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Viel ungenutztes Potenzial in Angolas Nahrungsmittelsektor
Angola will unabhängiger von Lebensmittelimporten werden. Eine Reihe von Regierungsprogrammen soll dabei helfen. Doch der Weg ist steinig. (Stand: 30.01.2025)
02.04.2025
Von Jenny Tala | Johannesburg
Um die Importabhängigkeit zu verringern, die Ernährungssicherheit zu erhöhen und die Wirtschaft zu diversifizieren, investiert Angola verstärkt in die Nahrungsmittelverarbeitung. Der Fokus der Regierung liegt auf der Steigerung der Produktion von Getreide, Ölsaaten, Hülsenfrüchten, Obst und Knollengemüse sowie Fleisch.
Regierungsprogramme zur Förderung der Landwirtschaft
Im Rahmen des Nationalen Plans zur Förderung der Getreideproduktion Planagrão hat die angolanische Regierung angekündigt, umgerechnet 92,4 Milliarden US-Dollar (U$) zur Unterstützung landwirtschaftlicher Genossenschaften bereit zu stellen. Bis 2027 soll sich so die jährliche Ernte von Weizen, Reis, Hirse sowie Soja von derzeit etwa 3 Millionen auf rund 6 Millionen Tonnen verdoppeln. Das Programm beinhaltet auch die Verteilung von Saatgut an Gemeinden sowie die Kooperation mit Bildungseinrichtungen. Medien berichten jedoch, dass von den angekündigten Geldern aufgrund fehlender Devisen bislang nur ein Bruchteil mobilisiert wurde und das Programm selbst Branchenverbänden weitgehend unbekannt sei.
Der Planapecuária dient der Förderung der Viehzucht und soll durch eine Reihe von Maßnahmen die Fleisch-, Milch- und Eierproduktion im Land steigern. Bis 2027 soll die Geflügelproduktion um das Fünffache und die von Schweinefleisch um das Siebenfache erhöht werden.
Ebenfalls auf den Weg gebracht hat die Regierung ein Programm zur Unterstützung familiärer Landwirtschaftsbetriebe, die über 90 Prozent der Anbauflächen bewirtschaften. Das Programm soll Bauern, Genossenschaften, landwirtschaftlichen Verbänden sowie Kleinst- und Kleinunternehmen helfen, produktiver zu werden. Für das Landwirtschaftsjahr 2024/25 wurden mehr als 6 Millionen Hektar Land vorbereitet und über 200.000 Ausrüstungsgüter zur Verfügung gestellt.
Unternehmen erweitern lokale Produktion
Auch private Investoren aus dem In- und Ausland erweitern ihre Kapazitäten. Die Carrinho-Gruppe, Angolas größtes Branchenunternehmen, gab bekannt, 2024 rund 60 Millionen US$ in Saatgut, Landmaschinen und andere Betriebsmittel investiert zu haben, um die nationale Produktion anzukurbeln.
Die türkische Firma Agro Cerespec hat 2024 eine neue Montagelinie für Landmaschinen in Talatona, südlich von Luanda, in Betrieb genommen. Unternehmensangaben zufolge sollen monatlich rund 120 Traktoren sowie weitere landwirtschaftliche Ausrüstungsgüter aus der Türkei nach Angola geliefert und dort zusammengebaut werden. Der Fokus liegt auf der Verarbeitung von Reis, Maismehl und weiteren Mehlsorten.
Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) unterstützt Angola beim Aufbau einer Düngemittelproduktion sowie bei der Einrichtung von speziellen landwirtschaftlichen Verarbeitungszonen, die es bereits in anderen afrikanischen Ländern gibt.
Weiterhin hohe Nahrungsmittelimporte
Obwohl die angolanische Landwirtschaft jährlich um 5 bis 6 Prozent wächst und in den letzten Jahren viel investiert wurde, gibt das Land jedes Jahr hohe Summen für Lebensmittelimporte aus. Allein im Jahr 2023 beliefen sich die Lebensmittelimporte auf 2 Milliarden US$ - das entspricht 13 Prozent der Gesamteinfuhren. Dabei könnten viele der importierten Produkte auch vor Ort produziert werden. Angola punktet mit guten klimatischen Bedingungen, fruchtbaren Böden und einer strategisch günstigen geografischen Lage. Laut dem Chef der Afrikanischen Entwicklungsbank, Akinwumi Adesina, hat Angola das Potenzial, Nettoexporteur von Nahrungsmitteln zu werden. Gegenwärtig werden nach Angaben des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft jedoch nur weniger als 20 Prozent der 35 Millionen Hektar verfügbaren Ackerflächen bewirtschaftet.
Agrarsektor leidet unter geringer Produktivität
Die Diversifizierung der Wirtschaft bleibt die Hauptaufgabe für Angola. Zwar verzeichnet das Land gute Wachstumsraten - 2025 soll das Bruttoinlandsprodukt um 4 Prozent zulegen, für 2026 rechnet die Economist Intelligence Unit (EIU) mit 3,8 Prozent. Haupttreiber für das Wachstum sind jedoch der dominante Ölsektor sowie der Bergbau.
Von Januar bis September 2024 trug der Agrarsektor 10,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, auf die Fischerei entfielen 5,3 Prozent. Das ist immerhin doppelt so viel wie 2019. Allerdings ist der Sektor kaum kommerzialisiert und wird von Subsistenzwirtschaft dominiert - Technik und moderne Betriebsmittel kommen kaum zum Einsatz. Lokale Agrarökonomen beklagen die geringe Produktivität sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Viehzucht, die die Entwicklung des Sektors hemmt. Die Hauptursachen sehen sie in der geringen öffentlichen Finanzierung und Kreditvergabe an die Landwirte.
Wenig Spielraum für Investitionen
Angolas finanzieller Spielraum für öffentliche Investitionen ist aufgrund der hohen Staatsverschuldung sehr begrenzt. Vielerorts fehlt es an Basisinfrastruktur, die für den Transport landwirtschaftlicher Produkte und Nahrungsmittel essenziell ist. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO und die angolanische Regulierungsbehörde für Frachtzertifizierung und Logistik ARCCLA wollen mithilfe von Logistikplattformen entlang des Lobito-Korridors die Wettbewerbsfähigkeit angolanischer Agrarprodukte steigern.
Für den Ausbau der Nahrungsmittelverarbeitung müsste zudem die flächendeckende Elektrifizierung ländlicher Regionen schneller vorangetrieben werden. Die deutsche Tochter der portugiesischen MCA Group führt in Angola ein Großprojekt zur ländlichen Elektrifizierung mit Solarstrom durch.
Förderprogramme für Unternehmen
Die Regierung unterstützt Unternehmen über die genannten Initiativen wie Planagrão, Planapecuária sowie das Programm zur Produktionsförderung, Exportdiversifizierung und Importsubstitution PRODESI.
Bei der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Angola berät seit 2024 eine Branchenexpertin für die Land- und Ernährungswirtschaft deutsche Unternehmen beim Markteinstieg und der Identifizierung von Geschäftsmöglichkeiten in Angola.