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Branche kompakt | Tschechische Republik | Kfz-Industrie

Autoland Tschechien sorgt sich um Wettbewerbsfähigkeit

Die enge Verzahnung der tschechischen Autoindustrie mit Deutschland bereitet der Branche derzeit große Sorgen. Immer weniger Werke sind ausgelastet, Entlassungen sind die Folge.

Von Gerit Schulze | Prag

Ausblick der Kfz-Branche in der Tschechischen Republik

Bewertung:

  • Neue Absatzmärkte in Asien können Stagnation in Europa nicht ausgleichen.
  • Kaum noch neue Investitionen bei den Zulieferern.
  • Hohes Durchschnittsalter der Autos sorgt für Potenzial am Inlandsmarkt.
  • Förderprogramm für Kauf von Elektroautos ersatzlos ausgelaufen.
  • Trotz geringer Auslastung wird Ladeinfrastruktur ausgebaut.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionsankündigungen, Auftragseingängen und Expertenmeinungen. Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: März 2025.

  • Markttrends

    Die tschechische Fahrzeugindustrie erzielte 2024 einen historischen Höchstwert. Doch die Vorzeichen für eine Krise verstärken sich, immer mehr Zulieferer schließen ihre Werke.

    Tschechien bleibt ein Autoland. Neuzulassungen und Produktion stiegen 2024 deutlich. Die gestärkte Kaufkraft und sinkende Zinsen verbessern die Konsumlaune und sorgten bei den Neuwagenverkäufen für einen Zuwachs um 5 Prozent. Ob sich dieser Trend 2025 fortsetzt, bleibt abzuwarten. In den ersten beiden Monaten 2025 sank die Zahl der Neuzulassungen um vier Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Laut Experten besteht weiterhin eine aufgestaute Nachfrage aus den Vorjahren. PricewaterhouseCoopers (PwC) rechnet für 2025 mit einem Neuwagenabsatz von 225.000 bis 240.000 Pkw.

    Rekordproduktion trotz vieler Herausforderungen

    Überraschend war, dass auch die tschechischen Fahrzeughersteller ihre Produktion 2024 deutlich um 4 Prozent ausweiten konnten. Trotz der Herausforderungen auf wichtigen Absatzmärkten bedeuteten 1,45 Millionen Pkw einen historischen Rekord. Dieser dürfte aber so schnell kaum übertroffen werden. In den ersten beiden Monaten 2025 des Jahres lagen die Produktionszahlen um elf Prozent unter dem Vorjahreswert.

    Die erwarteten Zollerhöhungen der USA für EU-Autos treffen die Industrie nur mittelbar, denn auf dem weltgrößten Absatzmarkt werden bislang kaum tschechische Autos verkauft (Exportwert 2024: 2,4 Millionen Euro). Allerdings dürften viele Zulieferer unter den Zöllen leiden, die für deutsche Premiumhersteller wie Porsche oder Mercedes-Benz produzieren.

    Eine Atempause erhofft sich die tschechische Autoindustrie durch die zeitliche Streckung der EU-Vorgaben für die CO2-Flottenwerte. Laut Plänen der EU-Kommission können die strengeren Ziele nun in den kommenden drei Jahren erreicht werden, statt wie ursprünglich vorgesehen schon 2025.

    Gleichzeitig bereiten sich die Autohersteller darauf vor, mehr Elektroautos zu verkaufen. Bei Toyota in Kolín entfiel 2024 bereits die Hälfte der Produktion auf das Hybrid-Modell Yaris. Škoda Auto produziert seit Januar 2025 das neue vollelektrische Kompakt-SUV Elroq am Firmensitz Mladá Boleslav. Täglich sollen dort 600 Einheiten vom Band laufen. Dafür wurde die Produktion des Octavia teilweise in das Werk Kvasiny verlegt. Ab 2026 bringt Škoda mit dem Crossover-SUV Epiq ein drittes Elektromodell auf den Markt.

    Neues Elektroauto erreicht Preisparität mit Verbrennern

    Mit dem Elroq verbindet Škoda Auto große Hoffnungen, weil er in vielen Märkten in Preisparität zum Verbrennermodell Karoq angeboten wird. Das kostet laut dem Hersteller zwar Marge, sorgt aber dafür, dass ein Elektroauto nun preislich mit Benzinermodellen mithalten kann. Das könnte die Verkaufszahlen beflügeln. Seit der Präsentation im Oktober 2024 gingen bei Škoda bereits 20.000 Vorbestellungen für den Elroq ein. 

    Dennoch dürfte es für Tschechiens Autoindustrie schwer werden, 2025 die Rekorde des Vorjahres zu wiederholen. Die Hyundai-Fabrik in Nošovice hat seit Jahresbeginn die Produktion gedrosselt und die Bänder an mehreren Tagen angehalten. Außerdem wurden 100 Beschäftigte entlassen. Damit reagiert der Hersteller auf die sinkende Nachfrage.

    Zulieferer bauen Stellen ab

    Auch im Zulieferbereich berichten immer mehr Unternehmen über Stellenkürzungen oder gar Werksschließungen. Sie leiden vor allem unter der geringeren Nachfrage der deutschen Automobilindustrie. Der Autositzhersteller Adient will zwei Werke in Tschechien schließen und 1.100 Beschäftigte entlassen. In Prag stellt der Reifenhersteller Mitas nach über 90 Jahren seine Produktion ein. Die Fabrik ist nach Angaben der japanischen Muttergesellschaft ineffizient und technisch veraltet. Galvanoplast Bohemia aus Liberec musste Anfang 2025 Konkurs anmelden.

    Eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) von Oktober 2024 zeigte die Gefahren auf, die Tschechien durch den Technologiewandel in der Antriebstechnologie drohen. Demnach werde die Wirtschaftsleistung in den kommenden fünf Jahren um etwa 1,5 Prozent schrumpfen, weil die Nachfrage nach lokal produzierten Komponenten für Verbrennerautos abnimmt. Da Elektrofahrzeuge weniger mechanische Teile benötigen, wird die Nachfrage nach Komponenten aus Tschechien sinken. Außerdem könnten chinesische Hersteller den Marktanteil tschechischer Autobauer nach unten drücken, heißt es in dem Arbeitspapier. Der IMF empfiehlt Prag, Direktinvestitionen aus China für die Produktion von Elektroautos anzulocken. Außerdem sollte das Land mehr in Forschung und Entwicklung investieren und die Arbeitskräfte auf Zukunftsbranchen umschulen.

    Relativ wenig Gefahren drohen den tschechischen Fahrzeugherstellern durch die angedrohten Zollerhöhungen von Donald Trump. Die USA spielen als Absatzmarkt bislang kaum eine Rolle. Der Wert der Pkw-Ausfuhren betrug 2023 lediglich 4,2 Millionen Euro, von Januar bis Oktober 2024 nur 1,9 Millionen Euro. Die wichtigsten Absatzmärkte liegen in Europa, und die Zukunftsmärkte sind eher asiatische Länder wie Indien oder Vietnam.

    44 Prozent

    Marktanteil hatte der Volkswagen-Konzern 2024 in Tschechien.

    Deutsche Premiummarken verlieren Marktanteile

    An der Marke Škoda kommt in Tschechien niemand vorbei. Die einheimische VW-Tochter kam 2024 bei den Neuzulassungen auf einen Marktanteil von 34 Prozent. Das waren 1,3 Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor. Zusammen mit seinen sieben weiteren Pkw-Marken dominiert der Volkswagen-Konzern bislang das Neuwagengeschäft im Nachbarland. Allerdings verbuchten die Konzernmarken Seat und Volkswagen 2024 die größten Rückgänge bei den Verkaufszahlen. Auch Mercedes-Benz, BMW und Kia verloren Marktanteile aufgrund gesunkener Absätze. Überdurchschnittlich zugelegt haben dagegen Tesla, Volvo, Toyota, Dacia und MG.

    Die mit weitem Abstand beliebteste Fahrzeugklasse in Tschechien sind SUV. Sie kamen 2024 auf einen Marktanteil von 48 Prozent bei den Neuwagenverkäufen. Dahinter folgt die untere Mittelklasse, zu der der Škoda Oktavia gehört, mit 16 Prozent Marktanteil. Dabei ist zu berücksichtigen, dass drei Viertel der Neuwagen auf Firmen zugelassen werden.

    Dominierender Treibstoff bei neu zugelassenen Fahrzeugen war Benzin (66 Prozent) vor Diesel (25 Prozent) und reinen Batterieautos (5 Prozent).

    Zulassung von neuen Fahrzeugen in der Tschechischen RepublikStückzahl, Veränderungen in Prozent

    Kategorie

    2022

    2023

    2024

    Veränderung 2024/2023

    Pkw

    192.087

    221.422

    231.600

    4,6

    leichte Nutzfahrzeuge

    16.908

    22.780

    21.761

    -4,5
    Lkw

    8.988

    10.414

    9.172

    -11,9
    Busse

    1.215

    1.080

    1.331

    23,2
    Quelle: Verband der Autoimporteure (SDA) 2025

     

    Von Gerit Schulze | Prag

  • E-Mobility

    Tschechien erlebte 2024 einen unerwarteten Aufschwung beim Verkauf von Elektroautos. Doch der Trend könnte schon 2025 wieder vorbei sein, weil das Förderprogramm ausgelaufen ist.

    Noch 2023 gehörte Tschechien zu Europas Schlusslichtern beim Verkauf von Elektroautos. Ein Förderprogramm der Regierung sorgte 2024 für eine Trendumkehr. Der Absatz von batteriebetriebenen Fahrzeugen wuchs gegenüber dem Vorjahr um fast zwei Drittel auf knapp 11.000 Pkw. Bei leichten Nutzfahrzeugen stiegen die Neuzulassungen um 76 Prozent auf 622 Einheiten.

    Grund war ein Förderprogramm, das die Regierung im März 2024 startete. Mit EU-Mitteln aus dem Nationalen Wiederaufbauplan bekamen Unternehmen bei der Anschaffung eines Elektroautos bis zu 12.000 Euro Zuschuss. Außerdem wurde der Bau von Ladesäulen subventioniert. Der mit 80 Millionen Euro ausgestattete Projekttopf war schon Ende Oktober 2024 ausgeschöpft. Bis dahin wurden rund 5.900 Förderanträge für den Kauf eines elektrischen Firmenwagens gestellt. Das entspricht der Hälfte des Gesamtmarktes für 2024.

    Kaum Kaufanreize für Käufer von Elektroautos

    Die Regierung plant vorerst nicht, das Programm zu verlängern. Daher dürfte der Markt für Elektrofahrzeuge 2025 langsamer wachsen oder gar schrumpfen. Von Privatkunden sind angesichts fehlender Kaufanreize keine Impulse zu erwarten. Die wenigen Vorteile - wie die gebührenfreie Nutzung der Autobahnen oder kostenloses Parken im Stadtzentrum von Prag - stehen auf dem Prüfstand.

    Rückenwind für die Technologie gibt es jedoch auf der Anbieterseite. Škoda verkauft mit dem Kompakt-SUV Elroq seit diesem Jahr erstmals ein vollelektrisches Auto, das ähnlich viel kostet wie das Verbrennerpendant. Ab 2026 bringt der einheimische Hersteller mit dem Crossover-SUV Epiq ein noch günstigeres Batteriemodell auf den Markt, das rund 25.000 Euro kosten und eine Reichweite von 400 Kilometern haben soll.

    Der Standort Mladá Boleslav entwickelt sich für die Volkswagen-Gruppe immer mehr zu einem Schwerpunkt der Elektromobilität. Dort wurden 2024 rund 227.000 Traktionsbatterien für die Elektroautos des Konzerns hergestellt. Außerdem knapp 54.000 Batterien für Plug-in-Hybride.

    Nur ein Zehntel der Fahrzeugproduktion mit Batterieantrieb

    Trotz dieser guten Zahlen sank die Produktion von Elektroautos und Pkw mit Plug-in-Hybridantrieb in Tschechien 2024 um 16 Prozent. Die rund 150.000 Fahrzeuge bedeuteten einen Anteil von lediglich zehn Prozent an der Gesamtproduktion. Zwei Drittel davon produzierte Škoda Auto, ein Drittel Hyundai. 

    Auf dem Neuwagenmarkt bleibt der Anteil der Elektromobilität trotz der hohen Zuwachsraten 2024 niedrig. Die knapp 11.000 neu zugelassenen Pkw mit Batterieantrieb entsprachen einem Marktanteil von unter fünf Prozent, womit Tschechien zu den Schlusslichtern in Europa zählt. Der EU-Durchschnitt lag 2024 bei 14 Prozent.

    Zulassung von neuen Elektrofahrzeugen in der Tschechischen Republik *)

    Kategorie

    2021

    2022

    2023

    2024

    Pkw

    2.646

    3.892

    6.640

    10.933

    Anteil an den Gesamtzulassungen (in %)

    1,28

    2,03

    3,00

    4,72

    leichte Nutzfahrzeuge

    172

    134

    353

    622

    Anteil an den Gesamtzulassungen (in %)

    0,87

    0,79

    1,55

    2,86

    Lkw

    2

    4

    10

    27

    Anteil an den Gesamtzulassungen (in %)

    0,02

    0,04

    0,10

    0,29

    Busse

    2

    40

    6

    59

    Anteil an den Gesamtzulassungen (in %)

    0,20

    3,29

    0,56

    4,43

    * Reine Elektrofahrzeuge, ohne Hybridmodelle.Quelle: Verband der Autoimporteure (SDA) 2025

     

    Tesla dominiert den Neuwagenmarkt

    Deutsche Automarken spielten bislang beim Verkauf von Elektroautos in Tschechien nur in der zweiten Liga. Rund ein Drittel aller Batteriefahrzeuge entfiel 2024 auf Tesla. Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz lagen auf den Plätzen 4 bis 6. Starke Zuwächse verzeichnet der chinesische Hersteller MG. Für 2025 ist aufgrund der neuen Modelle davon auszugehen, dass Škoda in diesem Segment wieder Marktanteile gewinnt. Außerdem zeigen die Zulassungszahlen für die ersten beiden Monate 2025, dass Tesla auch in Tschechien massiv an Popularität verloren hat.

    Meistverkaufte Elektrofahrzeuge in Tschechien nach Hersteller *)
    Marke

    Neuzulassungen 2024

    Tesla

    3.716

    Škoda

    1.644

    Volvo

    971

    Volkswagen

    682

    BMW

    578

    Mercedes-Benz

    522

    Hyundai

    496

    MG

    428

    Kia

    275

    Toyota

    186

    * Reine Elektrofahrzeuge, ohne Hybridmodelle.Quelle: Verband der Autoimporteure (SDA) 2025

    Zu wenig ultraschnelle Ladepunkte

    Die starken Vorbehalte gegenüber der neuen Antriebstechnologie rühren in Tschechien auch daher, dass die Ladeinfrastruktur nicht flächendeckend vorhanden ist. Zwar gibt es in den Großstädten und entlang der wichtigen Autobahnen genügend Ladesäulen. Häufig haben diese aber nur eine Leistung von maximal 50 Kilowatt. Ultraschnelllader von 150 Kilowatt und mehr sind noch selten.

    Ende 2024 gab es laut tschechischem Industrieministerium 2.835 Ladestationen mit über 5.000 Ladepunkten. Auf sie kommen zurzeit rund 31.000 zugelassene Batterieautos und 21.000 Plug-in-Hybride. Weniger als 300 Standorte boten die Möglichkeit des Ultraschnellladens an.

    Für die Betreiber von Ladesäulen ist das Geschäft herausfordernd. Sie investieren zwar kräftig in den Ausbau des Netzes, doch die Nutzung bleibt unter den Erwartungen. Laut einem Bericht der Tageszeitung E15 erreichte der Prager Stromversorger PRE (gehört zu EnBW) in den ersten drei Quartalen 2024 nur eine Auslastung der installierten Leistung von drei Prozent, beim Wettbewerber ČEZ waren es zwei Prozent.

    ČEZ will die Zahl seiner Ladepunkte 2025 von derzeit rund 820 auf über 1.000 erhöhen. Der Schwerpunkt soll auf Ultraschnellladern liegen. Auch PRE will dieses Jahr die Ladeleistung bestehender Standorte erhöhen. Der Mineralölkonzern Orlen Unipetrol plant den Ausbau seiner Standorte von bislang 100 Ladestationen auf 1.800 im Jahr 2030. E.on kündigte für 2025 eine erste Ladestation für Elektrotrucks an. Zurzeit sind in Tschechien weniger als 30 Batterie-Lkw mit einer Gesamtmasse von mehr als zwölf Tonnen registriert.

    Brennstoffzelle spielt keine Rolle

    Noch langsamer als Batterieautos setzen sich in Tschechien Wasserstoffautos durch. Laut Zulassungsregister waren Ende September 2024 im Land nur 28 Pkw mit Brennstoffzelle registriert. Das Ziel der Regierung von 200 Fahrzeugen bis 2025 dürfte damit kaum zu erreichen sein. Immerhin gibt es bereits sechs Wasserstofftankstellen im Großraum Prag, im nordböhmischen Litvínov und in Ostrava. Bis 2030 sollen es 40 sein. Die Preise für den Treibstoff sind dort aber noch sehr hoch. Mit Hilfe von EU-Fördermitteln versucht Prag, den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft zu beschleunigen.

    Von Gerit Schulze | Prag

  • Branchenstruktur

    Neben drei großen Autobauern sind rund 900 Zulieferer in Tschechien tätig. Sie sind eng mit dem EU-Markt verbunden und haben derzeit nur wenig Spielraum für neue Investitionen.

    Die Fahrzeugindustrie ist Tschechiens wichtigste Wirtschaftsbranche. Laut Automobilverband AutoSAP entfallen 9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und ein Viertel aller Exporte auf den Automobilsektor. Mit Škoda Auto (Volkswagen), Hyundai und Toyota produzieren drei Weltkonzerne Pkw in Tschechien. Außerdem haben sich wichtige Original Equipment Manufacturers (OEM) wie Bosch, Continental oder Brose sowie leistungsfähige Zulieferer angesiedelt. Darüber hinaus gibt es namhafte Produzenten von Lkw, Bussen und Motorrädern.

    Erstmals seit vier Jahren ist der Produktionsindex der Branche (NACE-Code 29) 2024 kalenderbereinigt gesunken. Das Statistikamt ermittelte bis November 2024 einen Rückgang um 1,5 Prozent. Auch der Wert der Neuaufträge legte mit knapp 6 Prozent so langsam zu wie seit 2020 nicht mehr. Auf dem Heimatmarkt wächst das Ordervolumen nur halb so stark wie bei ausländischen Kunden.

    Europa ist der wichtigste Absatzmarkt

    Ungeachtet der schwachen Marktentwicklung in Europa erreichte Tschechiens Autoproduktion 2024 den Rekordwert von 1,45 Millionen Pkw. Das erstaunte, da die EU der wichtigste Absatzmarkt ist und dort die Neuzulassungen kaum gewachsen sind.

     

    Über 70 Prozent der Pkw-Exporte gingen 2023 in die EU. Weitere 15 Prozent verkauften die drei Hersteller im Vereinigten Königreich, in der Schweiz und in Norwegen. Märkte in Übersee spielen bislang nur eine Nebenrolle. Insofern kann Tschechien relativ entspannt auf die Entwicklungen in China und den USA blicken. Allerdings sind die Zuwachsraten in Asien (von einem niedrigen Niveau ausgehend) besonders hoch. Der Absatz in Vietnam zum Beispiel hatte sich 2023 gegenüber dem Vorjahr verzwanzigfacht (auf 6 Millionen Euro). In Indien stieg der Wert der tschechischen Pkw-Verkäufe um fast 850 Prozent. 

    Auch Škoda muss Stellen abbauen

    Škoda Auto ist der führende Fahrzeughersteller im Land. Nach Angaben von AutoSAP produzierte die Volkswagen-Tochter 2024 in Tschechien knapp 900.000 Fahrzeuge. Neben Pkw liefen am Stammsitz Mladá Boleslav auch 500.000 Motoren sowie 355.000 manuelle Getriebe vom Band. Außerdem werden dort Batterien für Elektrofahrzeuge des Konzerns montiert. Am Standort Vrchlaby produzierte Škoda Auto über 700.000 Automatikgetriebe. Das gute Jahr 2024 täuscht nicht darüber hinweg, dass auch der größte Autohersteller im Land Überkapazitäten hat. Bis 2028 sollen dort laut Medienberichten 1.200 Stellen abgebaut werden.

    Nach zwei Jahren Wachstum in Folge ging die Produktion bei Hyundai in Nošovice leicht zurück. Das Werk hatte früh den Technologiewandel zu Batterieautos und Plug-in-Hybriden in Angriff genommen. Bis 2030 soll sich der Anteil der dort produzierten Elektroautos auf 70 Prozent erhöhen. Doch die schwache Nachfrage in Europa sorgte 2024 für negative Zahlen.

    Bei Toyota im Werk Kolín stiegen die Produktionszahlen auf den höchsten Stand seit der Coronapandemie. Die Lieferprobleme bei Subunternehmen scheinen vorerst überwunden zu sein.

    Pkw-Produktion in der Tschechischen Republik Stückzahl; Veränderung in Prozent
    Pkw-Hersteller

    2021

    2022

    2023

    2024

    Veränderung 2024/2023

    Škoda Auto

    680.287

    693.032

    864.889

    896.933

    3,7

    Hyundai Motor Manufacturing Czech

    275.000

    322.500

    340.500

    330.890

    -2,8

    Toyota Motor Manufacturing Czech Republic

    149.936

    202.255

    192.427

    225.058

    17,0

    Summe

    1.105.223

    1.217.787

    1.397.816

    1.452.881

    3,9

    Quelle: AutoSAP 2025

    Tatra steigert Lkw-Produktion

    Weiter in der Erfolgsspur fährt der letzte verbliebene Lastwagenhersteller Tschechiens, Tatra Trucks. Das Unternehmen steigerte seine Produktion 2024 um 90 Fahrzeuge auf 1.522 Lkw und profitierte vor allem von der gestiegenen Inlandsnachfrage. Die Exporte dagegen sanken um mehr als ein Fünftel auf unter 1.000 Einheiten. Tatra-Geschäftsführer Kristijan Fiket kündigte Ende 2024 an, die Produktion perspektivisch verdoppeln zu wollen. Die Fabrik profitiere von steigender Nachfrage nach Spezialfahrzeugen für Armee und Feuerwehr, die eine höhere Marge versprechen. Tatra Trucks gehört mehrheitlich zum tschechischen Rüstungskonzern CSG. Das Unternehmen investierte 2024 rund 30 Millionen Euro, um die Produktionskapazitäten zu erhöhen. Es entwickelt außerdem alternative Antriebe, zum Beispiel mit Brennstoffzelle, sowie Fahrzeuge für ferngesteuertes oder autonomes Fahren.

    Einbruch bei Bus-Exporten

    Die tschechische Produktion von Bussen ist 2024 auf ein Achtjahrestief auf unter 4.500 Einheiten gesunken. Dazu trug der sinkende Export bei. Bei Iveco im ostböhmischen Vysoké Mýto ging die Produktion um über 700 Busse zurück. Bei SOR aus Libchavy sank der Ausstoß um 15 Prozent auf 416 Busse.

    Branche stützt sich auf 900 Zulieferer

    Die tschechische Kfz-Zulieferindustrie produziert jährlich Teile und Komponenten im Wert von rund 25 Milliarden Euro (Angaben für 2023, NACE-Gruppen 29.31 und 29.32). Hinzu kommen laut Statistikamt Karosserien und Aufbauten für über 400 Millionen Euro. Nach Angaben des Ministeriums für Industrie und Handel liefern rund 900 Unternehmen der Automobilindustrie zu.

    Der Großteil der Umsätze in der tschechischen Kfz-Industrie entsteht in Unternehmen unter ausländischer Kontrolle. Dutzende der weltweit wichtigsten TIER-1-Unternehmen und Hunderte von Zulieferfirmen fertigen im Land. Die umsatzstärksten sind Continental, Bosch, Mobis und Faurecia. Aktuell zeichnet sich eine Abkühlung in Tschechiens Vorzeigebranche ab. Der Chef des Branchenverbands AutoSAP, Zdeněk Petzl, erklärte, dass die drei großen deutschen Automobilkonzerne derzeit nur schwach ausgelastet sind und sich das direkt auf die tschechischen Zulieferer auswirke. Erste Werke wurden geschlossen, viele Fabriken wollen Personal entlassen.

    Hoher Bedarf an Komponenten 

    Das Rekordjahr 2024 bei der Fahrzeugproduktion führte auch zu wachsendem Bedarf an Kfz-Teilen. Im Zeitraum Januar bis September 2024 legten die Importe laut Eurostat gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 5 Prozent auf 13,9 Milliarden Euro zu. Deutschland blieb mit einem Anteil von 35 Prozent des Lieferwertes das mit Abstand wichtigste Herkunftsland, verlor aber Marktanteile. Dahinter folgten Polen, die Slowakei und Südkorea.

    Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile in die Tschechische Republikin Millionen Euro; Veränderung in Prozent
     

    2023

    1. bis 3. Quartal 2024

    Veränderung 1. bis 3. Quartal 2024 / 1. bis 3. Quartal 2023

    aus Deutschland (1. bis 3. Quartal 2024)

    SITC 778.3 Kfz-Elektrik

    1.430

    1.090

    1,5

    176

    SITC 784 Karosserien, Stoßstangen etc.

    12.096

    9.300

    3,5

    3.291

    SITC 773.13 Zündkabelsätze

    1.902

    1.545

    9,4

    321

    SITC 713.2 Motoren

    2.418

    1.951

    9,6

    1.016

    Summe

    17.846

    13.886

    4,8

    4.804

    Quelle: Eurostat 2025

    Nur wenig Neuinvestitionen

    Anders als in der Vergangenheit gibt es kaum Direktinvestitionen in neue Zulieferbetriebe. Die Unternehmen optimieren allerdings ihre Produktionsanlagen und versuchen vor allem, die Energiekosten zu senken.

    Ausgewählte Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie in der Tschechischen RepublikInvestitionssumme in Millionen Euro
    Unternehmen

    Investitionssumme *)

    ProjektstandAnmerkungen
    BMW Group

    135

    Projektierungsphase; Fertigstellung der Halle für 2026 geplantLogistikzentrum für Kfz-Produktionskomponenten und Eisenbahnterminal im Gewerbegebiet Ostrava-Mošnov
    CTi Cable

    4,8

    Vorbereitungsphase; Vorhaben wurde Anfang 2025 bekannt gegeben Neues Werk zur Teile-Produktion für Kfz-Industrie, autonome Fahrzeuge, künstliche Intelligenz, Flugzeugbau, Industrieautomatisierung und Medizintechnik in Klecany
    Tatra Trucks

    mehrere Millionen Euro

    geplante Investitionssumme für 2025Investitionen in Gebäude und Technologien, um steigende Nachfrage nach Feuerwehr- und Militärfahrzeugen zu bedienen
    Universität VŠB-TUO

    4

    Bau im Januar 2025 begonnen; Fertigstellung für Sommer 2026 geplant; Förderung aus dem Programm für gerechten ÜbergangForschungs- und Testzentrum für autonome Fahrzeuge und mobile Roboter, für Elektromobilität, künstliche Intelligenz und Automatisierung auf dem Campus der Universität Ostrava
    Hyundai

    mehrere Millionen Euro

    Frühphase; Baubeginn für Ende 2026 geplantUmbau des Werkes Nošovice, um auf Produktion von Elektroautos zu wechseln
    *) Umrechnung anhand des Wechselkurses 1 Euro = 25,12 Tschechische Kronen (Tschechische Nationalbank, 30.1.2025).Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen 2024 bis 2025

    Von Gerit Schulze | Prag

  • Rahmenbedingungen

    Als Mitglieder der Europäischen Union gelten für Deutschland und die Tschechische Republik auf dem Binnenmarkt die gleichen Rahmenbedingungen.

    Das Verkehrsministerium hat fünf Institutionen als offizielle Prüfstellen für Fahrzeuge und Kfz-Teile beauftragt: Die tschechischen Niederlassungen von Dekra und TÜV Süd, IGTT, Státní zkušebna strojů und Elektrotechnický zkušební ústav.

    Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der EU sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa Deutsches Institut für Normung e. V.).

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Gerit Schulze | Prag

  • Kontaktadressen

     

    Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Tschechische Republik

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministerium für Industrie und Handel

    Zuständig für die Automobilindustrie
    VerkehrsministeriumRegelt Verkehrsgesetze und technische Anforderungen
    CzechInvestFörderstelle für Investitionen
    Verband der Automobilindustrie (AutoSAP)Vertritt 131 Unternehmen und Institutionen
    Verband der Automobilimporteure (SDA)Vereinigung mit 42 Mitgliedern
    Verband des tschechischen Kraftfahrzeuggewerbes Vertritt Werkstätten und Händler
    AutomakersFachzeitschrift und -portal
    AutoservisFachzeitschrift für Werkstätten
    MotosalonFachmesse in Brno für Motorräder, Geländefahrzeuge, Zubehör und Bekleidung, nächster Termin 2026
    E-SalonFachmesse in Prag für saubere Mobilität, Technologien und Lösungen für Elektromobilität; 13. bis 16. November 2025
    For CaravanFachmesse in Prag für Wohnmobile und Caravans; März 2026
    Lieferantendatenbank AutomobilindustrieDienstleistung von CzechInvest auch in englischer Version

     

     

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