Sie sind ein ausländisches Unternehmen, das in Deutschland investieren möchte?

Branchen | Aserbaidschan | Energiewirtschaft

Aserbaidschans Ausbau erneuerbarer Energien nimmt Tempo auf

Aserbaidschan springt bei der Nutzung von grünem Strom spät auf den Zug auf. Dafür geht es jetzt umso schneller. Bis 2027 fließen circa 3 Milliarden US-Dollar in den Ausbau.

Von Uwe Strohbach | Baku

Aserbaidschan nimmt Kurs auf grünen Strom. Der Anteil erneuerbarer Energien soll bis 2030 auf 35 Prozent steigen, gegenüber heute 20 Prozent. Schon bis 2026 soll grüne Energie 24 Prozent der installierten Kraftwerkskapazitäten ausmachen, was einer Steigerung um gut 7 Prozent entspricht.

Mix von Faktoren treibt Ökostromprojekte an

Für die guten Aussichten des EE-Marktes sprechen vor allem:

  • großes, bisher kaum genutztes Potenzial an EE-Quellen,
  • verbesserte Rahmenbedingungen und Investitionsanreize,
  • fester Wille der Regierung, die Stromerzeugung aus EE auszubauen und zu einem Exportschlager zu entwickeln,
  • großes Interesse an Kooperationen mit ausländischen Partnern und
  • wachsende Bereitschaft von Gebern zur finanziellen Begleitung von Projekten.

Stromproduktion: Bisher sorgt vor allem Wasserkraft für steigenden EE-Beitrag In Millionen Megawattstunden
 

2021

2022

2023

2024

Bruttostromerzeugung, davon:

27,9

29,0

29,3

28,4

Fossile Energieträger *)

26,2

27,0

27,1 

24,5

EE, davon:

1,7

2,0

2,2

3,9

  Wasserkraft

1,3

1,6

1,8

3,0

  Windenergie (onshore)

0,1

0,1

0,1

0,1

  Biomasse

0,2

0,2

0,2

0,2

  Solarenergie 

 0,1

0,1

0,1

0,6

EE-Anteil an der Bruttostromerzeugung (in %)

6,1

6,0

7,5

13,7

* Wärmekraftwerke und Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung.Quelle: Energieministerium Aserbaidschans 2025

Deutsche Technik gefragt, asiatische Produkte bevorzugt

Aserbaidschans Ökostromprojekte belaufen sich auf etwa 1 Milliarde US-Dollar (US$). Deutsche Erzeugnisse genießen in Aserbaidschan einen guten Ruf. Doch preiswerte asiatische Produkte haben oft die Nase vorn. In technologisch anspruchsvollen Produktgruppen bleibt deutsche Technik gefragt.

Laut Energieministerium besteht Bedarf an: 

  • netzgebundenen Batterie- (BES) und Pumpspeichersystemen (PHS),
  • Hochspannungs-Gleichstromübertragungssystemen, 
  • Kabeln für Offshore-Windparks, 
  • Lösungen für den Ausbau und die Digitalisierung des Stromnetzes und 
  • Beratungs-, Projektierungs- und Planungsleistungen.
Wirtschaftliches Potenzial erneuerbarer Energien in AserbaidschanIn Gigawatt

Energiesparte

Potenzial

Wirtschaftliches Potenzial 1)

27,7

  Solarenergie

23,0

  Windenergie (onshore) 2)

3,0

  Geothermie

0,8

  Kleinwasserkraft

0,5

  Biomasse

0,4

1 ohne Offshore-Windenergie; 2 technisches Potenzial der Offshore-Windenergie: 157 Gigawatt (im Boden verankerte Windräder/Wassertiefe < 50 Meter: 35 Gigawatt, schwimmende Anlagen: 122 Gigawatt).Quelle: Statistikkomitee 2025; Energieministerium 2025; Weltbank/IFC 2025

In Aserbaidschan gibt es keine Handelsbeschränkungen durch Lokalisierungsanforderungen. Das Land ist stark auf Importe von Komponenten für erneuerbare Energien angewiesen. Es bestehen Chancen, neue Produktionskapazitäten in steuerlich geförderten Gewerbegebieten zu errichten und von dort aus den regionalen Markt zu beliefern.

Ausbau der Kapazitäten setzt auf Ökostrom-Export nach Europa

Der erste industrielle Solarpark ging 2023 in Betrieb. Die erste große Windfarm folgte 2025. Ab 2027 sollen acht Fotovoltaik- und Windparks mit einer installierten Leistung von etwa 1.900 Megawatt ins Netz einspeisen. Die projektierte jährliche Elektrizitätserzeugung beträgt 5,3 Milliarden Kilowattstunden. 

Bis 2030 will das Land die installierte Leistung in der Ökostromerzeugung auf 7 Gigawatt ausbauen und damit gegenüber 2024 vervierfachen. Zwei Drittel davon, etwa 5 Gigawatt, sind für den Export nach Europa bestimmt. 

Der Strom soll über zwei grüne Energiekorridore transportiert werden: vom Kaspischen Meer/Aserbaidschan nach Europa via Georgien und das Schwarze Meer (4 Gigawatt) sowie aus der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan nach Europa via Türkei (1 Gigawatt). Experten arbeiten an einem Konzept zur Integration des geplanten Energieknotenpunktes Dschäbrajil in Ost-Sangesur in das Stromnetz Nachitschewans und der Türkei.

Gestartete und geplante Solarstrom-Projekte über 100 MW
Region - Standort des Projektes

Installierte Leistung (in MW) 

Projektstand (geplante Inbetriebnahme)Investor 1)
Autonome Republik Nachitschewan 

500

FrühstadiumMasdar (VAE)
Autonome Republik Nachitschewan 

500

Absichtserklärung 2)A-Z Czech Engineering (Tschechien)
Bilasuvar

445

Planung (2027)Masdar (VAE)  
Autonome Republik Nachitschewan 

400

Absichtserklärung 2)Nobel Energy Management (Aserbaidschan/UK)
Banka, Nefttschala 

315

im Bau (2027)Masdar (VAE)
Autonome Republik Nachitschwan 

250

Absichtserklärung 2)Total Energies (Frankreich)
Shafag, Ost-Sangesur   

240

im Bau (Ende 2025/Anfang 2026)Shafag Solar (BP,  Großbritannien; AIC, Aserbaidschan) 
Landkreis Füzili

160

Vereinbarung 3)China Energy Overseas Investment (China)
Dschäbrajil/Ost-Sangesur 

100

Planung (2027 für 1. Phase mit 50 MW)Nobel Energy Management Aserbaidschan/Großbritannien)
Gobustan/Garadagh  

100

Planung (2027) Universal International Holdings Limited (China) 
Autonome Republik Nachitschewan

70

Absichtserklärung 2)Notus energy (Deutschland) 
1 SOCAR Green, eine SOCAR-Tochter, ist in die meisten Projekte über Partnerschaftsvereinbarungen involviert; SOCAR Green investiert in die Sparten Wind, Solar, grüner Wasserstoff sowie CO2-Abscheidung und -Speicherung; 2 seit 2023; 3 seit Ende 2024.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2025

 

Gestartete und geplante Windkraft-Projekte
Projekt 

Installierte Leistung (in MW) 

Projektstand (geplante Inbetriebnahme) Investor 1)
Chizi/Abscheron

240

im Bau (Ende 2025) ACWA Power (Saudiarabien)  
Autonome Republik Nachitschwan 

250

Absichtserklärung 2)Total Energies (Frankreich)
Аbscheron-Garadagh 

240

Planung (2027)Masdar (VAE)
Kalbadschar/Ost-Sangesur

200 bis 240

Projektierung (2028)Clean Energy Invest LLC/AGEC, Baltech Green LLC (Aserbaidschan/Türkei)
Landkreis Latschin 

100

PlanungMasdar (VAE)
Garadagh/Baku

70

ProjektfrühstadiumElecnor (Spanien) 
1 IBN = Inbetriebnahme; 2 SOCAR Green, eine SOCAR-Tochter, ist in die meisten Projekte über Partnerschaftsvereinbarungen involviert. Socar Green investiert in die Sparten Wind, Solar, grüner Wasserstoff sowie CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS).Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2025

Aserbaidschan ist Treiber der Schwarzmeer-Stromtrasse

Aserbaidschanische Experten erstellen derzeit eine Machbarkeitsstudie für eine 1.500 Kilometer lange Stromleitung von Aserbaidschan (Agstafa) nach Europa (Constanta, Rumänien) via Georgien. Diese Trasse soll das geplante 1,3-Gigawatt-Hochspannungsunterseekabel mit einer Länge von 1.195 Kilometern zwischen Anaklia (Georgien) und Constanta (Rumänien) einbinden. Zu diesem Zweck gründeten die Stromübertragungsgesellschaften von Aserbaidschan, Georgien, Rumänien und Ungarn Anfang 2025 die gemeinsame Green Energy Corridor Power Company (GECO Power Company).

Das italienische Beratungsunternehmen CESI bestätigte 2024 die Machbarkeit des 3,5 Milliarden-US-Dollar-Projekts. Die EU will über den Wirtschafts- und Investitionsplan für die Östliche Partnerschaft finanziell begleiten. In den Jahren 2025 und 2026 wird die Umwelt- und Sozialverträglichkeit des Projekts geprüft und der Meeresboden untersucht. Die Fertigstellung des Stromkabels ist für 2030 geplant.

Internationale Beteiligung am Markt für Erneuerbare wächst

Die ersten Pläne für die industrielle Nutzung von Sonnen- und Windenergie in Aserbaidschan stammen von Masdar (VAE) und ACWA Power (Saudiarabien). Masdar plant Solar- und Windparks an Land (jeweils 2 Gigawatt) sowie Offshore-Windparks (1 Gigawatt). ACWA Power konzipiert Offshore- und Onshore-Windparks (1,5 Gigawatt und 1 Gigawatt).

Heute ist der Markt vielfältiger. Fünf chinesische Unternehmen (China Gezhouba Group, China Energy Investment, China Datang, Power China Resources und TBEA) planen Projekte. Auch Unternehmen aus Deutschland (Siemens Energy Global, Notus Energy), Dänemark (Capelle Wind Technologies), Frankreich (Total Energies), Spanien (Elecnor) und Tschechien (A-Z Czech Engineering) sind aktiv.

Neue Gesetze und Aktionspläne kurbeln Ökostromprojekte an    

Aserbaidschans bisherige Programme für den Ausbau erneuerbarer Energien scheiterten meist an ungünstigen Rahmenbedingungen, fehlenden Finanzen und mangelnder Fachkompetenz. Heute stehen deren Chancen besser, trotz des wenig liberalisierten Strommarktes.

Meilensteine für industrielle Solar-und Windkraftwerke

2020: Neugründung der Agentur für Erneuerbare Energien (AREA) als Kontaktpartner für Ökostromprojekte  

2021: Inkraftsetzung eines Gesetzes „Über die Nutzung erneuerbarer Energiequellen (EE) in der Stromerzeugung“ 

2021: Präsidialdekret "Grüne Zone Karabach" (regionales EE-Potenzial: 10.000 Megawatt davon Sonnenenergie: 7.000 Megawatt; Windkraft: 2.000 Megawatt; aktuell Umsetzung mehrerer Wasserkraftprojekte) 

2024: Durchführung der ersten Fotovoltaik-Auktion

2025: Neues Paket für die steuerliche Förderung von Ökostromprojekten (Befreiung von der Gewinn-, Vermögen- und Grundsteuer sowie der Mehrwertsteuer für den Ausrüstungsimport über einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren für PPP-Projekte)

Arabisches Unternehmen Masdar hat große Ausbaupläne

Masdar (VAE), ein globaler Marktführer für saubere Energie, hat große Ambitionen in Aserbaidschan. Die Tochtergesellschaft der Mubadala Investment Company, eines Staatsfonds der VAE, und das aserbaidschanische Energieministerium vereinbarten Mitte 2022 exportorientierte Energieprojekte mit einer installierten Leistung von 10 Gigawatt.

Das Paket umfasst in der ersten Phase neue Onshore-Fotovoltaik- und Windkraftparks (jeweils 1 Gigawatt) und in der zweiten Phase integrierte Offshore-Windenergie- und Grüner-Wasserstoff-Projekte (2 Gigawatt). Später sind weitere Anlagen (bis zu 6 Gigawatt) vorgesehen. 

 

nach oben
Feedback
Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.