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Branchen |Thailand | Werkzeugmaschinen

Thailands Werkzeugmaschinen werden mehrheitlich importiert

Der thailändische Markt für Werkzeugmaschinen ist stark abhängig von Einfuhren. Deutsche Maschinen sind zwar angesehen, aber oft zu teuer. Platzhirsche sind japanische Modelle.

Von Thomas Hundt | Bangkok

Thailand ist für Werkzeugmaschinen innerhalb der südostasiatischen Region ein idealer Absatzmarkt. Zum einen ist das Land die zweitgrößte Volkswirtschaft in Südostasien. Zum anderen beträgt der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Wirtschaftsleistung über ein Viertel der höchste Prozentsatz unter den zehn Staaten der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN).

Der Markt für Werkzeugmaschinen hatte 2022 ein Volumen von 910 Millionen Euro, was einem Anstieg von fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die thailändische Firma Holcyon gilt beispielsweise als größter Hersteller von polykristallinen Diamantschneidewerkzeugen in Südostasien und verzeichnete 2022 Einnahmen von umgerechnet 34 Millionen US-Dollar (US$).  

Mehrere Firmen fertigen in Thailand Werkzeuge und -maschinen, auch für den Export. Im Jahr 2022 führte das Land solche Maschinen in Höhe von 507 Millionen US$ aus. Das waren 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Fabriken von Citizen Machinery und Star Micronics aus Japan sowie ANCA Manufacturing aus Australien fertigen beispielsweise "Computerized Numerical Control"-Maschinen für internationale Abnehmer. 

Der inländische Bedarf wird jedoch überwiegend durch Importe gedeckt: Mit 86 Prozent entfiel der Löwenanteil der Nachfrage auf Maschinen, die im Ausland gekauft wurden. In allen Segmenten lagen japanische Modelle vorn – und das kommt nicht von ungefähr. Japanische Unternehmen investieren seit Jahrzehnten massiv in Thailand und dominieren die meisten Industriezweige. Zweitwichtigster Lieferant von Werkzeugmaschinen war China. Deutschland lieferte 2022 dagegen nur knapp 4 Prozent der Maschinen.  

Thailand ist die verlängerte Werkbank Japans.

Oliver Prpic, Managing Director von Hermle South East Asia

Kein leichter Markt für deutsche Anbieter

Viele industrielle Abnehmer von Werkzeugmaschinen agieren im mittleren und unteren Qualitätssegment. Qualität und Haltbarkeit der Maschinen spielen eine geringere Rolle als der Anschaffungspreis, daher verstärken Anbieter aus China und Taiwan ihre Aktivitäten. 

Deutsche Lieferungen von Werkzeugmaschinen sind von größeren Projekten abhängig, ihre Auftragsvolumen schwanken erheblich. Die deutschen Ausfuhren beliefen sich 2022 auf 34 Millionen Euro über 112 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das Geschäft mit Teilen und Zubehör "Made in Germany" läuft hingegen stabil bei rund 4 Millionen Euro jährlich seit 2018, weil bereits zahlreiche deutsche Maschinen im Einsatz sind.

Deutsche Anbieter verstärken ihren Vertrieb

Deutsche Anbieter gründen inzwischen eigene Niederlassungen: Grob, ein Hersteller von Bearbeitungszentren, wandelte Anfang 2022 seine Repräsentanz in eine vollständige Niederlassung um. Die Rechtsform Niederlassung darf sich im Gegensatz zu einem Repräsentanzbüro ohne eigene Rechtspersönlichkeit selbstständig um Service und Vertrieb kümmern. 

Hermle aus Gosheim, ein Spezialist für 5-Achs-Fräsen, hat 2020 ebenfalls die Tochtergesellschaft Hermle SEA in der industrialisierten Provinz Chonburi gegründet und bearbeitet von dort aus Südostasien. Bereits seit 2006 werden in der Niederlassung von Gühring, einem Produzenten von Präzisionswerkzeugen, auch Sonderwerkzeuge gefertigt.  

Deutsche Werkzeugmaschinentechnik genießt laut Experten in Thailand zwar einen guten Ruf, allerdings gibt es bei der Kundenzufriedenheit noch Luft nach oben. Eine bescheidenere und unaufdringlichere Art komme beim Vertrieb besser an.

Aller Anfang ist schwer

Ausländische Anbieter sollten zunächst lokale Expertise nutzen und über einen nationalen Vertriebspartner in den Markt einsteigen. Die Auswahl ist breit und die Deutsch-Thailändische Handelskammer kann gezielt nach geeigneten Kandidaten suchen. 

Markteinsteiger können sich auch auf der jährlichen Fachmesse Metalex in Bangkok einen guten Überblick verschaffen. Die nächste Messe findet vom 20. bis 23. November 2024 statt. Auf der Metalex 2023 stellten 71 Firmen aus Deutschland ihre Produkte vor, davon 26 Aussteller auf einem deutschen Gemeinschaftsstand. Auch 2024 soll es wieder einen deutschen Gemeinschaftsstand auf der Metalex geben.

Die thailändische Geschäftskultur

  1. Die thailändische Kultur ist konservativ und sittsam.
  2. Der Umgang ist immer freundlich und gesichtswahrend.
  3. Mit Höflichkeit und Respekt machen Sie viele Dinge richtig.
  4. Zielführende Geschäftsbeziehungen benötigen Achtsamkeit, Ausdauer und eine Prise Frohsinn.

Die Kfz-Branche ist wichtiger Abnehmer

Thailand ist der größte Hersteller von mehrspurigen Kfz in Südostasien. Im Jahr 2023 verließen 1,8 Millionen Pkw und Nutzfahrzeuge die thailändischen Werkshallen. Dementsprechend wichtig ist die Branche auch als Abnehmer von Werkzeugmaschinen. Besonders die Elektromobilität wird die künftige Nachfrage nach Werkzeugmaschinen beeinflussen, denn der thailändische Staat fördert großzügig Investitionen in Elektroautos, Batterien, Leistungselektronik sowie Kühlungs- und Ladesysteme. 

Weitere wichtige Abnehmer von Werkzeugen und -maschinen sind die Elektroindustrie, die zahlreichen Hersteller von Klimageräten sowie die Kunststoffindustrie mit nachgelagertem Formenbau und andere Bereiche der Metallindustrie. 

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