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Branche kompakt | Bauwirtschaft | Schweiz

Wettbewerbssituation und Geschäftspraxis

In der schweizerischen Baubranche spielen nur zwei ausländische Großkonzerne eine nennenswerte Rolle. Der Fachkräftemangel trifft die Branche massiv.

Von Karl-Heinz Dahm | Bonn

Wettbewerbssituation

Unter den zehn größten Bauunternehmen der Schweiz findet sich nur ein einziger Betrieb ohne Schweizer Wurzeln, die österreichische Strabag, die mit eigenem Namen und den von ihr mehrheitlich kontrollierten Unternehmen Baunova und Astrada auftritt. Als weiterer, größerer ausländischer Akteur ist die französische Bouygues-Gruppe mit ihrer Tochter Losinger Marazzi bekannt. Dominiert wird der Markt von heimischen Firmen. 

In der Schweizer Baubranche waren inklusive Bauneben- und Ausbaugewerbe laut den letzten verfügbaren Angaben von 2021 rund 357.000 Mitarbeiter beschäftigt. Im Bauhauptgewerbe arbeiteten 2021 etwa 90.000 Menschen in über 8.000 Betrieben. Der Hochbau beschäftigte rund 9.100 Mitarbeiter und im Tiefbau lag die Zahl der Beschäftigten 2021 bei 20.740, ein großer Teil von ihnen im Straßenbau. 

In den Segmenten Ausbaugewerbe, vorbereitende Baustellenarbeiten und Bauinstallation war mit rund 248.000 Personen in knapp 39.000 Betrieben die deutliche Mehrheit beschäftigt. Der Sektor ist weitgehend kleinbetrieblich organisiert. Knapp 80 Prozent der Betriebe konnten dem Handwerk zugeordnet werden. Im Hochbau beschäftigten über 80 Prozent der Betriebe weniger als 10 Mitarbeiter, im Tiefbau sind es 62 Prozent Kleinstbetriebe.

Die zehn größten Bauunternehmen in der Schweiz 2023Umsatz in Millionen Euro *)
Unternehmen

Umsatz

Anzahl Beschäftigte

Implenia

3.700

9.000

Marti Gruppe

823

6.000

Frutiger

853

2.400

Walo

770

2.600

Halter Bau

770

400

Strabag Schweiz

300

650

Schmid

270

500

Induni&Cie

257

625

Cellere Group

180

600

* Wechselkurs: 1 Euro= 0,972 sfr (2023).Quelle: Planradar 2024; Recherchen von Germany Trade & Invest

Fachkräftemangel stellt Branche vor Herausforderungen

Auch in der Schweiz stellt der Fachkräftemangel ein ernstes Problem für die schweizerische Baubranche dar. Laut einer Studie des Kompetenzzentrums Demografik, die der Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) in Auftrag gegeben hat, werden bis 2040 rund 5.600 Fachkräfte in der Branche fehlen, dann bliebe jede sechste Fachkraftstelle unbesetzt. Laut der Studie beträfe dieser Mangel insbesondere Maurer:innen und Bauvorarbeiter:innen.

Ausgewählte Strukturdaten zur Bauwirtschaft in der Schweiz

Kennziffer

2021

2022

2023

Veränderung 2022/2021 2)

Wertschöpfung im Baugewerbe, nominal in Mrd. Euro 1)

36,9

38,0

k.A

2,8

Bauausgaben, nominal in Mrd. Euro 1)

68,7

69,8

k.A

1,5

  Hochbau

52,4

53,5

k.A

2,1

 Tiefbau

16,4

16,3

k.A

-0,4

Umsatz im Bauhauptgewerbe (Hoch- und Tiefbau, nominal in Mrd. Euro) 1)

23,8

23,9

24,1

0,73)

Hochbau

12,0

12,4

12,5

0,73)

  Wohnungsbau

7,3

7,4

7,9

7,33)

  Wirtschaftsbau

3,3

3,4

3,1

-10,43)

   öffentlicher Hochbau

1,2

1,6

1,5

-6,13)

 Tiefbau/Infrastrukturbau

11,8

11,6

11,7

0,73)

    öffentlich

8,5

8,3

8,1

-2,23)

    privat

3,3

3,3

3,6

8,23)

Anzahl neu erstellter Wohnungen

45.665

46.666

k.A.

2,2

1 Wechselkurs: 1 Euro= 0,972 sfr (2023), 2 Veränderungen auf Basis der Landeswährung; 3 Veränderung 2023/2022.Quelle: Bundesamt für Statistik BFS; Schweizerischer Baumeisterverband SBV 2024

Geschäftspraxis

Sowohl kleine Handwerksbetriebe als auch große Bauunternehmen müssen sich registrieren lassen, um in der Schweiz Aufträge durchzuführen. Die Anmeldung ist zum Beispiel über die Internetseite des Staatssekretariat für Migration (http://www.sem.admin.ch, Rubrik: Einreise und Aufenthalt) möglich. Basisinformationen für eine Tätigkeit deutscher Anbieter in der Schweiz bietet die Internetplattform https://entsendung.admin.ch/.

Unternehmen mit Sitz in Deutschland sowie selbstständige Dienstleister dürfen bis zu 90 Tage im Kalenderjahr ohne ausländerrechtliche Bewilligung in der Schweiz erwerbstätig sein. Es besteht nur eine Meldepflicht. Das 90-Tage-Kontingent gilt sowohl für den einzelnen Mitarbeiter wie auch für das Unternehmen, was bedeutet, dass ein Unternehmen nur an bis zu 90 Tagen Arbeitnehmer in die Schweiz entsenden darf.

Verschiedene Internetportale informieren über anstehende Projekte im Land. Die Internetseite http://www.simap.ch berichtet aktuell über öffentliche Ausschreibungen des Bundes, der Kantone sowie der Städte und Gemeinden. Das Portal https://www.olmero.ch/ dient als spezielle Ausschreibungsplattform für die Bauwirtschaft und ist gleichzeitig ein digitaler Marktplatz für Handwerker der Deutschschweiz.

Die Handwerkskammer Freiburg, Schwerpunktkammer für die Schweiz, weist darauf hin, dass Unternehmen, die in der Schweiz tätig werden möchten, eine Vielzahl an Verpflichtungen und Formalitäten sowie die Einhaltung Schweizer Mindestlöhne zu beachten haben. Dies könne zu erheblichen Mehrkosten führen. Die Kammer bietet weitergehende Informationen zu Bau- und Montagearbeiten in der Schweiz.

Ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht stehen unter http://www.gtai.de/recht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen unter Zoll und Einfuhr kompakt Schweiz zur Verfügung.

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