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Branche kompakt | Mexiko | Kfz-Industrie

Ungewisse Zeiten für Mexikos Kfz-Sektor

Nach einem starken Jahr blickt Mexikos Automobilindustrie mit großer Ungewissheit in die Zukunft. Auslöser sind die neuen Einfuhrzölle im wichtigsten Absatzmarkt, den USA.

Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt

Ausblick der Kfz-Branche in Mexiko

Bewertung:

  • US-Zölle könnten die mexikanische Automobilbranche empfindlich treffen.
  • Vor allem Hersteller, die die Regeln des USMCA-Vertrages nicht erfüllen, sind durch die aktuellen Zölle benachteiligt. Die Situation kann sich jedoch schnell ändern.
  • Einige OEM werden versuchen, den lokalen Wertschöpfungsanteil ihrer Fahrzeuge zu erhöhen, um den US-Zöllen zu entgehen.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: April 2025

  • Markttrends

    Der Pkw-Absatz in Mexiko stieg 2024 um knapp 10 Prozent. Wegen der von den USA ausgehenden politischen Unsicherheit wird 2025 eine schwächere Entwicklung erwartet.

    Die Pkw-Verkäufe in Mexiko verzeichneten 2024 ihr drittbestes Jahr überhaupt nach den bisherigen Rekordjahren 2016 und 2017. Mit rund 1,5 Millionen verkauften Fahrzeugen war der Absatz knapp 10 Prozent höher als im Jahr 2023.

    Damit wurden die Erwartungen des Händlerverbandes Asociación de Distribuidores de Automotores (AMDA) jedoch nicht ganz erfüllt, der eine noch bessere Entwicklung erhofft hatte. Vor allem zum Jahresende hin schwächte sich die Nachfrage aufgrund der politischen Unsicherheit ab. Für 2025 rechnet die Unternehmensberatung Deloitte aus demselben Grund nur mit einem Absatzplus von 1,9 Prozent bei Pkw.

    1,9 %

    sollen die Verkäufe von Pkw 2025 zulegen.

    SUV mit größtem Marktanteil

    Sport Utility Vehicles (SUV) machen inzwischen den größten Anteil unter den Fahrzeugklassen aus. Im Jahr 2024 entfielen 40,2 Prozent der verkauften Fahrzeuge in diese Kategorie. Zu den beliebtesten Modellen zählen der Mazda CX-30, der Nissan Kicks und der Volkswagen Taos.

    Es folgen die Klassen Subkompakt (Marktanteil 21,2 Prozent) und Kompakt (18,6 Prozent). Hier führen der Nissan Versa, der General Motors Aveo und der KIA K3 die Verkaufsranglisten an. Bei Pickups (17,2 Prozent) liegen der Nissan NP-300 und der Toyota Hilux vorne. Rückläufige Zahlen wies 2024 einzig das Segment Luxusautos auf, was BMW, Mercedes-Benz und Audi zu spüren bekamen. Nur Porsche konnte seine Absatzzahlen steigern (+52,1 Prozent).

    Absatz von Kfz in MexikoStückzahl, Veränderung in Prozent

    Kategorie

    2023

    2024

    Veränderung 2024/2023 

    Pkw

    1.363.714

    1.496.797

    9,8

    Lkw

    90.874

    106.487

    17,2

    Busse

    17.187

    19.535

    13,7

    Quelle: AMDA 2025; ANPACT 2025; INEGI 2025

    Der langjährige Marktführer Nissan steigerte seine Verkäufe 2024 nur unterdurchschnittlich und büßte Marktanteile ein. Das Verfolgerfeld bestehend aus General Motors, Volkswagen und Toyota hingegen verringerte den Abstand zum Branchenprimus. Dennoch befanden sich unter den zehn meistverkauften Modellen allein vier Fahrzeuge von Nissan (Versa, NP300, March, Sentra).

    Nach dynamischen Wachstumsraten in den Jahren zuvor konnten chinesische Fabrikanten 2024 nur bescheidene Erfolge verbuchen, trotz großer Marketingkampagnen. Der Absatz von MG Motor stagnierte im Vergleich zum Vorjahr. Das Unternehmen, das zum Staatskonzern SAIC Motor gehört, war dank des beliebten Modells MG5 an etablierten Autobauern wie Ford, Hyundai und Renault vorbeigezogen und belegt Platz 8 im Verkaufsranking. Die zweitwichtigste chinesische Automarke in Mexiko, Chirey des Staatsunternehmens Chery Automobile, verzeichnete einen Absatzeinbruch um 30,3 Prozent. 

    Absatz von Pkw nach ausgewählten Herstellern in Mexiko Stückzahl; Marktanteil und Veränderung in Prozent

    Hersteller

    Absatz 2024

    Veränderung 2024/2023

    Marktanteil 2024

    Nissan

    255.116

    5,8

    17,0

    General Motors

    205.045

    11,4

    13,7

    Volkswagen 1)

    177.261

    18,2

    11,8

    Toyota

    121.968

    17,1

    8,1

    KIA

    104.384

    11,7

    7,0

    Mazda

    99.797

    31,3

    6,7

    Stellantis 2)

    93.809

    -3,1

    6,3

    MG Motor

    60.168

    0,1

    4,0

    1 umfasst die Marken Volkswagen, Audi, Porsche, Bentley, SEAT; 2 umfasst die Marken Alfa Romeo, Peugeot, Chrysler, Dodge, Fiat, Jeep und RAM.Quelle: AMDA 2025

    BYD tritt aggressiv in den mexikanischen Markt ein

    Laut AMDA hatten chinesische Autobauer 2024 insgesamt einen Marktanteil von 9,5 Prozent. Das war etwas niedriger als im Vorjahr. Das große Fragezeichen ist jedoch BYD: Der weltweit wichtigste Hersteller von Elektroautos kam Ende 2022 nach Mexiko, veröffentlicht aber keine Verkaufszahlen. Branchenkennern zufolge könnte er dank aggressiver Verkaufstaktiken die restliche chinesische Konkurrenz und auch einige westliche Hersteller bereits hinter sich gelassen haben. Besonders häufig ist das SUV-Hybridmodell Song Plus auf den Straßen von Mexiko-Stadt anzutreffen, aber auch der Kompaktwagen BYD Dolphin.

    Finanzierungsmöglichkeiten spielen beim Neuwagenkauf eine wichtige Rolle. Knapp 60 Prozent aller Pkw werden finanziert, wobei die Zinssätze 2024 im Vergleich zum Vorjahr etwas zurückgegangen sind. In der Regel werden Zinssätze zwischen 10 und 18 Prozent jährlich mit Laufzeiten von fünf Jahren verlangt. Meist stellen die Finanzinstitute der Automobilhersteller das Kapital bereit, teilweise auch Banken.

    US-Zölle treffen Automobilsektor stark

    Die Exporte des mexikanischen Automobilsektors in die USA beliefen sich 2023 auf 130,3 Milliarden US-Dollar (US$). Sie machen rund ein Drittel der gesamten Lieferungen Mexikos an den nördlichen Nachbarn aus. Aus keinem anderen Land beziehen die USA mehr Kfz und -Teile. Die US-Einfuhren aus Mexiko in dieser Sparte sind fast so hoch wie die im Ranking folgenden Lieferungen aus Kanada, Japan und Südkorea zusammengerechnet.

    Die derzeit geltenden Einfuhrzölle auf mexikanische Waren in Höhe von 25 Prozent, die außerhalb des USMCA-Abkommens gehandelt werden, haben starke Auswirkungen auf den Automobilsektor. So stoppte Stellantis für den Monat April die Produktion im Werk in Toluca, wo die Modelle Jeep Compass und Wagoneer S hergestellt werden. Rund 90 Prozent der Produktion des Werks geht normalerweise an das Nachbarland im Norden.

    Damit Fahrzeuge weiterhin zollfrei in die USA gelangen, muss die lokale Wertschöpfung mindesten 75 Prozent betragen. Nicht allen Autobauern gelingt das. BMW etwa ist in Mexiko weit von dieser Vorgabe entfernt, unter anderem da das Unternehmen Motoren aus Europa bezieht. Der Strafzoll in Höhe von 25 Prozent macht eine Herstellung in Mexiko und anschließende Ausfuhr in die USA kaum noch wettbewerbsfähig.

    Die Bestimmungen können sich täglich ändern. Den aktuellen Stand finden Sie auf unserer GTAI-Sonderseite Handelspolitik unter Trump.

    Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt

  • Branchenstruktur

    Die Automobilindustrie in Mexiko hat 2024 mit 4 Millionen Pkw einen neuen Produktionsrekord aufgestellt. Beim Export von Pkw und Kfz-Teilen ist sie auf die USA ausgerichtet.

    Mit 4 Millionen produzierten Pkw hat Mexiko den bisherigen Spitzenwert aus dem Jahr 2017 übertroffen. Das berichtete der Verband der Automobilindustrie AMIA (Asociación Mexicana de la Industria Automotriz). Mexiko ist der siebtgrößte Pkw-Produzent der Welt und liegt nur knapp hinter Deutschland. Für 2025 rechnet AMIA mit 4 Millionen bis 4,1 Millionen produzierten Pkw.

    Mexikos Automobilindustrie ist stark exportabhängig. Auch 2024 gingen rund 87,2 Prozent der hergestellten Pkw ins Ausland. Ein Großteil davon wird an die USA geliefert. Die Exporte von Pkw erreichten mit 3,5 Millionen Fahrzeugen ebenfalls einen neuen Höchstwert. Auch der lokale Absatz entwickelte sich dynamisch (+10,7 Prozent).

    Volkswagen ist drittgrößter Produzent in Mexiko

    Die größten Hersteller in Mexiko waren 2024 erneut General Motors (889.000 produzierte Pkw), Nissan (670.000 Pkw), Volkswagen (527.000 Pkw, inklusive Audi), Stellantis (419.000 Pkw) und Ford (387.000 Pkw). Jede der genannten Firmen hat mindestens zwei Werke im Land. Eine Übersicht der insgesamt 37 Autofabriken bietet AMIA.

    Die Automobilwerke haben sich in den vergangenen Jahren auf die starke Nachfrage in den USA nach Sport Utility Vehicles (SUV), Pick-ups und Geländewagen eingestellt. Dementsprechend führen nicht Klein- oder Kompaktwagen die Produktionszahlen an, sondern die Modelle General Motors Equinox SUV und Toyota Tacoma. Es folgten der Nissan Sentra, Honda HR-V und Nissan Versa.

    Hersteller rüsten auf Elektromobilität um

    Auch wenn die Erstausrüster (Original Equipment Manufacturer, OEM) aktuell keine neuen Werke in Mexiko errichten, so stecken sie dennoch erhebliche Summen in bereits existierende Werke zur Umrüstung auf Elektromobilität und neue Modelle. Seit November 2024 rollt beispielsweise im Audi-Werk in San José Chiapa der neue Q5 vom Band. Ab 2026 soll dort auch eine Elektroversion des Q5 hergestellt werden. Im nahe gelegenen Volkswagen-Werk in Puebla wurde Ende 2024 mit der Produktion der neuen Versionen der Modelle Tiguan und Taos begonnen.

    Weiter nördlich startete Toyota 2024 mit der Produktion des Pickups Tacoma sowie einer Hybridversion davon in den Werken Guanajuato und Baja California. Für die Anpassung der Produktionslinien hatte das Unternehmen rund 1,5 Milliarden US$ ausgegeben. Stellantis produziert seit August 2024 den Elektro-SUV Jeep Wagoneer S am Standort Toluca, wo 1,6 Milliarden US$ investiert wurden. General Motors fuhr 2024 die Produktion der Elektromodelle Equinox EV und Blazer EV in seinem Werk im nordmexikanischen Ramos Arizpe hoch. Zuvor hatte der US-Konzern rund 1 Milliarde US$ in die Anpassung des Werks investiert.

    Auch Hersteller, die bislang nicht in Mexiko produzieren, haben großes Interesse an dem Land. Sie sind aufgrund der politischen Situation in Nordamerika jedoch zurückhaltend. So hat der US-Autobauer Tesla seine angekündigte Gigafabrik nahe der Stadt Monterrey auf unbestimmte Zeit verschoben. Womöglich wird die Investition aufgrund der Zollpolitik der Trump-Regierung in die USA verlegt.

    Wichtige Investitionsprojekte von Kfz-Herstellern in Mexiko (Stand: Januar 2025)Investitionen in Millionen US-Dollar
    Unternehmen

    Beschreibung

    Investitionen 

    Anmerkung
    AudiInvestitionen in das Werk in San José Chiapa (Puebla)

    1.100

    Im Juni 2024 angekündigt; Herstellung einer Elektroversion des Modells Q5 ab 2026 geplant; soll 500 neue Arbeitsplätze schaffen; Ende 2024 begann der Bau einer Produktionsanlage für Hochvoltbatterien
    MG MotorBau eines neuen Werks in Mexiko; Standort nicht bekannt

    1.050

    Einen Tag vor der US-Präsidentschaftswahl bekannt gegeben; Produktion von 100.000 Fahrzeugen jährlich geplant; derzeit ungewiss, ob Investition tatsächlich durchgeführt wird
    VolkswagenInvestitionen in das Werk in Puebla

    942

    Mitte Februar 2024 angekündigt; Umrüstung des Werks auf Elektromobilität
    BMWInvestitionen in das Werk in San Luis Potosí

    860

    Ab 2027 sollen Elektrofahrzeuge der Neuen Klasse vom Band laufen; im Mai 2024 wurde mit dem Bau des Montagezentrums für Hochvoltbatterien begonnen
    Volvo GroupNeues Werk für Lkws in Ciénega de Flores (Nuevo León)

    700

    Bau startete im Oktober 2024; soll Mitte 2026 Betrieb aufnehmen; wird größtes Produktionszentrum für Volvo und Mack Trucks weltweit
    KiaInvestitionen in Werk in Pesquería (Nuevo León)

    408

    Ausbau der Kapazität von 250.000 auf 400.000 Fahrzeuge jährlich; Herstellung des Elektromodells EV9 und eines Hyundai-Modells geplant; Ende 2024 Bau eines eigenen Solarparks angekündigt
    FordInvestitionen in das Werk in Irapuato (Guanajuato)

    273

    Im September 2024 angekündigt; in dem Werk wird der Antriebsstrang für das EV-Modell Mach-E hergestellt
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2025

    US-Zölle verteuern Exporte von Autoteilen 

    Die Fertigung von Autoteilen erhöhte sich 2024 um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erreichte einen Wert von 124,5 Milliarden US$, wie der Branchenverband INA (Industria Nacional de Autopartes) mitteilte. Für die positive Entwicklung sorgten der Ausbau bereits vorhandener Produktionskapazitäten sowie neue Investitionen ausländischer Unternehmen im Zuge des Nearshoring, sagte INA-Geschäftsführer Gabriel Padilla Maya auf einer Pressekonferenz im Januar 2025.

    Die neuen Einfuhrzölle der USA verteuern nun die Exporte, so Padilla Maya. Im Jahr 2024 lieferte Mexiko 87 Prozent der produzierten Autoteile ins Ausland, vor allem in die USA. Dennoch wird erwartet, dass Mexiko seinen Platz als weltweit viertgrößter Hersteller von Kfz-Teilen weiter festigt.

    Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile nach Mexiko In Millionen US-Dollar, Veränderung in Prozent
     

    2023

    Veränderung 2023/2022

    aus Deutschland (2023)

    SITC 778.3 Kfz-Elektrik

    3.826

    2,6

    140

    SITC 784 Karosserien, Stoßstangen etc.

    32.648

    10,2

    2.534

    SITC 773.13 Zündkabelsätze

    1.760

    9,3

    10

    SITC 713.2 Motoren

    9.379

    4,4

    307

    Summe

    47.613

    8,4

    2.991

    Quelle: UN Comtrade 2025

    Zulieferer investieren

    Timm Jenisch, Geschäftsführer für Nordamerika beim Automobilzulieferer Kern-Liebers äußerte sich zuletzt im Gespräch mit GTAI zur aktuellen Lage in Mexiko wie folgt: "Das Wachstum [..] hat sich weiter beschleunigt. Was sich aber vor allem verändert hat, sind die Unternehmen, die sich ansiedeln. Waren früher die US-Amerikaner oder beispielsweise auch die Deutschen sehr stark in den Investitionsstatistiken, sind zwischenzeitlich [..] die asiatischen, vor allem auch die chinesischen Unternehmen viel präsenter."

    Auf deutscher Seite nahm zuletzt Bosch im Oktober 2024 neue Produktionslinien in seinem Werk in Aguascalientes in Betrieb. Zuvor hatte das Unternehmen rund 221 Millionen US$ in das Werk investiert, das Bremssysteme herstellt und unter anderem Nissan, Tesla und BMW beliefert.

    Der deutsche Automobilzulieferer Mubea eröffnete Ende 2024 ein zweites Werk in Ramos Arizpe im Bundesstaat Coahuila. Die Investitionen lagen bei 55 Millionen US$. Das Werk dient der Produktion von Achsfedern und Faserverbundfedern.

    Wichtige Investitionsprojekte von Kfz-Zulieferern in Mexiko (Stand: Januar 2025)Investitionen in Millionen US-Dollar
    Unternehmen

    Beschreibung

    Investitionen 

    Anmerkung
    ZC RubberNeues Werk zur Herstellung von Reifen in Saltillo (Coahuila)

    500

    Fläche 600.000 qm; Grundstein im August 2024 gelegt
    MichelinPhase 2 des Ausbaus des 2019 in León (Guanajuato) eröffneten Werks

    400

    Insgesamt sechs Ausbaustufen geplant
    Yokohama RubberNeues Werk zur Herstellung von Reifen in Saltillo (Coahuila)

    380

    Im Bau; soll 2027 in Betrieb gehen; geplante Produktion 5 Millionen Reifen jährlich
    Ningbo Xusheng GroupWerk zur Herstellung von Leichtmetallteilen in Saltillo (Coahuila)

    350

    Nach acht Werken in China jetzt erstes Werk in Mexiko
    ZF FriedrichshafenErweiterung des Werks in El Marqués (Querétaro) zur Herstellung von Bremstechnologie

    263

    Im Februar 2023 angekündigt; läuft über fünf Jahre
    MagnaWerk für Komponenten und Strukturteile für Elektroautos in Ramos Arizpe (Coahuila)

    166

    Im März 2024 angekündigt; elftes Werk von Magna im Bundesstaat Coahuila und Nummer 33 in Mexiko
    IntretechNeues Werk für Rückspiegel in Apodaca (Nuevo León)

    60

    Soll Mitte 2025 eröffnet werden; viertes Werk weltweit neben China, Malaysia und Ungarn
    DaimayInvestitionen zur Erweiterung der Produktion von Arm- und Kopfstützen in Ramos Arizpe und Parras de la Fuente (Coahuila)

    56

    Im Dezember 2024 angekündigt; soll Mitarbeiterzahl des Unternehmens in Mexiko auf 5.000 erhöhen
    Grand TopsunNeues Werk für Plastikteile in León (Guanajuato)

    55

    Erstes Werk des Unternehmens außerhalb von China; erste Phase soll 2026 in Betrieb gehen
    Fuerda SmartechNeues Werk für Kfz-Elektronikteile in Ramos Arizpe (Coahuila)

    28

    Ende 2024 bekannt gegeben
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2025

    Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt

  • E-Mobility

    Die Elektromobilität nimmt in Mexiko zu - trotz nur geringer staatlicher Förderung und einem noch lückenhaften Netz an Ladestationen.

    Die Verbreitung von Elektro- und Hybridautos nimmt in Mexiko Fahrt auf. Der Absatz dieser Fahrzeuge stieg 2024 um 67,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach Wachstumsraten von 45,5 Prozent (2023) und 8,5 Prozent (2022). Schon jetzt kommen Elektro- und Hybridautos auf einen Marktanteil von 8,3 Prozent an den gesamten Pkw-Verkäufen, Tendenz steigend.

    Hybridfahrzeuge machen das Rennen

    Besonders beliebt sind Vollhybridfahrzeuge, auf die 2024 rund drei Viertel der Verkäufe in der Kategorie entfielen. Es folgten reine Elektroautos (20 Prozent Anteil) und Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid-Antrieb (6 Prozent).

    Asiatische Hersteller wie Toyota, Honda, Kia und Hyundai haben bereits erfolgreich Hybridmodelle auf den mexikanischen Markt gebracht, wie etwa den Toyota RAV4 Hybrid. Bei reinen Elektrofahrzeugen dürften Tesla und BYD vorne liegen, doch geben diese Unternehmen keine Verkaufszahlen für Mexiko heraus. Volkswagen will 2025 den ID.4 nach Mexiko bringen.

    Anfang 2025 machte die mexikanische Regierung Pläne für staatliche, lokal gefertigte Elektroautos unter der Marke Olinia publik. Sie sollen kostengünstig sein und sich insbesondere für die Fortbewegung innerhalb ärmerer, dicht besiedelter Stadtviertel eignen. Kritiker halten das Unterfangen eines staatlichen Automobilherstellers für nicht zeitgemäß und befürchten finanzielle Verluste. Zudem sei ein lokales Zuliefernetz für Elektroautos nur zum Teil vorhanden. Batterien etwa werden nicht in Mexiko hergestellt. Das erste Olinia-Modell soll beim Eröffnungsspiel der Fußball-WM 2026 vorgestellt werden.

    Der Kauf von E-Autos wird steuerlich gefördert

    Mexiko hat sich auf der 27. UN-Klimakonferenz dem Ziel angeschlossen, dass bis 2030 mindestens die Hälfte aller neu verkauften Autos emissionsfrei sein soll. Spätestens 2050 soll der Anteil an den Verkäufen 100 Prozent erreichen. Aktuell bestehen folgende Kaufanreize für Elektro- und Hybridautos:

    • 25 Prozent des Kaufpreises können steuerlich abgesetzt werden (Ley del Impuesto sobre la Renta, ISR), die Obergrenze dafür liegt bei 250.000 mexikanischen Pesos (mex$; umgerechnet rund 12.200 US-Dollar (US$));
    • Mehrwertsteuer beim Kauf eines neuen Fahrzeuges (Impuesto sobre Automóviles Nuevos, ISAN) entfällt;
    • Befreiung von der jährlichen Kfz-Steuer ("tenencia") in Mexiko-Stadt und anderen Bundesstaaten;
    • Weitere Vorteile wie erleichterte Parkmöglichkeiten, günstigere Mauttarife und keine Einschränkungen an Tagen mit Fahrverbot wegen erhöhter Ozonwerte.

    Kaum grüner Strom an den Ladestationen 

    Gemäß dem Branchenverband EMA (Electromovilidad Asociación) waren in Mexiko Ende 2024 landesweit rund 3.300 öffentliche Ladestationen installiert. Daneben gab es knapp 40.000 private Ladepositionen in Wohn- und Bürogebäuden und auf Firmengeländen. Gerade auf Strecken außerhalb der Metropolen ist die Ladeinfrastruktur jedoch noch unzureichend ausgebaut.

    Das Unternehmen Evergo investiert derzeit 400 Millionen US$ in Mexiko, um bis 2033 landesweit 15.000 Ladestationen zu errichten. Dabei kooperiert Evergo auch mit Herstellern von Elektroautos, unter anderem mit BMW. Allerdings darf gemäß geltendem Recht nur der staatliche Energieversorger CFE Strom an private Endkunden verkaufen, weshalb Evergo an den Konzern gebunden ist. CFE produziert seine Elektrizität zu rund 70 Prozent aus fossilen Brennstoffen.

    Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt

  • Rahmenbedingungen

    Die Handelsregeln im USMCA-Raum ändern sich derzeit wegen der US-Zollpolitik ständig.

    Anfang März 2025 erhob die US-amerikanische Regierung einen Einfuhrzoll in Höhe von 25 Prozent auf Waren aus Mexiko, falls diese nicht die Präferenzregeln des USMCA-Handelsabkommens (United States-Mexico-Canada Agreement) erfüllen. Die Vorgabe betrifft auch den Kfz-Sektor.

    Die Bestimmungen können sich täglich ändern. Den aktuellen Stand finden Sie auf unserer GTAI-Sonderseite Handelspolitik unter Trump.

    USMCA-Regeln fördern die lokale Produktion

    Das im Juli 2020 in Kraft getretene USMCA-Abkommen schreibt eine Erhöhung des lokalen Wertschöpfungsanteils eines Fahrzeugs von 62,5 Prozent auf 75 Prozent (seit 2023) vor. Erst dann kann das Fahrzeug zollfrei innerhalb der Region gehandelt werden. Für alle anderen Fahrzeuge galt bei der Lieferung von Mexiko an die USA bislang ein Zollsatz von 2,5 Prozent.

    Einige OEM haben bewusst auf die Zollvorteile des USMCA verzichtet, um den notwendigen hohen Anteil an lokaler Wertschöpfung zu vermeiden. Diesen Unternehmen zufolge sprachen allein schon die geringen Lohnkosten und die gute Qualifizierung der Arbeitskräfte für den Standort Mexiko. Da nach aktuellem Stand (April 2025) nicht-USMCA-konforme Fahrzeuge bei der Lieferung an die USA zusätzlich mit 25 Prozent verzollt werden müssen, dürften mittelfristig mehr OEMs danach streben, die Vorgaben der lokalen Wertschöpfung zu erfüllen.

    Das Handelsabkommen soll revidiert werden

    Der im Vergleich zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) höhere Mindestanteil lokaler Wertschöpfung führte im Automobilsektor in den vergangenen Jahren vor allem in Mexiko zu Re- und Neuinvestitionen von Unternehmen, auch aus dem asiatischen Raum. Bei der für Mitte 2026 angesetzten Revision des USMCA-Abkommens könnte die US-Regierung auf Regelungen drängen, die für mehr Investitionen in den USA sorgen und die Tätigkeiten chinesischer Firmen einschränken. Eine vorzeitige Revision ist im Zuge der aktuellen Diskussion um US-Zölle ebenfalls möglich.

    Bereits jetzt sind die Aktivitäten chinesischer Unternehmen in Mexiko den USA ein Dorn im Auge. Bis auf JAC Group, die über das lokale Unternehmen Giant Motors Latinoamérica im Bundesstaat Hidalgo fertigen lassen (2024: 25.400 Pkw), ist zwar noch kein chinesischer Hersteller mit eigener Produktion im Land vertreten. Allerdings haben BYD, Chery Automobile, Great Wall Motors (GWM) und MG Motor Werke angekündigt, ohne bislang konkrete Investitionssummen oder Standorte zu nennen. Zudem haben die Firmen versichert, ausschließlich für den lateinamerikanischen Markt produzieren zu wollen. Theoretisch könnten sie Mexiko jedoch als Schlupfloch nutzen, um sogar zollfrei in die USA zu gelangen.

    Übergreifende Online-Plattform für den Außenhandel

    Die Bürokratie für den Warenimport und -export wird in Mexiko digital über die Plattform Ventanilla Única de Comercio Exterior (VUCEM) abgewickelt. Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gehört sie zu den besten "Single Window"-Außenhandelsplattformen weltweit. Eine Bibliothek mit Rechtstexten zum Außenhandel und geltenden Handelsabkommen bietet der Servicio Nacional de Información de Comercio Exterior (SNICE).

    Für Sicherheitsnormen ist in Mexiko das Verkehrsministerium Secretaría de Infraestructura, Comunicaciones y Transportes (SCT) zuständig. Informationen zu technischen Erfordernissen und Normen für den mexikanischen Kfz- und Kfz-Teilemarkt finden sich im Normenkatalog des Wirtschaftsministeriums Catálogo Mexicano de Normas. Umweltnormen unterliegen dem Umweltministerium Semarnat (Secretaría de Medio Ambiente y Recursos Naturales).

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt

  • Kontaktadressen

    Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Mexiko

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Secretaría de Infraestructura, Comunicaciones y Transportes (SCT)Infrastruktur- und Transportministerium
    Asociación Mexicana de la Industria Automotríz (AMIA)Verband der Automobilindustrie
    Asociación de Distribudores de Automotores (AMDA)Verband der Autokonzessionäre
    Asociación Nacional de Productores de Autobuses, Camiones y Tractocamiones (ANPACT)Verband der Nutzfahrzeughersteller
    Industria Nacional de Autopartes (INA)Verband der Kfz-Teilehersteller
    Asociación Nacional de Comerciantes en Automóviles y Camiones Nuevos y Usados (ANCA)Verband der Autohändler
    Alianza AutomotrizZeitschrift und Internetportal für die Kfz-Industrie
    INA PAACE Automechanika Mexico CityAutomobilmesse in Mexiko-Stadt veranstaltet von der Messe Frankfurt; nächster Termin 16.-18.07.2025
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