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Branchen | Südafrika | Nahrungsmittel-, Verpackungsmaschinen

Südafrikas Nahrungsmittelindustrie wächst wieder stärker

Für Südafrikas Nahrungsmittelhersteller hat sich die Lage verbessert. Sorgen bereiten logistische Engpässe und der strauchelnde Agrarsektor. (Stand: 30.01.2025)

Von Jenny Tala | Johannesburg

Bessere gesamtwirtschaftliche Aussichten und das Ende der Energiekrise sorgen in Südafrika für positive Aussichten - auch in der Nahrungsmittelindustrie. Zwischen 2025 und 2029 soll der Markt um durchschnittlich 7,25 Prozent pro Jahr wachsen, prognostiziert das Marktforschungsinstitut Statista. Demnach wird der Gesamtumsatz der Branche 2025 bei 32,26 Milliarden US-Dollar (US$) liegen (2024: 29,99 Milliarden US$). Größtes Segment im vergangenen Jahr waren Süßwaren und Snacks (fast ein Fünftel des gesamten Marktvolumens), gefolgt von Fleisch, Brot und Getreideprodukten sowie Milchprodukten und Eiern. Statista zufolge wird Fleisch 2029 das größte Segment innerhalb der Nahrungsmittelindustrie sein. 

Fleischindustrie mit hohen Wachstumsraten

Südafrikas Fleischmarkt soll nach Prognosen des Marktforschungsinstituts Mordor Intelligence in den nächsten Jahren wieder stärker wachsen (durchschnittlich 6,9 Prozent). Das Wachstum wird sowohl von der steigenden Binnennachfrage als auch von der Exportorientierung der Branche getragen. Die Beefmaster Group will insbesondere die Rindfleischexporte nach China ausweiten, dem weltweit größten Konsummarkt für Fleisch. Ziel ist es, die Exporte bis 2025 zu verdoppeln. Ein weiterer lukrativer Exportmarkt ist Saudi-Arabien, das 2024 das 21-jährige Importverbot für südafrikanisches Rindfleisch aufhob.

Produzenten fordern Mehrwertsteuerbefreiung

Die lokale Fleischindustrie strebt für bestimmte Produkte eine Befreiung von der Mehrwertsteuer in Höhe von 15 Prozent an. Ein entsprechender Antrag des Geflügelverbandes liegt dem Finanzministerium vor. Auch die Rindfleischproduzenten unterstützen den Antrag. Vorausgegangen war eine Ankündigung von Präsident Cyril Ramaphosa, die Palette der von der Mehrwertsteuer befreiten Lebensmittel zu erweitern. Davon sollen vor allem einkommensschwache Haushalte profitieren.

Käse immer gefragter

Auch Milchprodukte werden in Südafrika immer beliebter. Das Bureau for Food and Agricultural Policy (BFAP) rechnet bis 2023 mit einem Anstieg des Verzehrs von Käse um 41 Prozent (im Vergleich zum Zeitraum 2021-2023), von Milchpulver um 55 Prozent und von Butter um 21 Prozent. 

Agrarsektor steht vor Herausforderungen

Mit einem Anteil von 3 beziehungsweise 4 Prozent (2023) sind der Agrarsektor und die Nahrungsmittelverarbeitung tragende Säulen der südafrikanischen Wirtschaft. Über viele Jahre hinweg verzeichnete der Agrarsektor überdurchschnittliche Wachstumsraten, die Exporte stiegen 2023 auf über 14 Milliarden US$. Im Jahr 2022 verlangsamte sich das Wachstum auf 0,3 Prozent, 2023 schrumpfte der Sektor um 4,7 Prozent. Gründe dafür waren der Ausbruch von Tierseuchen, hohe Futterkosten, die Energie- und Logistikkrise, sinkende Weltmarktpreise für Getreide und Ölsaaten sowie eine schwache Kaufkraft. Zudem litt das ohnehin wasserarme Südafrika 2024 unter einer massiven Dürre, die für einen Rückgang der Landwirtschaft um 28,8 Prozent im dritten Quartal (verglichen mit dem zweiten Quartal) sorgte. Für 2025 rechnet das BFAP mit einem Wachstum von 3,5 Prozent.  

Infrastrukturdefizite belasten auch deutsche Unternehmen

Eine große Herausforderung sowohl für exportorientierte Agar- als auch Nahrungsmittelunternehmen sind die anhaltenden Logistikengpässe. Das Straßen- und Schienennetz ist in einem schlechten Zustand. In Durban, Südafrikas größtem Containerhafen, warten Schiffe oft tagelang auf einen Anlegeplatz. Zudem sind die Ladezeiten für Container zu lang. Ein deutscher Obstexporteur berichtet, dass er in der Vergangenheit seine frische Ware nicht rechtzeitig außer Landes bringen konnte, so dass sie verdarb. 

Eine alternative Handelsroute bietet der Hafen von Maputo im Nachbarland Mosambik, der kontinuierlich ausgebaut wird. Viele Frischwaren wie Zitrusfrüchte werden bereits darüber nach Europa exportiert. Jedoch wird der grenzüberschreitende Straßentransport derzeit durch die anhaltenden Unruhen infolge der Präsidentschaftswahlen in Mosambik erschwert. 

Unternehmen setzen auf künstliche Intelligenz

Um den Agrarsektor widerstandsfähiger zu machen, setzen Landwirte und Nahrungsmittelkonzerne zunehmend auf technologische Unterstützung, darunter Anwendungen für das Farmmanagement. Der deutsche IT-Dienstleister Accso, der eine Niederlassung in Kapstadt betreibt, hat die Plattform "Farmgenius" gegründet. Mithilfe von künstlicher Intelligenz sollen insbesondere Kleinbauern bei der Präzisionslandwirtschaft unterstützt werden. 

Auch die südafrikanische Kälteindustrie bemüht sich um Nachhaltigkeit. Energieeffiziente Kältesysteme und erneuerbare Energiequellen sind spätestens seit der Energiekrise zum Standard geworden. Viele Unternehmen investieren in solarbetriebene Kühllager.

Staatliche Unterstützung für Investitionsvorhaben

Staatliche Unterstützung für Nahrungsmittelproduzenten bietet das Agro-Processing Support Scheme (APSS) des Ministeriums für Handel, Industrie und Wettbewerb (DTIC). Das Programm zielt darauf ab, Produktionskapazitäten zu erweitern, die Produktivität zu erhöhen, Arbeitsplätze zu schaffen und die Infrastruktur zu modernisieren. Unternehmen können Zuschüsse von bis zu 30 Prozent (jedoch maximal 20 Millionen Rand; entspricht etwa 1 Million Euro) ihres Investitionsvorhabens erhalten. 

Verpackungsindustrie: Mehr Recycling

Südafrikas Verpackungsmarkt wird zwischen 2025 und 2030 um durchschnittlich 4,5 Prozent auf 14,1 Milliarden US$ wachsen, so Mordor Intelligence. Die voranschreitende Urbanisierung begünstigt vor allem die Nachfrage nach Fertiggerichten und Fast Food sowie nach platzsparenden Verpackungen.

Auch Nachhaltigkeit rückt in der Verpackungsindustrie zunehmend in den Vordergrund. Tetra Pak investiert in verschiedene Projekte und Kampagnen, um die Recyclingquote zu erhöhen. Und die österreichische Alpla Group kündigte Mitte 2024 an, 65 Millionen US$ in den Bau einer PET-Recyclinganlage in Ballito (Provinz KwaZulu-Natal) zu investieren, an der auch das südafrikanische Unternehmen Re-Purpose beteiligt ist.

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