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Israel sucht erneuerbare Energien im Meer

Das Energieressort will ausloten, inwieweit Energiegewinnung aus dem Mittelmeer möglich und rentabel ist. Die Erfolgschancen hängen nicht zuletzt von neuen Technologien ab.

Von Wladimir Struminski | Jerusalem

Im Juli 2022 kündigte das israelische Energieministerium (Ministry of Energy) eine strategische Umweltprüfung an, mit der das Potenzial der Gewinnung erneuerbarer Energien (EE) aus dem Mittelmeer ermittelt werden soll. Laut einer Erklärung des Ministeriums soll die Umweltprüfung im September 2022 ausgeschrieben werden.

Bodenknappheit macht das Meer attraktiv

Die Energiegewinnung aus dem Meer würde sich hervorragend in Israels Strategie fügen, langfristig das Gros seiner Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen. Eines der großen Probleme bei der Verwirklichung dieser Pläne in dem kleinen und dicht besiedelten Land ist nämlich akute Bodenknappheit. Sie setzt dem Ausbau fotovoltaischer Energie - diese stellt fast die einzige erneuerbare Quelle, die Israel zu Lande nutzen will und kann - Grenzen.

Bereits 2020 erklärte das Ressort, die für die Erzeugung fotovoltaischer Elektrizität zur Verfügung stehenden Flächen würden nur knapp für die Erreichung der Vorgabe genügen, bis 2030 einen 30-prozentigen Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung zu erreichen. Natürlich können neue oder verbesserte Technologien die Stromerzeugungsfähigkeit bodengebundener Standorte erhöhen. An der grundsätzlichen Bodenknappheit würde das aber wenig ändern, zumal erneuerbare Energie nach 2030 weiter ausgebaut werden soll.

Eine ergänzende Gewinnung erneuerbarer Energien aus dem Meer könnte dieses Problem lösen. Dabei geht es nicht nur um die Nutzung von Meeresflächen für fotovoltaische (PV) Anlagen. Vielmehr will das Energieministerium auch Parameter wie Windgeschwindigkeiten, Wellenhöhe und Strömungsstärke in verschiedenen Meeresarealen zwecks Nutzung kinetischer Energie prüfen. Zugleich werden ökologische Aspekte untersucht, damit Umweltschäden vermieden werden können.

Neben PV auch kinetische Energie

Durch eventuelle Nutzung kinetischer Energie im Meer könnte das Land nicht nur mehr erneuerbare Energie generieren, sondern auch seinen EE-Mix diversifizieren. Im Juli 2020 bezeichnete der Chefwissenschaftler des Energieministeriums, Gideon Friedman, die Überwindung der nahezu ausschließlichen Abhängigkeit von der Sonnenenergie bei der Nutzung erneuerbarer Energien als eine vordringliche Aufgabe der israelischen Energiepolitik.

Als eine weitere Möglichkeit will das Ministerium die Erzeugung von Biomasse aus Algen untersuchen. Algen könnten aber auch zum Einfangen von Kohlenstoff genutzt werden. All das bedeutet indessen nicht, dass auf dem Meer keine PV-Energie erzeugt werden soll. Vielmehr sollen bei der Analyse der Möglichkeiten von meergestützter Energienutzung auch optimale Standorte für fotovoltaische Anlagen ermittelt werden.

Investitionen und Geschäftschancen

In jedem Fall würde eine groß angelegte Nutzung erneuerbarer Energien im Mittelmeer erhebliche Investitionen nach sich ziehen und gewerblichen Unternehmen zahlreiche Geschäftschancen eröffnen. Wie Chefwissenschaftler Friedman erklärte, erwartet sein Ministerium denn auch die Mitwirkung „der an diesem Thema interessierten Akteure“ an der Ausarbeitung entsprechender Pläne. Damit dürften dann auch Unternehmen und Forschungseinrichtungen Gelegenheit haben, ihr Wissen und ihre Vorstellungen in die Debatte einzubringen.

Konkrete Investitionsvorhaben werden, zumindest zum großen Teil, von den Ergebnissen der geplanten strategischen Umweltprüfung abhängen. Allerdings zeigen Unternehmen, die sich auf erneuerbare Energien spezialisieren, jetzt schon Interesse an der Energie aus dem Meer.

Unternehmen zeigen Interesse

So etwa stellte die israelische Firma Apollo Power im Juli 2022 bei einer Informationsveranstaltung des Energieministeriums die von ihr entwickelten elastischen und leichten Solarpaneele für die Erzeugung fotovoltaischer Energie vor. Die Paneele können an verschiedenen Flächen angebracht werden und auch auf Wasserreservoirs schwimmen. Inwieweit sie auch für Energiegewinnung auf der Meeresoberfläche genutzt werden können, bedarf weiterer Nachforschungen, doch zeugt die Teilnahme der Firma an einer Veranstaltung, die der Energiegewinnung aus dem Meer gewidmet war, von ihrem Interesse an einer Expansion in den maritimen Bereich.

Ein weiterer israelischer Teilnehmer war die Firma Eco Wave Power. Sie nutzt Wellenkraft mithilfe von Schwimmkörpern, die sie an Konstruktionen wie etwa Wellenbrecher anbringt. Die Energie wird an Land transportiert und dort in Elektrizität umgewandelt.

Trübe Aussichten für Windenergie

Ein weiteres Zeichen für Probleme bei bodengestützter Nutzung erneuerbarer Energien ist die im Juli 2020 erhobene Forderung des Umweltschutzministeriums (Ministry of Environmental Protection), die Entwicklung von Windenergieanlagen für fünf Jahre auszusetzen. In dieser Zeit, so das Umweltressort, sollen die durch Windturbinen verursachten Umweltschäden genau untersucht werden. Als besonders akut bemängelt das Umweltschutzministerium die Schädigung der Vogelwelt sowie die durch die Geräuschbelastung verursachten Schäden für die menschliche Gesundheit. Auch wird der Nutzen der Windenergie für die Klimapolitik als sehr begrenzt angesehen.

Wohlgemerkt nimmt die der Windenergie im erneuerbaren Energiemix zugedachte Rolle ohnehin ab. Laut dem im Mai 2022 veröffentlichten, aktualisierten Plan des Energieministeriums zur Entwicklung erneuerbarer Energien soll die installierte Kapazität von Windturbinen 2030 bei 326 Megawatt liegen. Noch zwei Jahre zuvor ging die dem Energieministerium unterstellte Strombehörde bereits für 2025 von einer installierten Windkapazität von 478 Megawatt aus. Mit anderen Worten: Das Ziel für die Windkapazität wurde seitdem reduziert.

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