Die thailändische Regierung fördert die Elektromobilität. Der Verkaufsanteil von E-Autos steigt. Chinesische Hersteller ziehen im Land zahlreiche Produktionsanlagen hoch.
Thailand will die Wende zur Elektromobilität schaffen. Bereits 2030 sollen die Hälfte aller in Thailand verkauften Pkw E-Autos sein. Dafür wurden mehrere Förderprogramme aufgelegt, sowohl für Hersteller als auch für Käufer. Bereits 2022 hatte das staatliche National Electric Vehicle Policy Committee das Programm EV 3.0 verabschiedet, mit dem Hersteller und Händler Zollabgaben und Verbrauchssteuern von Elektrofahrzeugen reduzieren können. Im Dezember 2024 wurde es zeitlich flexibilisiert.
Das aktuelle Programm EV 3.5, erlässt Käufern von E-Pkw und E-Pick-ups teilweise die Mehrwertsteuer und gewährt ihnen eine Prämie von umgerechnet rund 2.800 US-Dollar (US$). Die genaue Höhe der Prämie hängt vom Fahrzeugtyp, von der Batterieleistung sowie vom Listenpreis ab.
Teilnehmende Hersteller der Programme EV 3.0 und EV 3.5 müssen die geförderten Fahrzeugmodelle spätestens im Jahr 2026 in Thailand produzieren. Die Produktionsmenge muss der doppelten Anzahl an Fahrzeugen entsprechen, die in den Vorjahren importiert wurden (beim Produktionsstart im Jahr 2027 die dreifache Anzahl). Darüber hinaus muss wenigstens eine Schlüsselkomponente wie die Batterie, die Leistungselektronik, der Inverter oder der Elektromotor aus lokaler Produktion stammen. Bis Dezember 2024 hatten sich 26 Hersteller für dieses Programm angemeldet.
Steigender Verkaufsanteil von E-Autos
Als Folge der Förderprogramme werden in Thailand seit 2022 E-Autos in substanzieller Anzahl verkauft. Im Krisenjahr 2024 wurden laut Federation of Thai Industries (FTI) 66.700 E-Autos in Thailand abgesetzt. Das war zwar ein Rückgang von knapp 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings wurde der E-Auto-Anteil an den gesamten Kfz-Verkäufen auf 12 Prozent und der E-Auto-Anteil am Absatz von Pkw auf beachtliche 30 Prozent gesteigert.
Die Electric Vehicle Association of Thailand (EVAT) vermeldet für 2024 sogar die Registrierung von 71.000 reinen E-Autos sowie von 127.000 Hybridautos und 9.000 Plug-in-Hybriden. Demnach waren bis Ende 2024 insgesamt 160.000 E-Autos in Thailand gemeldet (sowie 470.000 Hybridautos und 63.000 Plug-in-Hybride). Das entspricht etwa 1,3 Prozent aller in Thailand gemeldeten Pkw. Werden aber die 7 Millionen Pick-up-Trucks mit eingerechnet, liegt der E-Auto-Anteil noch bei unter einem Prozent.
Chinesische Hersteller bauen zahlreiche E-Auto-Fabriken
Mittlerweile ist das Angebot an E-Autos in Thailand vielfältig. EVAT listet 56 vollelektrische Modelle nach Herkunft der Fertigung auf. Insgesamt 31 kommen aus China und immerhin zwölf aus Deutschland. Bei den Verkaufszahlen haben aber die chinesischen Modelle die Nase vorn. Etwa 90 Prozent aller in Thailand verkauften E-Autos stammen aus der Volksrepublik. Lediglich Tesla hat mit seinen - ebenfalls in China gefertigten Modellen - noch einen nennenswerten Marktanteil.
Bis 2024 wurden praktisch alle chinesischen E-Autos importiert. Doch das ändert sich nun. Mehr als ein halbes Dutzend chinesischer Produzenten hat eine eigene E-Auto-Fertigung in Thailand gestartet oder baut gerade Fabriken auf. Die in der Presse kolportierten Produktionskapazitäten lassen darauf schließen, dass Thailand ein Exporthub für chinesische E-Autos in der ASEAN werden soll.
Mehrere deutsche Manager innerhalb und außerhalb der Kfz-Branche in Thailand loben in Hintergrundgesprächen die hohe Verarbeitungsqualität der chinesischen E-Autos und das im Vergleich zu internationalen Konkurrenzmodellen ausgezeichnete Preis-Leistungs-Verhältnis.
Chinas verlängerte WerkbankAktuelle Investitionen chinesischer Automobilkonzerne in Thailand, in Millionen US-DollarMarke | Investitionssumme | Ort | Produktionskapazität | Produktionsstart |
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Horizon | 1.100 | Chonburi | 50.000 E-Autos | 2024 |
GWM | 670 | Rayong | 80.000 E-Autos | 2024 |
BYD | 530 | Rayong | 150.000 E-Autos, Plugin-Hybride und Batteriemontage | 2024 |
MG | 300 | Chonburi | 100.000 Verbrenner und Plugin-Hybride | 2024 |
Changan | 260 | Rayong | 100.000 E-Autos, Batteriemontage | 2025 |
GAIC AION | 70 | Rayong | 50.000 E-Autos | 2025 |
Neta | k.A. | Bangkok | 20.000 E-Autos | 2024 |
Quelle: Medienberichte
Importautos aus China mit Zollvorteil
Der große Vorsprung chinesischer E-Autobauer gegenüber der internationalen Konkurrenz verdankt sich aber nicht nur der Produktqualität, sondern auch einem besseren Marktzugang. Denn zwischen China und den zehn Ländern der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN trat im Juli 2005 das Freihandelsabkommen Agreement on Trade in Goods of the China-ASEAN in Kraft. Thailand hat sich darin verpflichtet, die Zölle auf E-Autos aus China ab 2018 auf Null zu senken.
Für E-Autos aus der EU gilt hingegen ein Importzollsatz von 80 Prozent. Entsprechende Modelle mit Ursprung Südkorea unterliegen einem Präferenzzollsatz von 40 Prozent, für solche mit Ursprung Japan gilt ein Vorzugszollsatz von 20 Prozent. Beide Länder haben ebenfalls Freihandelsabkommen mit den Ländern der ASEAN abgeschlossen.
Thailand und die EU haben im September 2023 die 2015 unterbrochenen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen wieder aufgenommen. Das Abkommen könnte im Automobilsektor einheitlichere Wettbewerbsbedingungen herstellen. Wann es zu einem Abschluss kommt, ist schwer abzuschätzen.
Zögerlicher Aufbau der Ladeinfrastruktur
Die Ladeinfrastruktur hängt der geplanten Mobilitätswende noch hinterher. EVAT zählte bis Ende Dezember 2024 landesweit erst 3.400 öffentliche Ladestandorte mit knapp 11.500 Ladestationen. Hinzukommen anbieterbezogene Ladepunkte, wie etwa der Tesla Supercharger. Die Organisation listet insgesamt 18 verschiedene Anbieter von öffentlichen Ladestationen auf. Auch der öffentliche Stromversorger PEA ist in dem Sektor aktiv. Der Händler von BYD-Fahrzeugen, REVER Automotive, installiert ebenfalls ein Netz an Ladesäulen.
Die Anzahl der öffentlichen Ladestandorte ist damit innerhalb eines Jahres zwar um knapp 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Dennoch dürfte der noch lückenhafte Ausbau ein Hindernis für weitere E-Auto-Verkäufe sein, insbesondere an Kunden ohne eigenes Haus, die auf die öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen sind.
Von Frank Malerius
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Bangkok