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Kanadas Bergbauindustrie steht vor großen Herausforderungen
Auf der Bergbaumesse PDAC angekündigte Initiativen zeugen von der Handlungsbereitschaft Kanadas angesichts drohender US-Zölle. Investitionen in kritische Mineralien sind zentral.
31.03.2025
Von Heiko Steinacher | Toronto
Das Explorationsunternehmen Frontier Lithium will in Thunder Bay, Ontario, eine Lithium-Konversionsanlage bauen. In einem Joint Venture mit Mitsubishi wollen die Kanadier dort Lithiumrohstoffe in batteriefähige Chemikalien umwandeln. Während der Bergbaumesse PDAC im März 2025 in Toronto kündigten Kanadas Bundesregierung und die Regierung von Ontario an, das Projekt mit jeweils rund 83 Millionen US-Dollar (US$) zu unterstützen.
Frohe Kunde hatte auch Jonathan Wilkinson, Minister für Energie und natürliche Ressourcen, im Gepäck: Auf der Messe eröffnete er die zweite Antragsrunde im Rahmen des Critical Minerals Infrastructure Fund. Der Fonds wurde 2023 ins Leben gerufen, um saubere Energien, Elektrifizierungsinitiativen und Verkehrsprojekte zur Anbindung wichtiger Rohstoffvorkommen in abgelegenen Gebieten zu unterstützen. In einem Zeitraum von sieben Jahren stellt die Regierung hierfür 1,1 Milliarden US$ bereit.
Außerdem verkündete Wilkinson, dass die Steuergutschrift von 15 Prozent für die Exploration von Rohstoffen (Mineral Exploration Tax Credit) bis März 2027 verlängert wird. Diese Maßnahme soll etwa 76 Millionen US$ für die Erschließung von Bergbaugebieten freisetzen, vor allem im Norden Kanadas.
Kanadas Regierung in Habachtstellung
Weitere Maßnahmen könnten folgen. Um die Wirtschaft angesichts neuer US-Zölle zu stützen, könnten die Regierung in Ottawa sowie die Provinzen zusätzliche Schritte einleiten, um die Erschließung und Verarbeitung wichtiger Mineralien voranzutreiben. Auf dem kanadisch-amerikanischen Wirtschaftsgipfel in Toronto kurz nach der PDAC sagte der inzwischen zurückgetretene Premierminister Trudeau, dass Trumps Annexionsdrohungen vom Zugang zu wichtigen Mineralien motiviert seien.
In der Tat scheint Trump stärker an einem Rohstoffdeal mit der Ukraine interessiert zu sein, als Partnerschaften mit Kanada zu schließen. Dabei hatten die USA noch unter der Biden-Regierung mehrere Projekte in Kanada finanziert, um die Rohstoffabhängigkeit von China zu verringern.
Auch British Columbia reagiert auf Trumps Drohungen: Die Regierung der westkanadischen Provinz will die Genehmigung einer Reihe großer Energie- und Rohstoffprojekte beschleunigen, darunter vier Minen zum Abbau von Gold, Kupfer und Silber.
Projektname | Abbauprodukte | Projektumfang | Betreiber | Geplante Inbetriebnahme |
---|---|---|---|---|
Eskay Creek | Gold, Silber | 494 (Vorproduktionskapital) | Skeena Resources | 2027 |
Highland Valley Copper Expansion | Kupfer | 1.300 bis 1.400 | Teck Resources | 2028 |
Red Chris Expansion | Kupfer, Gold | k. A. | Joint Venture zwischen Newcrest Mining (70%) und Imperial Metals (30%) | 2027 |
Mount Milligan (Ausbau) | Kupfer, Gold | k. A. | Centerra Gold | seit 2014 in Betrieb, Ausbau soll bis 2028 abgeschlossen sein |
Einfach ist eine rasche Umsetzung solcher Projekte indes nicht. Es müssen Umweltaspekte berücksichtigt und Absprachen mit indigenen Völkern getroffen werden. Beim Bau der Crawford-Mine etwa haben drei indigene Gemeinschaften eine Partnerschaft mit der Canada Nickel Company geschlossen: Danach erhalten die First Nations bevorzugten Zugang zu Ausschreibungen und Verhandlungen über Bauaufträge für das 2,5 Milliarden US$ teure Nickel-Sulfid-Projekt im Nordosten Ontarios.
Auch kanadische Töchter deutscher Firmen sind von US-Zöllen betroffen
Sorgen hinsichtlich neuer US-Zölle machen sich auch kanadische Tochtergesellschaften deutscher Firmen, darunter Baymag: Das Unternehmen, das zur deutschen Refratechnik-Gruppe gehört, gewinnt Magnesit in British Columbia und verarbeitet es in Alberta zu hochgradigem Magnesiumoxid für industrielle Anwendungen. Einen erheblichen Teil seiner Produktion verkauft Baymag in die USA. Bei einem US-Importzoll von 25 Prozent wäre sowohl die Existenz unserer Kunden als auch die unseres Unternehmens bedroht, sagte Richard Sproul, Executive Vice President Sales von Baymag, dem Tagesspiegel.
Bisher werden die Produkte mit dem niedrigeren US-Zollsatz von 10 Prozent belegt. Er gilt für Energieressourcen, für die es den Amerikanern an Substituten mangelt. Es scheint jedoch, dass die jüngsten US-Zölle gegen Kanada das Vertrauen in die USA als verlässlichen Wirtschaftspartner bereits zerstört haben, sodass viele Firmen verstärkt nach alternativen Handelspartnern suchen.
Yvonne Denz, die Geschäftsführerin der AHK Kanada, kann das nach einer Umfrage unter ihren Mitgliedsfirmen bestätigen: "Die deutschen Unternehmen in Kanada überdenken gerade ihre Lieferketten – und es zeichnet sich deutlich ab, dass Investitionsentscheidungen auf Eis gelegt werden, solange die Lage so unsicher ist."
Exportverbote für Mineralien in die USA denkbar
Ontario und British Columbia haben auch damit gedroht, Exportverbote für wichtige Mineralien in die USA zu verhängen, sollte der Nachbarstaat seine Zölle aufrechterhalten oder gar ausweiten. Kanadas Bundesregierung sprach zwar bisher keine entsprechende Drohung aus, doch hat sie schon früher im Namen der Geopolitik in die Bergbauindustrie eingegriffen: So mussten drei chinesische Rohstoffunternehmen bis 2022 ihre Anteile an kanadischen Firmen verkaufen, die im Bereich der kritischen Mineralien tätig sind.
Eine davon war Power Metals, an der das australische Unternehmen Winsome Resources seit 2023 knapp 20 Prozent der Anteile hält. Power Metals treibt ein Cäsiumprojekt in der Nähe von Cochrane im Norden Ontarios voran und will seine Mine im Sommer 2026 eröffnen. Doch hierfür braucht es noch Partner. Im Jahr 2024 hatte das Unternehmen konkrete Finanzierungszusagen vom US-Verteidigungsministerium erhalten, aber: "Der Regierungswechsel in den USA hat dazu geführt, dass die Finanzierung fast komplett eingestellt wurde", sagte CEO Haydn Daxter kanadischen Medien.
Arktischer Hafen wird ausgebaut
Auch der Port of Churchill im Norden Manitobas könnte in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, um die Abhängigkeit Kanadas von den USA zu verringern und neue Märkte zu erschließen: Der Hafen an der Südwestküste der Hudson Bay will seine Umschlagskapazität für kritische Mineralien 2025 im Vergleich zu 2024 verdoppeln und die Lagerkapazität sogar verdreifachen.
Nach einer Modernisierung und Investitionen von insgesamt 42 Millionen US-Dollar wurde der Hafen erst im Februar 2024 wieder in Betrieb genommen. Ein Jahr später, im Februar 2025, haben die Bundes- und Provinzregierungen weitere Mittel in Höhe von gut 55 Millionen US$ für die Verbesserung der Hafeninfrastruktur und der Hudson Bay Railway angekündigt.