie zum Beispiel Panasonic, das in Bekasi unter anderem Monitore, Inkubatoren und Dentalkameras herstellt und exportiert. 

    Auch bei komplexeren Geräten erwägen multinationale Unternehmen mehr lokale Produktion im Land, um auch bei zunehmenden Auflagen für mehr lokale Wertschöpfung an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen zu können. Dies erfolgt in Indonesien oft über Partnerschaften mit lokalen Firmen. So plant zum Beispiel das indonesische Unternehmen Kalbe, bisher eher im Pharmabereich tätig, künftig in Kooperation mit GE in Indonesien Computertomografen zu fertigen. Mit den italienischen Firmen BMI und Tecnoideal sollen mobile Röntgengeräte und Dialysestationen sowie mit weiteren Multis Hämodialysegeräte und Endoskope hergestellt werden. 

    Deutsche Firmen wie B.Braun und Beurer bauen schrittweise ihre Produktion in Indonesien aus. Die steigenden Auflagen an local content könnten es auch für andere Branchenplayer erforderlich machen, mehr Produktionsschritte ins Land zu holen. Viele der einheimischen Branchenfirmen sind neben der einfachen lokalen Produktion als Distributeure für ausländische Branchenfirmen aktiv. 

    Wichtige lokale Branchenunternehmen in IndonesienNach Spezialisierung

    Unternehmen

    Sparte

    PT Sekarguna MedikaDistributeur von Krankenhaus- und Home Care-Ausrüstung (u.a. Abbott)
    PT THC TawadaDistributeur, After Sales von Diagnosegeräte, Laborausrüstung
    PT Segen Medical NasionalDistributeur von Radiologie, RIS-PACS, Teleradiologie, DICOM workstation for CR, CT, MRI
    PT Oriontama JayaDistrubuteur von Hämodialysekathetern, Orthopädie u.a.
    PT Medquest JayaDistributeur von Diagnose Imaging, surgical instruments, patient monitoring
    PT Murti Indah SentosaDistributeur von Imaging, Radiotherapie, Kardio
    PT Global Jaya Medica (Bersaudara Group)Distributeur von Krankenhaus- und Laborequipment
    PT Cipta MedikaDistributeur von Krankenhausequipment
    PT Enseval Medika Prima (EMP)Hersteller und Distributeur von Krankenhausausrüstung und Einmalprodukten
    PT MAK (Mega Andalan Kalasan)Hersteller und Distributeur von OP-Tischen, Krankenbetten, Rollstühlen u.a.
    Umsatzzahlen nicht verfügbarQuelle: Unternehmensangaben (2025)

     

    Von Oliver Döhne | Jakarta

  • Rahmenbedingungen

    Unternehmen müssen sich auf zunehmenden Druck der Regierung für mehr lokale Wertschöpfung einstellen. Dabei helfen beispielsweise Partnerschaften mit einheimischen Firmen. 

    Ausländische Hersteller und Dienstleister dürfen mittlerweile eine 100-prozentige indonesische Tochtergesellschaft besitzen. Das Omnibus Health-Gesetz von 2023 vereinfacht Genehmigungsprozesse und vergrößert das zulässige Betätigungsfeld auch für ausländische Arbeitskräfte im Gesundheitsbereich, für Dienstleister bestehen teilweise noch Beschränkungen. 

    Statt einer eigenen Niederlassung im Land setzten viele ausländische Branchenfirmen, zumindest anfangs, auf lokale Vertriebspartner, auch weil die Einfuhr- und Registrierungsvorschriften kompliziert sind. Dabei ist zu beachten, dass dieser über die entsprechenden Einfuhr- und Vertriebslizenzen verfügen sollte.

    Zulassungen elektronisch

    Die generelle Vertriebserlaubnis für Unternehmen (Idzin Edar) erfolgt durch das Ministerium für Gesundheit über das Online Single Submission (OSS) System. Ergänzend dazu müssen Distributeure von Medizintechnik ein Zertifikat erwerben, das bestätigt, dass sie den Good Distribution Guidelines (CDAKB) folgen. Hierfür sind unter anderem Nachweise über Qualitäts- und Sicherheitsstandards in Vertrieb und Lagerung erforderlich. 

    Die Zulassung der einzelnen Medizintechnikprodukte (Idzin Edar Alat Kesehatan) erfolgt über die Onlineplattform Regalkes des Gesundheitsministeriums, wo Hersteller oder Vertriebspartner die nötige Dokumentation einreichen. Dazu zählen, je nach Risikoklasse (A,B,C,D), Unternehmensdokumente wie Zulassung und Good Manufacturing Practice-Zertifikate, detaillierte technische und erklärende Dokumente zum Produkt, Risikoanalysen, Iso-Zertifikate, klinische Daten und Sicherheitsstudien. Nach Prüfung durch das Gesundheitsministerium, die je nach Produktklasse zwischen 45 und 120 Tagen betragen kann, erfolgt die Vertriebserlaubnis. Nach der Registrierung sind Anforderungen für das Inverkehrbringen zu beachten, zum Beispiel ein Monitoring der Produktsicherheit. Im Jahr 2025 waren in Indonesien laut Gesundheitsministerium 16.777 lokal hergestellte sowie 56.325 importierte medizintechnische Produkte registriert. 

    Beschaffungskanäle: E-Katalog und Ausschreibungen

    Nach Registrierung können Anbieter Produktangebote in den e-Katalog für Medizintechnik des Gesundheitsministeriums einstellen, über den sich Krankenhäuser und Kliniken mit genehmigten Produkten versorgen, ohne dass eine nationale oder öffentliche Ausschreibung erforderlich ist. Die Plattform enthält eine öffentlich zugängliche Datenbank und ein Bestellsystem für alle gelisteten Medizinprodukte sowie deren aktuelle Listenpreise. Um im E-Katalog aufgeführt zu werden, müssen Unternehmen Preise mit der Regierung aushandeln, wobei die Preisverhandlungskriterien laut Marktteilnehmern nicht vollständig transparent sind. Die Preise werden häufig innerhalb einer festen Bandbreite ausgehandelt, die ein Vielfaches des Importtransferpreises beträgt. Die im E-Katalog-System angebotenen Preise sind in der Regel niedriger als die Preise auf dem privaten Krankenversicherungsmarkt. 

    Informationen über öffentliche Ausschreibungen sind entweder über die e-Katalog-Plattform für Medizintechnik erhältlich oder über die allgemeine öffentliche Beschaffungsplattform Inaproc der staatlichen Beschaffungsagentur LKPP, wo landesweit benötigte Bedarfe ausgeschrieben werden. Weitere Quellen sind die Website des Gesundheitsministeriums oder Sonderbenachrichtigungen des Gesundheitsministeriums. Krankenhäuser können auch eigene Ausschreibungen für Medizinprodukte durchführen, die nicht über öffentliche Ausschreibungen oder das E-Katalog-System erhältlich sind. Ausschreibungen privater Krankenhäuser können zu höheren Preisen für solche Medizinprodukte führen.

    Mindestanteil lokaler Wertschöpfung wird stärker durchgesetzt

    Um mehr Produktion im Land aufzubauen, gelten in der öffentlichen Beschaffung Mindestanforderungen an die lokale Wertschöpfung (TKDN). So sind zurzeit über 5.400 importierte Medizinprodukte in 79 Kategorien aus dem von Krankenhäusern und Kliniken genutzten öffentlichen Beschaffungssystem LKPP e-Katalog ausgeschlossen. Im Juli 2022 veröffentlichte das Gesundheitsministerium in Regulierung 31/2022, wie die lokale Wertschöpfung in der Medizintechnik genau berechnet wird. Dabei werden Produktionsaspekte wie Rohmaterial, Vorprodukte und Verpackungen insgesamt mit 80 Prozent gewichtet und Entwicklungsaspekte wie Labor- und Fabrikoverheadkosten mit 20 Prozent. Die Regulierung enthält genaue Details für jedes einzelne Element, inklusive die Art der Nachweise. 

    Bislang hatten ausländische Unternehmen die Möglichkeit, mit der Regierung zu vereinbaren, einen Teil der Produktion im Land vorzunehmen und waren dann pauschal zu öffentlichen Ausschreibungen zugelassen, auch mit importierten Produkten. Mittlerweile gilt aber laut Marktkennern die Local-Content-Vorgabe prinzipiell für jedes einzelne Produkt. Sobald eine lokale Produktion vorhanden ist, sollten importierende Unternehmen erwägen, zumindest einen Teil der Produktion im Land über einheimische Partner zu organisieren.

    Der Einfuhrzollsatz auf Medizintechnik liegt derzeit zwischen 5 und 30 Prozent, dazu kommt eine 10-prozentige Mehrwertsteuer auf eingeführte Medizintechnik. Zusätzlich können zahlreiche nichttarifäre Handelshemmnisse anfallen, die den zeitlichen und monetären Aufwand in die Höhe treiben. Die Einfuhr gebrauchter medizinischer Geräte ist verboten. Indonesien verlangt zudem eine Halal-Zertifizierung für importierte Medizintechnik, die schrittweise für die vier Klassen verpflichtend sein wird: ab 2026 für die Klasse A, ab 2029 für die Klasse B, Ab 2034 für die Klasse C und ab 2039 für die Klasse D. 

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Oliver Döhne | Jakarta

  • Kontaktadressen

    Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Indonesien („Ekonid“)

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Exportinitiative GesundheitswirtschaftDie Exportinitiative bündelt Unterstützungsangebote für die Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft

    Ministry of Health

    Gesundheitsministerium

    Persi

    Krankenhausvereinigung

    Gakeslab

    Verband der Medizin- und Labortechnikimporteure

    ASPAKI

    Verband der Hersteller von Medizinprodukten

    Ikatan Laboratorium Kesehatan Indonesia (ILKI)

    Vereinigung der Gesundheitslabore
    Indo Health Care ExpoJährliche Messe für Medizintechnik und Arzneimittel; nächster Termin: : 6.- 8. August 2025 in Jakarta
    Indonesia Hospital ExpoJährliche Messen für Krankenhaus- und Laborausrüstungen; nächste Termine: 21.-25. Mai 2025 in Surabaya und 25.-28. August 2025 BSD City 

     

     

     

     

     

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