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Branchen | Tschechische Republik | Wasserstoff

Tschechien fördert Bau von grünen Elektrolyseuren

Tschechien macht Ernst mit der Produktion von grünem Wasserstoff. Ein neues Förderprogramm soll den Bau von Elektrolyseuren auf Basis erneuerbarer Energiequellen beschleunigen.

Von Gerit Schulze | Prag

Das tschechische Umweltministerium zapft den Modernisierungsfonds der EU an, um den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Gang zu bringen. Rund 120 Millionen Euro Fördervolumen stehen in einer ersten Ausschreibungsrunde für den Bau von Elektrolyseuren bereit. Das Geld stammt aus dem Greengas-Programm des Modernisierungsfonds. Anträge können seit dem 20. Januar 2025 eingereicht werden. Die Anlagen müssen mit erneuerbaren Energiequellen betrieben werden.

Was wird gefördert?

  • Neue Elektrolyseure zur Produktion von grünem Wasserstoff
  • Speicherung elektrischer Energie in Form von Wasserstoff

Wer kann einen Förderantrag einreichen?

  • Juristische Personen
  • Einzelunternehmer
  • Gemeinden, Gebietskörperschaften
  • Energiegenossenschaften 
  • Religionsgemeinschaften

Wie hoch ist die Förderquote?

  • Bis zu 65 Prozent für Aufbau der H2-Produktion; bis zu 55 Prozent für Speichertechnologie

Wann endet die Antragsfrist?

  • 30. Juni 2025

Branche hofft auf weitere Unterstützung

Lobbyverbände wie die tschechische Wasserstoffplattform HYTEP begrüßen den Förderaufruf und hoffen, dass er den Auftakt für eine umfassendere Unterstützung der Technologie bildet. Bisher habe der Staat zu wenig getan, um die Wasserstoffinfrastruktur in Tschechien zu entwickeln, sagte Geschäftsführerin Veronika Vohlídková der Wirtschaftszeitung Hospodářské noviny.

Aufgrund der geografischen und klimatischen Bedingungen kostet die Produktion von grünem Wasserstoff in Tschechien doppelt so viel wie beispielsweise in Spanien, teilte die HYTEP mit. Insofern sei die Herstellung ohne Subventionen bislang kaum rentabel, trage aber zur Energiesicherheit des Landes bei.

Diese Erkenntnis ist auch bei der tschechischen Regierung angekommen. Zum Start des Förderprogramms erklärte Umweltminister Petr Hladík: "Wir sind uns bewusst, dass Technologien zur Herstellung von grünem Wasserstoff wie jede Innovation teuer sind." Das Programm zeige aber, dass der Staat an ihrer Entwicklung interessiert sei. Grüner Wasserstoff helfe dabei, "unsere Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu stärken“, so der Umweltminister.

Drei Regionen stehen im Fokus

Das Ministerium für Industrie und Handel (MPO) hatte im Sommer 2024 Tschechiens Wasserstoffstrategie aktualisiert. Bis 2030 sollen jährlich rund 20.000 Tonnen grüner Wasserstoff im Land produziert werden. Die Regierung will den Brennstoff künftig vor allem im Verkehr einsetzen, als chemischen Grundstoff zur klimaneutralen Herstellung von Kraftstoffen und Kunststoffen sowie zur Speicherung von überschüssiger Energie aus erneuerbaren Quellen oder Kernkraft.

Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft soll in drei Etappen erfolgen. Dabei konzentriert sich die erste Phase auf die ehemaligen Kohleregionen Karlovy Vary, Ústí nad Labem und Mährisch-Schlesien.

Diese drei Regionen stecken mitten im Strukturwandel und sollen nun auch im Fokus des aktuellen Förderprogramms stehen. Ein Drittel der Projektmittel für den Greengas-Aufruf - also rund 40 Millionen Euro - ist für sie vorgesehen.

Deutsche Zulieferer bereits gut im Geschäft

Für deutsche Unternehmen ergeben sich durch das Förderprogramm neue Lieferchancen im Nachbarland. Das zeigt der bislang einzige tschechische Elektrolyseur auf regenerativer Energiebasis in Napajedla bei Zlín. Dort kommt unter anderem Technologie der Thüringer Kyros Hydrogen Solutions zum Einsatz: ein Elektrolysesystem auf Basis einer Protonenaustauschmembran. Der bayerische Maschinenbauer Riedel Kooling lieferte die Prozesskühlung.

Investor in Napajedla war das lokale Unternehmen Solar Global. Der Elektrolyseur hat eine Leistung von 230 Kilowatt und produziert pro Jahr etwa acht Tonnen Wasserstoff. Damit könnte ein Gelenkbus mit Brennstoffzelle im Stadtverkehr etwa 80.000 Kilometer fahren. Solar Global plant neben der Anlage noch den Bau einer Wasserstofftankstelle.

Prager Gasversorger will Wasserstoff produzieren

Ein weiteres Projekt setzt der Prager Gasversorger Pražská plynárenská um. Er will im Stadtgebiet drei öffentliche Wasserstofftankstellen bauen und dort selbst produzierten grünen Wasserstoff anbieten. Die erste Station entsteht derzeit auf dem Firmengelände im Stadtteil Michle. Die anderen beiden in großen Logistikzentren der Stadt. Mit dem Treibstoff könnten auch Busse und Lkw betankt werden.

Am Standort Michle will Pražská plynárenská den Wasserstoff mit Hilfe einer Fotovoltaikanlage auf den Dächern des Gasversorgers selbst produzieren. Inklusive Elektrolyseur, Tankstelle und H2-Speicher kostet dieses Vorhaben rund 2,5 Millionen Euro. Davon fließen mehr als zwei Drittel aus EU-Fonds über das Operationelle Programm Verkehr.

Für die Umsetzung des Projekts mit Fotovoltaikanlage, Elektrolyseur und Speicherung haben sich die tschechischen Unternehmen Hutní Projekt aus Frýdek-Místek und Gascontrol aus Havířov beworben. Bis Herbst 2025 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Eine gute Gelegenheit, mit der tschechischen Wasserstoffwirtschaft in Kontakt zu treten, sind die "Hydrogen Days" in Prag. Die international ausgerichtete Konferenz findet vom 19. bis 21. März 2025 statt.

Was ist Greengas?

Greengas ist eines von acht Unterprogrammen des tschechischen Modernisierungsfonds. Mit seiner Hilfe sollen die Produktion und Markteinführung von erneuerbaren gasförmigen und flüssigen Brennstoffen unterstützt werden. Dazu gehören in erster Linie Wasserstoff und Biomethan. Förderfähig ist der Aufbau der Infrastruktur für Transport, Verteilung und Speicherung dieser Brennstoffe.

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