Wirtschaftsumfeld | Singapur, Malaysia | Sonderwirtschaftszone Johor
Geplante Wirtschaftszone eröffnet neue Perspektiven in ASEAN
Das singapurisch-malaysische Gemeinschaftsprojekt soll Standortvorteile beider Länder verbinden. Auch deutsche Firmen können davon profitieren. Einige Hürden bestehen aber noch.
26.02.2025
Von Alexander Hirschle | Singapur
Anfang 2025 unterzeichneten Singapur und Malaysia eine Vereinbarung über die Gründung einer gemeinsamen Sonderwirtschaftszone in Johor. Regierungsvertreter sprachen von einem Meilenstein und einer "einzigartigen Initiative" im Rahmen der bilateralen Beziehungen. Die Johor-Singapore Special Economic Zone (JS-SEZ) soll die Wettbewerbsfähigkeit beider Länder steigern und deren wirtschaftliche Integration verbessern.
Die Wirtschaftszone soll zusätzliche Wertschöpfung in Höhe von 26 Milliarden US-Dollar (US$) pro Jahr schaffen. Darüber hinaus sollen rund 100.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Johor liegt im Süden Malaysias an der Grenze zu Singapur. Die Wirtschaftszone erstreckt sich über eine Fläche von 3.500 Quadratkilometern. Das ist mehr als viermal so groß wie der Stadtstaat Singapur selbst. Und es entspricht etwa dem Zweifachen der Sonderwirtschaftszone in Shenzhen, China.
Für viele Unternehmen gilt die ASEAN-Region als eine attraktive Alternative zu China. Die neue Sonderwirtschaftszone dürfte nun ein weiteres Argument für die Neuansiedlung oder Verlagerung von Produktionsstätten in die Region liefern – sollte das Projekt wie geplant realisiert werden.
Schnell sein kann sich lohnen
"Die neue Wirtschaftszone kann hochinteressant sein für deutsche Firmen", sagt Shirley Qi, Präsidentin der Deutsch-Singapurischen Industrie- und Handelskammer (AHK). Wenn sie die Zone nutzten, könnten die Unternehmen von der verbesserten Anbindung und der Nähe zu Singapur profitieren. Doch die Firmen müssen sich sputen. Malaysische Behörden berichten von zahlreichen chinesischen Firmen, die sich in Südmalaysia niederlassen wollen, besonders aus den Bereichen Halbleitermaterialien, Spezialchemikalien und Elektronik. Auch zahlreiche lokale Firmen stehen dem Industrieverband Singapore Business Federation zufolge in den Startlöchern.
Interessierte Firmen können sich an die Malaysian Investment Development Authority (MIDA) wenden. Sie unterhält auch in Deutschland ein Büro in Frankfurt am Main.
Zusätzlich erteilt die regionale Investitionsbehörde Invest Johor Auskünfte.
Win-win-Situation für Singapur und Malaysia
Die JS-SEZ soll die Stärken beider Standorte bündeln und ihre Schwächen ausgleichen. Singapurische Firmen, die unter chronischem Mangel an Land und hohen Lohnkosten leiden, erhalten günstigeren Zugang zu Fläche und Arbeitskräften. Dafür bringen sie technologisches Know-how ein. Malaysia dürfte somit eine Verbesserung im Bereich Forschung und Entwicklung und beim Ausbildungsniveau der Beschäftigten erfahren. Zudem könnte es Expertise in bisher weniger ausgereiften Branchen entwickeln.
Für die Sonderwirtschaftszone sind elf Schwerpunktsektoren ausgewiesen. Diese sind in großen Teilen kompatibel mit der Angebotspalette deutscher Produkte und Technologien. Dazu gehören verarbeitendes Gewerbe, Logistik, Nahrungsmittelsicherheit, Energie, Finanzdienstleistungen und Gesundheit. Weitere Schwerpunkte sind Luftfahrt, elektrische Komponenten und Halbleiter, Chemie und Petrochemie sowie Pharmazie. Diese Branchen bieten auch für deutsche Unternehmen ein großes Potenzial für Investitionen oder Produktionsverlagerungen aus anderen Ländern.
Der erwartete Boom in der JS-SEZ könnte auch den nachgelagerten Wirtschaftszweigen einen Auftrieb geben, etwa der Lagerei. Nach Einschätzung von Firmenvertretern liegen die Lagerkosten um 50 Prozent unter denen in Singapur. Auch die Bauwirtschaft könnte durch die geplante Modernisierung der Infrastruktur und den Bedarf an neuen Immobilien angekurbelt werden. Die Immobilienpreise ziehen schon jetzt deutlich an. Auch der Boom von Datenzentren dürfte sich fortsetzen und intensivieren. In den vergangenen Jahren setzten internationale Firmen in Johor rund 50 Projekte im Wert von circa 10 Milliarden US$ um. Außerdem wird voraussichtlich die Nachfrage nach Nahrungsmitteln und Alltagsdienstleistungen wie zum Beispiel Restaurants anziehen.
Malaysia verabschiedet Förderpaket
Die Regierung des Bundesstaats Johor hat gemeinsam mit dem malaysischen Finanzministerium Anfang 2025 ein Förderpaket für die Sonderwirtschaftszone lanciert. Die Maßnahmen umfassen unter anderem eine reduzierte Unternehmenssteuer in Höhe von 5 Prozent für bis zu 15 Jahre. Diese kann Firmen gewährt werden, die in "fortschrittlichen" Sektoren wie künstlicher Intelligenz, Quantencomputing, Medizintechnik oder Luftfahrt tätig sind. Beschäftigte in Johor können außerdem bis zu 10 Jahre von einer Vorzugsversteuerung profitieren.
Ausbau der Infrastruktur entscheidend für Erfolg der Wirtschaftszone
Doch noch sind Hürden zu überwinden. Schon heute platzen die Grenzübergänge zwischen Singapur und Malaysia in den Stoßzeiten aus allen Nähten. Circa 300.000 Menschen pendeln Tag für Tag über die Grenze. Das Abfertigungsprozedere soll künftig weiter digitalisiert und die Kapazitäten erhöht werden.
Kritiker weisen darauf hin, dass in der Vergangenheit bereits mehrere vielversprechende binationale Initiativen an Interessenkonflikten der beiden Nationen gescheitert sind. Auch der Bau einer Schnellzugverbindung zwischen Kuala Lumpur und Singapur wird schon länger diskutiert, ohne dass es einen konkreten Zeitplan gibt. Die Kosten hierfür werden auf rund 20 Milliarden US$ geschätzt.
Der Erfolg der JS-SEZ wird diesen Stimmen zufolge daher davon abhängen, ob die Zeitpläne für geplante Infrastrukturprojekte eingehalten werden und ob der Güterverkehr zwischen Singapur und Malaysia tatsächlich einfacher wird. Die für 2026 geplante Fertigstellung des Rapid Transit System Links, einer Stadtbahnstrecke zwischen Woodlands, Singapur, und Johor Bahru, Malaysia, dürfte hierfür ein Lackmustest werden. Sollte dieser Meilenstein erreicht werden, stehen die Zeichen gut, dass sich das Projekt der gemeinsamen Sonderwirtschaftszone erfolgreich entwickeln wird.
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