Wirtschaftsumfeld | Thailand | Außenhandel
Thailand erzielt Rekorde bei Im- und Exporten
Deutschlands Lieferanteil erreicht 2024 einen Tiefstand, der von China hingegen ein Allzeithoch.
03.04.2025
Von Frank Malerius | Bangkok
Der thailändische Außenhandel ist deutlich gewachsen. Das Land importierte nach Angaben des Handelsministeriums 2024 Waren im Wert von 307 Milliarden US-Dollar (US$). Mit einem Zuwachs von 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr wurde ein neuer Rekordwert erzielt. Die Einfuhren des Königreiches haben sich seit der Jahrtausendwende sogar verfünffacht.
Auch exportseitig steht mit 301 Milliarden US$ ein neuer Spitzenwert zu Buche. Die Zunahmen bei den Ausfuhren reichen allerdings nicht aus, um die Handelsbilanz auszugleichen. Thailand erwirtschaftete im 3. Jahr in Folge ein Handelsbilanzdefizit.
Laut thailändischer Importstatistik sind die Warenlieferungen aus Deutschland 2024 um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr geschrumpft. Dadurch ist der deutsche Anteil an den Gesamtimporten auf einen neuen Tiefststand von 1,8 Prozent gefallen. Zu Beginn des Jahrtausends war dieser noch doppelt so hoch gewesen. Die deutsche Exportstatistik hat für 2024 einen Rückgang der Warenlieferungen nach Thailand um 5,2 Prozent vermeldet.
Ein Grund für den sinkenden Importanteil Deutschlands ist die Übermacht Chinas. Deutsche Produzenten und Händler von Maschinen in Thailand berichten, dass ihre Produkte es immer schwieriger gegen die chinesische Konkurrenz haben. Deutschen Maschinen blieben zunehmend nur noch Hochtechnologie und Marktnischen. Die deutschen Maschinenlieferungen nach Thailand betrugen 2024 nur noch ein Achtel der chinesischen Lieferungen.
China dominanter Lieferant
China ist - wie in allen anderen Ländern in der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN - auch in Thailand mit Abstand wichtigster Warenlieferant. Im Jahr 2024 führte Thailand aus der Volksrepublik Produkte im Wert von 80 Milliarden US$ ein. Das entspricht einer Steigerung von 13 Prozent gegenüber 2023 und einem Importanteil von 26 Prozent.
Aus China kamen 75 Prozent aller Haushaltsgeräte, 51 Prozent aller elektronischen Apparate, 37 Prozent der Maschinen und 34 Prozent der chemischen Erzeugnisse. Bei allen wichtigen Industriegütern liegt China weit vor der internationalen Konkurrenz. Bei den Kfz-Importen hat das Land bereits 2023 Japan übertroffen, das davor über viele Jahrzehnte der dominierende Lieferant von Kfz in Thailand gewesen war.
Die Lieferungen aus China müssen allerdings im Rahmen der Globalisierung gesehen werden. Denn sie beinhalten auch den unbekannten Anteil von Produkten, die ausländische Firmen in China produzieren und von dort nach Thailand liefern. Insbesondere deutsche Unternehmen produzieren oder montieren in der Volksrepublik.
Elektronikbranche benötigt mehr Vorprodukte
Wichtigste thailändische Importwaren sind Elektronikgüter. Zusammengefasst mit elektrischen Apparaten machen elektrische Maschinen und Geräte der Zolltarifnummer 85 mehr als 20 Prozent der Gesamteinfuhren aus.
Elektrotechnik und Elektronik werden in zahlreichen Industrien benötigt oder fließen als Vorprodukte in die exportstarke heimische Elektronikindustrie. Die Herstellung von Leiterplatten befindet sich beispielsweise im Aufschwung und Thailand importierte 2024 integrierte Schaltkreise für 24 Milliarden US$. Auch die Einfuhren von Computern und -teilen waren mit 15 Milliarden US$ beachtlich.
Die Importe von Elektrotechnik und Elektronik dürften auch in den kommenden Jahren stark nachgefragt werden, denn die thailändische Elektroindustrie boomt. Das Analysehaus Krungsri Research prognostiziert für die beiden Hauptausführgüter, integrierte Schaltkreise und Computerfestplatten, von 2025 bis 2027 Zuwächse der Exporte von 6,0 bis 9,5 Prozent pro Jahr.
Importe von Brennstoffen drücken auf die Leistungsbilanz
Zweitwichtigster Importposten sind mineralische Brennstoffe. Die Importnachfrage nach Brennstoffen legt zu, weil der Energiebedarf in Thailand insgesamt steigt und gleichzeitig die eigene Öl- und Gasförderung im Golf von Thailand sinkt.
Der Selbstversorgungsgrad mit Primärenergie fiel in den vergangenen zehn Jahren von 61 auf 45 Prozent. Laut dem Planungsbüro Energy Policy and Planing Office (EPPO) verdoppelte sich der Anteil der Energieimporte an den Gesamteinfuhren seit 1999 von 10 auf 20 Prozent. Die steigenden Energieimporte belasten die Leistungsbilanz des Schwellenlandes zunehmend.
Im Jahr 2024 kauften thailändische Raffinerien Rohöl im Wert von 33 Milliarden US$ im Ausland ein. Es kommt vor allem aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien und dient als Feedstock des wichtigen Petrochemie-Clusters, das südlich von Bangkok in Map Ta Phut liegt. Darüber hinaus wurde für fast 10 Milliarden US$ Erdgas importiert, das überwiegend aus Myanmar, Katar und Australien stammt und vor allem für die Stromerzeugung genutzt wird.
Krise in der Automobilbranche
Die Importe von Kfz und Kfz-Teilen brachen 2024 um ein Viertel gegenüber dem Vorjahr ein. Ein Grund dafür ist das außergewöhnlich hohe Niveau der Einfuhren im Post-Corona-Jahr 2023. Die Brancheneinfuhren bewegten sich 2024 aber immerhin auf dem Niveau der Jahre 2019 bis 2022.
Wichtigste Importprodukte waren 2024 Kfz-Teile. Komplette Pkw machen aufgrund von hohen Importabgaben nicht einmal 10 Prozent der thailändischen Kfz-Einfuhren aus. Ein Drittel der Lieferungen an Kfz und Kfz-Teilen kam 2024 aus China, ein Viertel aus Japan. Deutschland rangierte mit einem Importanteil von knapp 5 Prozent hinter den USA auf Rang vier.
Die thailändische Automobilindustrie durchlief ein verheerendes Jahr 2024. Die Verkäufe von Pkw brachen um fast ein Viertel ein, auf den niedrigsten Wert seit 2007. Eine Ursache dafür ist die exorbitant hohe Verschuldung der privaten Haushalte. Daher vergeben Banken kaum noch Kredite für Anschaffungen von Autos.
Gleichzeitig ging der Export, der für zwei Drittel der thailändischen Automobilproduktion steht, um fast 10 Prozent zurück. Die Kfz-Branche ist nach dem Krisenjahr immerhin vorsichtig optimistisch für 2025 gestimmt.