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Malaysias Boom bei Rechenzentren hält an

Günstiger Strom und viel Platz Malaysia wird als Standort für Rechenzentren immer wichtiger. Amazon, Microsoft, NVIDIA und Oracle planen milliardenschwere Investitionen.

Von Boris Alex | Kuala Lumpur

Malaysia will seine Führungsposition als Standort für Rechenzentren in Südostasien in den nächsten Jahren weiter festigen. Angetrieben von Cloud Computing und künstlicher Intelligenz (KI) könnte sich der Umsatz mit Rechenzentrumdiensten bis 2030 auf 13,6 Milliarden US-Dollar (US$) mehr als verdreifachen, so Branchenprognosen. 

Großteil der Rechenzentren liegen an der Grenze zu Singapur

Anfang 2025 waren neue Rechenzentren mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 30 Milliarden US$ in der Projektpipeline. Bei den Investoren handelt es sich um die Größen der globalen Techindustrie. Amazon Web Services (AWS) und Oracle wollen jeweils 6 Milliarden US$ investieren, der US-Chipproduzent NVIDIA 4,3 Milliarden US$. Microsoft, Google und ByteDance sind mit jeweils 2 Milliarden US$ dabei, so eine Analyse von Knight Frank.

Die Investitionen sind zum Teil auf mehrere Jahre ausgelegt. So will der Weltmarktführer im Cloud Computing, AWS, bis 2038 einen regionalen Hub für Cloud-Computing-Dienste in Malaysia aufbauen. Die geplanten Rechenzentren von Oracle sind vor allem für Cloud- und Enterprise-Anwendungen ihrer Geschäftskunden vorgesehen. NVIDIA, Microsoft und ByteDance wollen die geplanten Rechenzentren für ihre KI-Lösungen nutzen, so der Immobiliendienstleister Knight Frank. Die Investitionen konzentrieren sich auf Johor und die Hauptstadtregion, auch Klang Valley genannt. Dort sollen 56 der insgesamt 61 angekündigten Rechenzentren gebaut werden.

Johor liegt bei Rechenzentrumprojekten vorneEckdaten zu Rechenzentren in Malaysia; Stand Dezember 2024; Leistung in Megawatt
Region/Bundesstaat

Bestehende Rechenzentren

Leistung der bestehenden Rechenzentren 

Genehmigte Rechenzentren

Leistung der genehmigten Rechenzentren

Johor

12

396,9

28

898,7

Klang Valley (Kuala Lumpur und Selangor)

37

107,0

28

378,5

Penang

3

0,4

-

-

Sarawak

2

0,6

2

17,8

Negeri Sembilan

-

-

2

16,0

Kedah

-

-

1

2,0

Insgesamt

54

504,9

61

1.313,0

Quelle: DC Byte 2025, Knight Frank 2025

Der an Singapur grenzende Bundesstaat Johor konnte in den letzten Jahren die meisten Großinvestitionen anlocken. Ende 2024 gab es dort zwölf Data Center mit einer Leistung von 400 Megawatt. In den nächsten Jahren dürften weitere 28 mit einer Kapazität von insgesamt 900 Megawatt dazukommen. Ein Viertel davon befindet sich aktuell im Bau, so die Daten von Cushman & Wakefield. Auch im Klang Valley sollen in den nächsten Jahren 28 neue Rechenzentren entstehen, allerdings nur mit einer Leistung von insgesamt 380 Megawatt. Einer Prognose der Investitionsbehörde MIDA (Malaysian Investment Development Authority) zufolge könnte die Kapazität der Rechenzentren bis 2035 auf 5,6 Gigawatt steigen.

Johor punktet mit niedrigen Energiekosten

Die Branche hofft dabei auf zusätzlichen Schub durch die geplante Sonderwirtschaftszone mit Singapur. Die malaysische Regierung will mithilfe von Steuervergünstigungen und anderen Anreizen Unternehmen aus elf Schwerpunktbranchen in die Johor-Singapore Special Economic Zone locken, darunter auch Betreiber von Rechenzentren. Vor allem die im Vergleich zum benachbarten Singapur niedrigeren Stromkosten waren bereits in den vergangenen Jahren ein entscheidender Standortvorteil bei der Ansiedlung von energieintensiven Rechenzentren.

Im Klang Valley sind zurzeit zahlenmäßig die meisten Rechenzentren beheimatet. Diese sind aber aufgrund der höheren Grundstückspreise im Vergleich zu denen in Johor im Schnitt kleiner. Drei Viertel der Rechenzentren liegen in Cyberjaya, einer 1999 eigens für die Ansiedlung von IT-Unternehmen neu gegründeten Stadt im Süden von Kuala Lumpur. Vorteil hier ist die größere Verfügbarkeit von IT-Fachkräften, da sich in der Hauptstadtregion die Universitäten konzentrieren.

Erneuerbare sollen Strom für Rechenzentren liefern

Die Projekte bieten auch jenseits der benötigten Systemtechnik und Hardware interessante Geschäftschancen, denn die Rechenzentren sollen künftig weniger Ressourcen verbrauchen. Zwar produziert Malaysia genug günstigen Strom und verfügt auch über ausreichend Wasser zur Kühlung der Anlagen. Doch mit dem wachsenden Energiebedarf der Rechenzentren könnten die Klimaziele der Regierung schwieriger zu realisieren sein. Malaysia will bis 2050 klimaneutral werden und unter anderem den Anteil der erneuerbaren Energien an den Stromerzeugungskapazitäten von 25 auf 70 Prozent steigern. Sollten sämtliche Rechenzentrumprojekte realisiert werden, würden bis zu 5 Gigawatt an zusätzlichen Erzeugungskapazitäten aus Solar und Wind benötigt, um das Net-Zero-Ziel zu erreichen.

Die Regierung von Johor hat bereits angekündigt, dass bei der Vergabe von Baugenehmigungen für neue Rechenzentren künftig auch strengere Anforderungen an den Energie- und auch Wasserverbrauch gestellt werden. Der wachsende Bedarf an Kühlwasser kann nicht mehr vollständig durch die staatliche Trinkwasserversorgung gedeckt werden. Für die geplanten Rechenzentren würden täglich 800 Millionen Liter benötigt, so eine Berechnung der National Water Services Commission (Suruhanjaya Perkhidmatan Air Negara; SPAN). Die Regulierungsbehörde fordert, dass die Betreiber ihren Bedarf zumindest teilweise durch Regenwassergewinnung, Wasseraufbereitung und Meerwasserentsalzung decken.

Effiziente Wasserkühlanlagen benötigt

Damit dürfte auch die Nachfrage nach energieeffizienten Wasserkühlanlagen in Malaysia in den nächsten Jahren weiter wachsen, so die Einschätzung von SPAN. Malaysia ist dabei auf Ausrüstung und technische Lösungen aus dem Ausland angewiesen, was Geschäftschancen für deutsche Hersteller von Kühltechnik bietet. Auch Anbietern von Anlagen zur Aufbereitung von Industrieabwässern und zur Regenwassergewinnung eröffnen sich im Rahmen der Rechenzentrumprojekte Beteiligungsmöglichkeiten.

Eine Reihe von Investoren haben bereits angekündigt, dass sie ihren Strombedarf mit eigenen Fotovoltaikanlagen oder durch Stromabnahmeverträge mit Solar- und Windstromerzeugern decken möchten. Die malaysische Regierung hat hierzu im September 2024 mit den Richtlinien zum Corporate Renewable Energy Supply Scheme die rechtliche Grundlage geschaffen. Dies könnte dem Ausbau der erneuerbaren Energien in Malaysia zusätzlichen Schub geben.

Corporate Renewable Energy Supply Scheme (CRESS)

  • CRESS ist eine Plattform, die es Unternehmen auf der malaysischen Halbinsel ermöglicht, grünen Strom entweder direkt über Abnahmeverträge (Power Purchase Agreement) mit den Erzeugern oder über Open-Access-/Third-Party-Access-Abkommen mit dem staatlichen Stromversorger Tenaga Nasional Berhad zu beziehen.
  • Stromabnehmer müssen kommerzielle Großverbraucher mit einem Hoch- oder Mittelspannungsanschluss sein.
  • Produzenten von Strom aus erneuerbaren Energien müssen Kapazitäten von mindestens 30 Megawatt haben und sich zu 51 Prozent in malaysischem Besitz befinden.

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