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Wirtschaftsumfeld | Israel | Konjunktur

Zinserhöhung belastet Israels Wirtschaft

Rund 35 Prozent der israelischen Unternehmen vermelden im Januar 2023 bedeutende Geschäftseinbußen infolge des gestiegenen Leitzinses. Dies kann sich auch auf Importe auswirken.

Von Wladimir Struminski | Jerusalem

Zwischen April 2022 und Januar 2023 hob die israelische Zentralbank den Leitzins von 0,1 Prozent auf 3,75 Prozent an. Die zur Inflationsbekämpfung durchgeführte Zinserhöhung hat die Konjunkturstimmung bei einem großen Teil der israelischen Unternehmen getrübt. Das geht aus einer vom Zentralamt für Statistik im Januar 2023 veröffentlichten Firmenumfrage hervor. Demnach berichten 35 Prozent der befragten Unternehmen, die Zinserhöhung habe ihre Geschäftstätigkeit stark oder sehr stark beeinträchtigt.

Industrie besonders stark betroffen

Zu den besonders getroffenen Sektoren gehört die Industrie, in der der Prozentsatz der stark oder sehr stark geschädigten Firmen bei 54 Prozent lag. Mit einem Anteil von 41 Prozent war der Schadensumfang im Informations- und Kommunikationssektor ebenfalls überdurchschnittlich hoch. Die Bauwirtschaft lag mit 36 Prozent knapp über dem Durchschnitt.

Weniger stark sind der Handelssektor und der Dienstleistungssektor betroffen. In diesen Bereichen berichten jeweils 27 Prozent beziehungsweise 23 Prozent der befragten Unternehmen von starker oder sehr starker Beeinträchtigung ihrer Geschäftstätigkeit.

Auch Investitionspläne der Unternehmen werden zurechtgestutzt. So berichteten 28 Prozent der Umfrageteilnehmer, ihre vor der Zinserhöhung bestehenden Expansionspläne eingeschränkt zu haben. Im Industriesektor belief sich dieser Anteil sogar auf 43 Prozent.

Negativer Einfluss auf Importe zu erwarten

Die Umfrageergebnisse können auch für Israels ausländische Geschäftspartner von Relevanz sein. Die israelische Wirtschaft ist in hohem Maß von der Einfuhr abhängig. Nach den jüngsten verfügbaren Angaben lag die Importquote bei der Marktversorgung mit Industrieprodukten 2020 bei 47 Prozent. Daran dürfte sich seitdem nichts Wesentliches geändert haben.

In einzelnen Bereichen ist der Importanteil am Marktumsatz noch deutlich höher. Bei Kraftfahrzeugen inklusive Montage und Teilen lag die Importquote bei 92 Prozent. Rund 70 Prozent aller in Maschinen und Ausrüstungen getätigten Investitionen entfallen auf ausländische Fabrikate.

Aus diesem Grund droht die Konjunkturdämpfung in Israel spürbar auf die Einfuhr durchzuschlagen. In welchem Umfang die Lieferchancen ausländischer Exporteure auf dem israelischen Markt dadurch geschmälert werden, ist noch unklar. In bestimmten Fällen lassen sich Einbußen aber nicht ausschließen.

Weitere Zinserhöhung wahrscheinlich

Die negativen Folgen der Zinserhöhung drohen sich 2023 weiter zu verschärfen. Der Erhebungszeitraum der Umfrage war im Dezember 2022, in dem der Leitzins mit 3,25 Prozent um 50 Basispunkte niedriger war als im Januar 2023.

Hinzu kommt, dass die Bank von Israel in ihrer Winterprognose von einer weiteren Erhöhung des Leitzinses auf 4 Prozent ausgeht. Der Zentralbank sind die Konjunkturrisiken bekannt, doch hält sie die Inflationsbekämpfung in diesem Stadium für vordringlicher. Zwar sind die Lebenshaltungskosten in Israel 2022 mit 5,3 Prozent im internationalen Vergleich relativ gemäßigt gestiegen. Allerdings will die Bank die Inflation in den Zielkorridor von 1 Prozent bis 3 Prozent zurückführen.

In der Wirtschaft regt sich Widerspruch

Israelische Wirtschaftsverbände warnen vor den negativen Folgen der schnellen Zinserhöhung. Nach der jüngsten Anhebung des Leitzinssatzes Anfang Januar 2023 erklärte der Präsidiumsvorsitzende der Arbeitgeberorganisationen Ron Tomer, in der Wirtschaft seien die negativen Folgen der Zinserhöhungen bereits sichtbar. Der Einkaufsmanagerindex, so Tomer, deute auf eine Verschlechterung der Konjunkturlage hin. Zudem nehme die Zahl der Insolvenzanträge von Unternehmen zu.

Bei einer Aussprache im Finanzausschuss des Parlaments erklärte Tomer ferner, der geeignetere Weg zur Inflationsbekämpfung wären direkte staatliche Maßnahmen. Dabei forderte er von der Regierung eine Senkung der Mehrwertsteuer und der staatlich kontrollierten Strompreise sowie eine Herabsetzung der von Kommunen auf Immobilienbesitz erhobenen Steuer.

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