Branche kompakt | Indonesien | Medizintechnik
Markttrends
Volksgesundheit ist eine Priorität der indonesischen Regierung. Krankenhäuser werden aufgerüstet und Präventionsmaßnahmen erhöht.
02.04.2025
Von Oliver Döhne | Jakarta
Indonesien ist für die Medizintechnik ein aufstrebender Absatzmarkt, nicht zuletzt wegen seiner großen und wachsenden Bevölkerung. Der weit verbreitete und ausgiebige Konsum von fettigem, süßem, preiswertem und überall verfügbarem Streetfood sowie der umfassende Einsatz von chemischen Geschmacksverstärkern tragen zur Zunahme von Zivilisationskrankheiten bei. Die umfassende Motorisierung des Alltags hat zudem körperliche Aktivitäten minimiert und gleichzeitig die Luft der Städte kontaminiert. Sport treibt nur eine Minderheit. Rauchen ist zumindest bei Männern weit verbreitet. Krankheiten wie Krebs, Tuberkulose, Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme haben starke Zuwachsraten. Rund 650.000 Personen sterben pro Jahr an kardiovaskulären Krankheiten.
Marktdynamik durch Bevölkerungswachstum und Zunahme von Krankheiten
Branchenexperten sehen in Indonesiens Gesundheitssektor noch viel Wachstumspotenzial. "Die Profitabilität der Krankenhäuser nimmt zu, in einem Markt der weiterhin unterversorgt ist", sagt Finanzanalyst Ismael Fakhri Suweleh vom Finanzinvestor BRI Danareksa Sekuritas. Über die Größe des indonesischen Medizintechnikmarktes kursieren zahlreiche, zum Teil deutlich voneinander abweichende Angaben. Im Folgenden wird eine präzisere Definition verwendet, die sich am Einfuhrwert und dem Anteil orientiert, den Importe laut Branchenkennern am Marktvolumen haben, welcher derzeit immer noch mindestens 70 Prozent beträgt. Dieser Wert lag noch vor einigen Jahren bei rund 88 Prozent, nahm aber infolge der Local-Content-Auflagen der Regierung schrittweise ab.
ist der Anteil der Importe am Branchenumsatz.
Anreize für lokale Produktion
Die Medizintechnik ist in Indonesien noch stark auf Importe angewiesen, die lokale Produktion beschränkt sich in der Regel auf einfachere Produkte und Komponenten. Dies ändert sich aber angesichts steigender staatlicher Local-Content-Auflagen zur Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen und führt zu mehr Produktionsaktivitäten im Land.
Öffentliche und private Investitionen durch unzureichende Versorgung angeregt
Eines der Hauptanliegen von Präsident Prabowo für seine Amtszeit bis 2029 ist die Verbesserung der Volksgesundheit. Er strebt an, den allgemeinen, landesweiten Zugang zu qualitativ hochwertiger medizinischer Behandlung und Medizintechnik zu verbessern. In Krankenhäusern und Kliniken soll ein möglichst einheitlicher Qualitätsstandard für Behandlung und Ausrüstung gewährleistet sein. Gleichzeitig investieren private Anbieter, unter anderem um die obere Mittelklasse anzusprechen, die sich derzeit noch im Ausland medizinisch versorgen lässt.
Regierung will Upgrade der Ausrüstung
Wichtiger Markttreiber sind die zunehmenden staatlichen Leistungen im Rahmen der allgemeinen Krankenversicherung (JKN). Seit ihrer Gründung 2014 verschafft sie dem breiten indonesischen Volk Zugang zu medizinischen Behandlungen gegen sehr geringe monatliche Beiträge. In der Praxis sind die Standards je nach Landesteil hier noch sehr unterschiedlich. Ab Juni 2025 gilt anstelle der bisherigen drei Klassen ein einheitlicher Tarif sowie eine systematische Vereinheitlichung der Behandlung. Auch werden Zahlungen an die Krankenhäuser an Diagnose und Behandlungserfolge geknüpft, um Effizienz und Transparenz zu erhöhen. Ein weiterer Schwerpunkt der Gesundheitspolitik ist Prävention. Jede indonesische Person hat künftig Anrecht auf regelmäßige kostenlose Gesundheitschecks in einem kommunalen Gesundheitszentrum.
Die kommunalen Gesundheitszentren, die üblicherweise die erste Anlaufstation für erkrankte Personen sind, verfügen bislang über wenig technisches Equipment. Abseits der Großstädte der Insel Java sind auch die Krankenhäuser oft veraltet. Nach Überweisung an Spezialisten kann es zu langen Wartezeiten kommen, oder erkrankte Personen müssen längere Reisen antreten.
Private Anbieter setzen auf Premiumsegment
Nachfrage kommt parallel von privaten Kliniken, die freier in ihrer Beschaffung sind und sich einfacher für Importe entscheiden können. Diese zielen verstärkt auf das Premiumsegment außerhalb der öffentlichen Krankenversicherung für die anwachsende obere Mittelschicht. Viele Wohlhabende fliegen bislang noch nach Singapur, sogar für einfache Check-Ups. Im öffentlichen Bereich will die Regierung dem abhelfen, indem über steuerliche und andere Anreize "Health Tourism-Clusters" in der Form von Sonderwirtschaftszonen in Indonesien entstehen, zum Beispiel im Singapur-nahen Batam.
Nachfrage nach deutschen Produkten besteht insbesondere bei Hightech-Ausrüstung, meist in direkter Konkurrenz mit anderen europäischen Herstellern oder Firmen aus den USA, China, Japan oder Korea. Dazu zählen Diagnosegeräte wie Ultraschall, Röntgen, CT, Magnetresonanz, EKG sowie Laborausrüstung. Auch bei Behandlungsausrüstung zur Sterilisation, Operation und Zahnbehandlung besteht laut Marktkennern Bedarf.
Akteur/Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
---|---|---|---|
Hj. Andi Nurhadin Mosque/Int. Hospital, Makassar | 90 | Fertigstellung für 2026 geplant | Moderne Technik gefragt, Critical Care, Große Kapazität |
10-12 neue Krankenhäuser der Mayapada-Gruppe (darunter, IKN und Westjava) | k.A. | Geplant, 2025-2027 | IKN am weitesten vorangeschritten, aber zurzeit noch eingefrorene Mittel für die neue Hauptstadt bremst die Pläne |
Hermina Hospital Pekalongan, Zentraljava, und Hermina Nusantara Hospital IKN | k.A. | IKN: Ende 2024 eröffnet, Pekalongan: Ende März 2025 eröffnet, Erweiterung geplant | Zusätzliche Gebäude geplant, IKN hängt von Freigabe neuer Mittel für die neue Hauptstadt ab |
Mayapada Apollo Batam International Hospital | k.A. | Geplant | Teil der geplanten neuen Sonderwirtschaftszone Batam |
Siloam: Ausbau Nierenklinik Asri (Südjakarta) und Neubau Gubeng (Surabaya) | k.A. | Fertigstellung von Asri geplant für 4. Quartal 2025, für Gubeng im 1. Quartal 2026 | Gubeng: Premiummarkt Kardiologie, Orthopädie |