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Nahrungsmittelverarbeiter in Namibia erweitern Kapazitäten
Namibia investiert in den Ausbau der landwirtschaftlichen Produktion und der Nahrungsmittelverarbeitung. Die hohe Abhängigkeit vom Agrarsektor birgt Herausforderungen. (Stand: 30.01.2025)
02.04.2025
Von Jenny Tala | Johannesburg
Der Markt für Nahrungsmittel in Namibia soll in den kommenden Jahren um durchschnittlich 6,7 Prozent pro Jahr wachsen. Der Gesamtumsatz der Branche dürfte demnach 2029 knapp 2 Milliarden US-Dollar (US$) betragen, erwartet das Marktforschungsinstitut Statista. Größtes Marktsegment 2024 war Fleisch, gefolgt von Süßwaren und Snacks, Gemüse, Eiern und Milchprodukten sowie Brot und Getreidewaren.
Investitionen in die Fleischindustrie
Vor allem die namibische Fleischindustrie ist in Bewegung. In den letzten zwei Jahren wurde vermehrt in Schlachthöfe investiert - sowohl von der namibischen Regierung als auch von privaten Investoren. Die namibische Savanna Beef baut einen Schlachthof bei Okahandja, nördlich der Hauptstadt Windhuk, der Mitte 2025 in Betrieb gehen soll. Hauptkreditgeber ist die südafrikanische Industrial Development Corporation (IDC). Auch der deutsche Fleischkonzern Tönnies ist daran interessiert, in Namibia Rind- und Schweinefleisch für den Export zu produzieren.
Der größte Absatzmarkt für namibisches Rindfleisch ist Europa. Als einziges afrikanisches Land exportiert Namibia zudem Rindfleisch in die USA, den weltweit größten Verbrauchermarkt für Rindfleisch. Doch die Industrie erschließt auch neue Märkte: Im Rahmen des 9. China-Afrika-Kooperationsforums FOCAC im September 2024 in Peking wurde verkündet, dass China den Import von namibischem Lammfleisch und Trockenfrüchten genehmigt hat. Um neue Märkte im Nahen Osten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Oman zu erschließen, prüft Namibia die Möglichkeiten einer Halal-Zertifizierung.
Produktpalette soll erweitert werden
Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist die Fischerei. Im dritten Quartal 2024 erwirtschaftete Namibia knapp 200 Millionen US$ mit dem Export von Fisch und Meeresprodukten, ein Anstieg von 6,6 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2023, so die Namibia Statistics Agency (NSA). Größter Exportmarkt ist Spanien, wohin rund 40 Prozent der Ausfuhren gingen, vor allem gefrorene Seehechtfilets.
Auch über die Fleisch- und Fischindustrie hinaus will Namibia die landwirtschaftliche Produktion und die Lebensmittelverarbeitungskapazitäten ausweiten. Das Namibia Agronomic Board prüft regelmäßig das Produktions- und Absatzpotenzial ausgewählter Produkte und veröffentlicht die Ergebnisse auf seiner Webseite. Chancen bestehen demnach im Anbau von Bananen, Avocados, Beeren und Zitrusfrüchten, Sojabohnen sowie in der Speiseöl- und Getreideproduktion.
Hohe Abhängigkeit vom Agrarsektor
Die Landwirtschaft ist einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren Namibias. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind über 70 Prozent der namibischen Bevölkerung direkt oder indirekt vom Agrarsektor abhängig. Im Jahr 2024 hatte die Land- und Forstwirtschaft einen Anteil von 3,7 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Fischerei und Fischverarbeitung trugen 2,8 Prozent zum BIP bei. Etwa zwei Drittel der landwirtschaftlichen Produktion entfallen auf die Viehzucht, das restliche Drittel auf Ackerbau und Forstwirtschaft.
Die hohe Abhängigkeit birgt Risiken, die sich auch auf die nahrungsmittelverarbeitende Industrie auswirken: Aufgrund einer extremen Dürre verzeichnete der Agrarsektor 2024 einen starken Rückgang. Im dritten Quartal brach die Produktion von Mais, Weizen und Hirse im Vergleich zum Vorjahresquartal um 57 Prozent ein.
Fortschritte bei der Selbstversorgung
Wiederkehrende Dürren zählen zu den größten Herausforderungen des namibischen Agrarsektors. Hinzu kommen Wasserknappheit, eine geringe Produktivität und fehlende Kapazitäten für die Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Ein Großteil der Nahrungsmittel wird daher importiert, vor allem aus Südafrika. Die namibische Regierung ist bemüht, unabhängiger von Importen zu werden. Ein höherer Selbstversorgungsgrad soll zum einen die Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit erhöhen, zum anderen können durch den Ausbau der landwirtschaftlichen Produktion und der Nahrungsmittelverarbeitung Arbeitsplätze geschaffen werden.
Laut dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hat Namibia 2024 erstmals in 15 Jahren einen Selbstversorgungsgrad von 45 Prozent erreicht. Vor allem der Import von Grundnahrungsmitteln wie Mais, Perlhirse und Weizen konnte reduziert werden.
Namibia verabschiedet Strategie für biologische Landwirtschaft
Namibias Nationale Kommission für Forschung, Wissenschaft und Technologie (NCRST) hat in Zusammenarbeit mit der FAO eine Strategie für eine ökologische Landwirtschaft bis 2029 verabschiedet. Durch den Einsatz nachhaltiger Anbau- und Zuchtmethoden soll die Produktivität in der Pflanzen- und Viehzucht erhöht und widerstandsfähigere Pflanzensorten und Tierrassen entwickelt werden.
Importverbot für südafrikanisches Obst und Gemüse
Für anhaltende Diskussionen sorgt das Einfuhrverbot der namibischen Regierung für südafrikanische Zitrusfrüchte und Gemüse, das bis 2025 verlängert wurde. Namibia will so die lokale Produktion fördern und die Abhängigkeit von südafrikanischen Importen verringern. Sowohl Namibia als auch Südafrika sind jedoch Mitglieder der Zollunion des südlichen Afrikas (SACU), weshalb das Verbot umstritten ist.
Gute Aussichten für die Getränkeindustrie
Der Markt für Getränke dürfte in den kommenden Jahren kräftig wachsen. Laut Prognosen von Statista wird der Branchenumsatz in den kommenden fünf Jahren um fast die Hälfte steigen und 2029 bei 33,2 Millionen US$ liegen (2024: 22,8 Millionen US$). Größter Wachstumstreiber ist das Segment der alkoholfreien Getränke (ohne Heißgetränke).
Bei den alkoholischen Getränken steigt vor allem der Bierkonsum. Marktführer ist Namibia Breweries Limited (NBL) mit Marken wie Windhoek Lager, das auch nach Südafrika exportiert wird. Neben Produktkategorien wie Wein, Cider und Spirituosen will NBL künftig seine Verpackungskapazitäten ausbauen.