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Äthiopien baut Getränkeindustrie aus
In Äthiopien investieren die Wasserabfüller weiter, während Brauereien und Softdrinkhersteller große Projekte abgeschlossen haben oder daran arbeiten. Die Getränkenachfrage wächst.
11.07.2022
Von Ulrich Binkert | Addis Abeba
Äthiopiens Bierbrauer berichten von einer deutlich verbesserten Stimmung seit Anfang des Jahres.
O'zapft is!
Die drittgrößte Brauerei Dashen hatte im Mai den Abschluss einer Kapazitätserweiterung um 1,2 Millionen Hektoliter (hl) verkündet. Ein Großprojekt von Kegna ist im Bau. Insgesamt könnten äthiopische Brauhäuser derzeit fast 19 Millionen hl Bier produzieren. Damit bestehen Überkapazitäten.
Große neue Investitionsprojekte sind nach dem Kapazitätsausbau der letzten Jahre nicht bekannt. Lange kolportierte Pläne Heinekens zum Bau einer vierten Braustätte im Land liegen auf Eis. Gleiches gilt für Absichten von weiteren internationalen Playern wie AB InBev, in Äthiopien zu produzieren. Der relativ kleine Anbieter Habesha hat die Installation einer dritten Abfülllinie offenbar weiter aufgeschoben.
Bierkonsum legt weiter zu
Der Durst nach Bier wächst nach aktuellen Prognosen des Marktforschers Fitch von gut 13 Millionen hl dieses Jahr auf über 15 Millionen hl im Jahr 2026. Gleichzeitig erhöhen sich die Ausgaben für Alkoholika auf Dollarbasis um jährlich 10 Prozent, wobei 99 Prozent der Alkoholika auf Bier entfallen. Mit einem Pro-Kopf-Konsum von 18 Liter liegt Äthiopien ziemlich genau im Durchschnitt der Länder in Subsahara-Afrika. Als Land mit der zweitgrößten Bevölkerung Afrikas ist Äthiopien als Markt aber besonders attraktiv.
Äthiopiens Biermarkt hatte in der halben Dekade bis 2019 nach Angaben von Market Research.com jährlich noch um 13 Prozent zugelegt, bevor der Absatz kurzfristig ins Stocken geriet: Die Regierung verbot zunehmend Alkoholwerbung und erhöhte die Verbrauchsteuer auf Bier, danach kam Corona. Doch schon 2021 berichtete der lange marktführende Heineken-Konzern wieder von einem Absatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich und guten Preisen. In Äthiopien gibt es jetzt zwar mehr Craft-Biere oder Produkte wie den jüngst von Heineken lancierten Malz-Energy-Drink, helles Lagerbier dominiert aber den Markt.
Unternehmen/Brauerei (Anteilseigner) | Kapazität (1.000 Hektoliter) | Anmerkungen |
---|---|---|
BGI (Castel-Gruppe) | 6.400 1) | kaufte bestehende Brauereien |
Kombolcha | 1.500 | |
Hawassa | 1.500 | |
Heineken | 5.550 | |
Kilinto | 4.500 | Von 2015 bis 2019 neu gebaut mit drei Abfüllanlagen von Krones |
Dashen (Fonds Vasari) | 4.400 | Zwei ältere Abfüllanlagen von Krones und eine neue von KHS |
Debre Birhan | 3.200 | |
Gonder | 1.200 | |
United Beverages | 1.600 | |
Anbessa in Modjo | 1.600 2) | |
Habesha (Swinkels, 60%) | 850 | |
Kegna in Ginchi | 3.000 | im Bau; 1. Phase: 2 Mio. hl Bier/Energy Drinks, 2. Phase: 1 Mio. hl Softdrinks, Saft und Wasser; Abfüllanlagen von Krones |
Insgesamt | 18.800 |
Wasserabfüller investieren
Das boomende Geschäft mit Trinkwasser aus Flaschen lockt hingegen weitere, wenn auch meist kleinere Investitionen. Dies, obwohl die Hersteller aktuell unter hohen Kosten für Kunststoff ächzen und von einer sinkenden Nachfrage berichten. Top Water, der sich als Marktführer mit einem Anteil von 16 Prozent sieht, will nach eigenen Angaben mit einer vierten Abfülllinie 2023 eine Kapazität von täglich 200.000 Flaschen (meist 0,6 Liter) erreichen. Expansionspläne haben auch die Firmen Belima, OK Bottling, Geramba und SBG, so die Ethiopian Beverages Manufacturing Industries Association (EBMIA) im Mai 2022. In den vergangenen drei Jahren habe die Branche jährlich 17 Prozent mehr investiert, bei einem Umsatzwachstum in ähnlicher Höhe.
Äthiopiens diversifizierter Midroc-Konzern mischt in der Trinkwasserbranche ebenfalls mit. Das konzerneigene Unternehmen Moha, das auch Pepsi produziert, füllt die Marke Kool ab. Das Marktpotenzial und staatliche Anreize haben laut EBMIA auch ausländische Firmen angelockt. Sie halten bereits Anteile an Yes Water und Debrebirhan. Nestlé hingegen hat sich aus dem Markt zurückgezogen. Für die meisten der rund 110 lizensierten Branchenfirmen ist das Wassergeschäft nur eins von mehreren Standbeinen.
Nachfrage soll Kapazität übersteigen
Aktuell produzieren die äthiopischen Trinkwasserhersteller laut Top Water täglich 18,6 Millionen Flaschen (mit 0,6 Liter). Nach Angaben von Top Water steuert die Branche mit den bekannten Erweiterungen auf eine Kapazität von 27 Millionen Flaschen zu. Der Bedarf liege eigentlich schon jetzt bei knapp 25 Millionen Flaschen. Andere aktuelle Quellen geben niedrigere Marktzahlen an. Das Unternehmen South Spring exportierte bereits ins Vereinigte Königreich, auch Top strebt Ausfuhren an.
Unternehmen | Marke | Kapazität (Flaschen pro Stunde) 2) 3) | Beschäftige (Anzahl) |
---|---|---|---|
Abebe Dinku/Top Water | Top | 138.000 4) | 1.070 |
Belima International | Daily Drinking | 78.000 4) | 400 |
Geramba | South | 78.000 | 310 |
Asku | Aqua Addis | 60.000 | 800 |
Abahawa | One | 42.000 | 540 |
Eden | Eden | 34.000 | 350 |
Kemal Bejiga | Fham | 30.000 | 405 |
OK Bottling | Feker | 24.000 | 300 |
Africa | Africa | 24.000 | 500 |
Kunis Bari | Sheger | 24.000 | 270 |
Damot | Gift | 20.000 | 180 |
Deutlich schlechter läuft in Äthiopien die Herstellung von Fruchtsaft. Es fehlt an geeigneten einheimischen Rohstoffen. Laut EBMIA ist die niederländische Firma Africa Juice weiterhin die einzige Firma, die in Äthiopien Fruchtsaftkonzentrat oder -püree (aus Mangos und Passionsfrüchten) produziert. Ein Kunde ist der chinesische Fruchtsafthersteller 3D Juice bei Addis Abeba.
Für die Produktion von Softdrinks soll Coca-Cola Beverages Africa eine sechste Fabrik in Äthiopien (in Hawassa) planen. Die Beteiligung des US-Brausekonzerns hat Ende Mai 2022 eine 100 Millionen US-Dollar teure Anlage in Sebeta nahe der Hauptstadt offiziell eröffnet. Ansonsten sind keine größeren Investitionsprojekte für Softdrinks bekannt. Der Pepsi-Abfüller Moha beliefert von seinem Werk in Hawassa laut Presseangaben neben Addis Abeba hauptsächlich den südlichen Teil von Äthiopien. In der Hauptstadt hat Moha Brancheninformationen zufolge gegenüber Coca-Cola an Boden verloren. Dort teilten sich die beiden Multis den Markt weitgehend untereinander auf. Daneben gibt es rund ein Dutzend kleinerer Hersteller, die jeweils regionale Absatzgebiete bedienen.
Deutsche Technikanbieter gut im Markt
Deutsche Technikfirmen sind bei Abfüllanlagen sehr gut vertreten. Bedarf herrscht vor allem dort, wo es auf hohe Ausbringungsmengen und Effizienz ankommt, etwa in Brauereien und bei Coca-Cola. Konkurrent Sidel aus Frankreich ist mit der französischen BGI-Gruppe relativ gut im Geschäft und stattete teils auch den Pepsi-Abfüller Moha aus.
Die Wasserabfüller, die im Regelfall wenig Kapital haben und sich mit kleinen Mengen in den Markt tasten, setzen bislang ganz überwiegend auf chinesische Technik. "Wir wollen uns künftig an europäischen Anbietern orientieren“, sagt allerdings Shimeles Acheme von Top Water, das bislang ebenfalls chinesische Maschinen einsetzt. Mit wachsenden Produktionszahlen sei hochwertige Technik langfristig preiswerter. Der Manager erwartet eine Konsolidierung unter den Anbietern. In den nächsten drei Jahren verschwinde wohl die Hälfte der heutigen Hersteller. "Die verbliebenen Unternehmen sind dann stärker und werden – so wie wir heute – auch die Beschaffung teurerer Technik ins Auge fassen“.