Wirtschaftsumfeld | Serbien | Investitionsklima
Hohes Interesse deutscher Firmen am Investitionsstandort Serbien
Serbien ist ein attraktiver Investitionsstandort. Deutsche Firmen errichten neue Produktionswerke im Land. Doch die Konkurrenz aus China nutzt Serbien als Sprungbrett nach Europa.
04.04.2025
Von Hans-Jürgen Wittmann | Belgrad
Eine wachsende Wirtschaft, ein hoher Modernisierungsbedarf sowie der einfache Zugang zum EU-Markt machen Serbien zu einem attraktiven Ziel ausländischer Direktinvestitionen (FDI). Im Jahr 2024 stiegen die FDI im Vergleich zum Vorjahr um rund 0,5 Prozent auf rund 4,95 Milliarden US-Dollar (US$), berechnet das Fachportal Makroekonomija.org. Damit wurde der bisherige Höchstwert aus dem Jahr 2011 von 4,93 Milliarden US$ übertroffen.
China sichert sich Zugang zu strategischen Aktiva
Wichtigster ausländischer Investor in Serbien mit einem Anteil von rund 30 Prozent an den FDI ist China. Der Fokus chinesischer Konzerne liegt dabei auf der Ausbeutung von Ressourcen. Zudem nutzt China Serbien als Sprungbrett auf den EU-Binnenmarkt und investiert in Werke zur Produktion von Konsum- und Investitionsgütern für den Export in die EU.
Von den EU-Mitgliedstaaten ist - abgesehen von den Niederlanden - Österreich der größte Investor. Auf Platz 3 folgt Deutschland mit einem Anteil von 4 Prozent. Etwa 900 meist kleine und mittelständische Unternehmen mit deutschem Kapital sind auf dem serbischen Markt aktiv. Branchengrößen wie Continental, ZF, Knauf oder Lidl sind in der Autozuliefer-, der Baustoffindustrie sowie im Groß- und Einzelhandel investiert. Die meisten deutschen Firmen unterhalten vor Ort eigene Produktionsstätten, Logistikflächen sowie Vertriebsgesellschaften und bearbeiten so den Markt. Insgesamt beschäftigen deutsche Firmen rund 80.000 Mitarbeitende vor Ort.
Ein weiterer wichtiger außereuropäischer Großinvestor sind die Vereinigten Arabischen Emirate, die vor allem in Infrastrukturobjekte investieren, wie das Wohngebiet Belgrade Waterfront.
Direktinvestitionen aus Russland - traditionell einem engen Wirtschaftspartner Serbiens - sind seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine kaum mehr der Rede wert. Wegen der Gefahr, unter Sekundärsanktionen der USA zu geraten, gelten russische Aktiva auch in Serbien als toxisch. Daher forciert die serbische Regierung einen Eigentümerwechsel beim landesweiten größten Ölkonzern NIS, an dem bis dato Gazprom die Mehrheit hält.
Deutsche Firmen investieren vor allem in Zulieferbetriebe
Rund 40 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen fließen in die verarbeitende Industrie, speziell in die Produktion von Kfz- und Elektronikkomponenten. In den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche Automobilzulieferer in Serbien angesiedelt und Produktionsstätten errichtet, auch aus Deutschland.
Deutsche Unternehmen investieren darüber hinaus auch in die Produktion von Maschinen und Ausrüstungen in Serbien und verbessern dadurch die Leistungsfähigkeit der gesamten Branche. Beim Ausbau erneuerbarer Energien stehen bei deutschen Investoren vor allem Wind- und Solarenergieprojekte im Fokus.
Unternehmen | Branche | Investitionen (in Millionen Euro) | Angestellte |
---|---|---|---|
Stada-Hemopharm | Produktion von Arzneimitteln in Vršac | 900 | 3.800 |
ZF Group | Produktion von Komponenten für Elektro- und Hybridfahrzeuge sowie Forschungs- und Entwicklungszentrum in Pančevo | 430 | 1.000 |
Bosch | Produktion von Komponenten für Kfz sowie Forschungs- und Entwicklungszentrum in Pećinci | 91 | 1.100 |
Siemens | Produktion von Komponenten für Windkraftanlagen in Subotica | 60 | 2.000 |
Bizerba | Produktion von Waagen sowie Lösungen in der Wiege-, Schneide- und Etikettiertechnologie in Valjevo | 33 | 300 |
Investitionsförderung: Serbien bietet finanzielle Anreize und Freizonen
Serbien verbessert stetig sein Investitionsklima und fördert ausländische Investitionen. Die Ansiedlung ausländischer Investoren hat für die serbische Regierung absolute Priorität. Im Zentrum dieser Strategie stehen Produkte mit einer hohen Wertschöpfung in der verarbeitenden Industrie sowie der Bereich Forschung und Entwicklung. Um dieses Ziel zu erreichen, subventioniert die Regierung die Schaffung entsprechender Arbeitsplätze.
Zentrale Anlaufstelle für ausländische Unternehmen, um an Subventionen zu gelangen, ist die serbische Entwicklungsagentur (RAS). Die Höhe der finanziellen Zuwendungen richtet sich dabei nach verschiedenen Kriterien. Dazu gehören unter anderem die Unternehmensgröße sowie die Region und die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze. Im Fokus stehen dabei eher strukturschwache Regionen. Gefördert werden können Investitionen in Grundstücke, Produktionshallen oder Maschinen und Anlagen.
Region | Mindestanzahl neuer Angestellter | Mindestinvestitionssumme (in Euro) | Zuschuss für 2-Jahre Bruttogehalt (in Prozent) | Zuschuss für jeden neu geschaffenen Arbeitsplatz (in Euro) |
---|---|---|---|---|
Belgrad | 50 | 500.000 | 20 | 2.000 |
Wojwodina | 40 | 400.000 | 25 | 3.000 |
Šumadija und Westserbien, Süd- und Ostserbien | 30 | 300.000 | 30 | 5.000 |
Auch auf regionaler und kommunaler Ebene kümmern sich Investitionsförderagenturen um die Unterstützung ansiedlungswilliger Firmen. Generell ist ein "guter Draht" in die lokale Verwaltung von Vorteil, um das Projekt mit geringstmöglichem bürokratischen Aufwand realisieren zu können.
Freihandelszonen bieten spezielles Zollregime
Darüber hinaus wirbt Serbien um ausländische Investoren mit Industrie- und Freihandelszonen. Nach Angaben der Verwaltung für freie Zonen (Uprava za slobodne zone) sind in den landesweit 15 Freizonen aktuell über 250 Unternehmen angesiedelt. Darunter sind mit Continental in Novi Sad sowie der Norma Group oder Dunkermotoren in Subotica auch deutsche Firmen.
Investoren können die bereits bestehende Infrastruktur mit Strom- und Wasseranschluss nutzen. Zudem erhalten sie eine Befreiung auf Zölle und Einfuhrabgaben für den Import von Anlagen und Ausrüstung. Auch die Einfuhr von Rohmaterialien für die Verarbeitung zu Produkten und deren anschließender Export ist befreit.
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.